Anti-Müll-Aktivisten räumen die Natur um Hann. Münden auf

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Maskottchen Pepe passt auf: Der eingesammelte Müll wird mitgenommen. Oben links: Das Logo, das Marc Andrecht entworfen hat.

Hann. Münden. Mit Müllbeuteln, Handschuhen und Greifern ziehen sie los und machen sauber: „Spruce LYfe" nennt sich die Bewegung, die der Mündener Marc-Henning Andrecht aus Amerika mit in seine Heimatstadt brachte.

Über Facebook wirbt er um Mitstreiter bei einer eigentlich ganz einfachen Idee: Wer in der Natur oder Parks unterwegs ist wirft nicht nur keinen Müll in die Landschaft, sondern scheut sich auch nicht, welchen aufzusammeln.

Angestoßen hat das Ganze sein Cousin Daniel Andrecht in Los Angeles, so Marc Andrecht. „Spruce“ ist die Fichte, die sich stilisiert auch im Logo wiederfindet, das er entworfen hat. Spruce heiße aber auch so viel wie „sich herausputzen“, das Y statt eines I im Wort „Life“ (Leben) basiere auf einem englischen Wortspiel: „It’s not about the I, it’s about the Y (why)“ - es geht nicht um das Ich, sondern um das Warum.

Die Spruce LYfe-Mitstreiter in Amerika seien einmal die Woche in den Bergen unterwegs und sammelten dort Müll ein. Ihr Einsatz hatte den 27-jährigen Mündener so beeindruckt, dass er ein schlechtes Gewissen bekam, nicht selbst etwas zu tun.

Im Forstbotanischen Garten in Hann. Münden: Marc Andrecht von Spruce LYfe hat den mitgebrachten Beutel ziemlich schnell voll Müll gesammelt.

Zurück in Deutschland machte sich Andrecht mit seiner Freundin Leonie Riedel daran, nebenbei beim Spazierengehen Müll aufzusammeln - und im Handumdrehen war der erste Müllbeutel voll.

Zickzackweg zur Tillyschanze, Forstbotanischer Garten, Freilichtbühne am Kattenbühl oder Weserliedanlage: Wohin der sonntägliche Ausflug geht, werde spontan entschieden und über Facebook bekannt gegeben. Müll finden die Aktivisten überall.

Es gehe gar nicht darum, mit einer möglichst großen Gruppe loszugehen, sondern viele Menschen zu animieren, einfach mal die Mülltüte mitzunehmen, und beim Herausputzen zu helfen. Das könne jeder, sagt Andrecht, und „das ist nicht peinlich“. Sonntags gehen viele im Wald spazieren. Da könnte jeder etwas für seine Lieblingswege tun, und den Müll aus der Natur mitnehmen - das ist das einfache Prinzip von „Spruce LYfe“.

„Auf der Freilichtbühne sind wir angesprochen worden, ob wir abends dort gefeiert hätten, weil wir Müll einsammelten“, erzählt Marc Andrecht. Aber er und die Spruce-LYfe-Mitstreiter räumen den Müll von anderen weg. Darüber habe sich mancher gewundert, es hätten sich aber auch schon Mündener Bürger bei ihm bedankt.

Oft mit dem Hund unterwegs, kennt Andrecht die Ecken, an denen sich der Müll schnell ansammelt. Im Forstbotanischen Garten am Freitagnachmittag ist der Müllbeutel nach einer Viertelstunde schon gut gefüllt, obwohl dort zweimal pro Woche von offizieller Seite saubergemacht wird.

Auf der Weserliedanlage finde man immer wieder Reste von Grillpartys, die dort offenbar stattgefunden hatten. Den Müll nimmt Andrecht mit, ihn kann er über eine Firma, die die Aktion unterstützt, kostenlos entsorgen. Den Fehler, einen Müllbeutel am nächsten Mülleimer zu lassen, macht er nicht noch einmal: „Der Müll war am nächsten Tag wieder überall verteilt.“ 

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