Bei Sanierungsarbeiten freigelegt

Archäologen rätseln über Alter historischer Mauerfunde: Lösung steckt in Pfählen

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Mit Gabionen wird die Schlagdmauer an der Werra abgestützt. 

Bagger ziehen jahrhundertealte Pfähle an der Wanfrieder Schlagd aus dem Erdreich. Archäologen erwarten von ihnen Antworten darauf, wann die historischen Mauerreste gebaut wurden. 

Die Lösung des Rätsels steckt in den jahrhundertealten Pfählen. Stück für Stück werden sie von einem Bagger an der Wanfrieder Schlagd aus dem Erdreich gezogen.

Von ihnen erwarten die Archäologen Antworten darauf, wann genau die historischen Mauerreste gebaut wurden, die sie bei den Sanierungsarbeiten freigelegt haben. Die Pfähle haben vermutlich die Mauer abgestützt.

Wie berichtet, hat das fünfköpfige Team um die beiden Archäologinnen Sabine Stoffner und Sandra Busch-Hellwig vom Büro „Streichardt & Wedekind Archäologie“ aus Göttingen, das die Sanierungsarbeiten an der Wanfrieder Schlagd im Auftrag der Stadt Hann. Münden begleitet, Reste einer historischen, vermutlich mittelalterlichen, Mauer entdeckt, die aus der Zeit vor 1560 stammen könnte. 

Archäologin Sandra Busch-Hellwig gehört zu Team, das die Pfähle untersucht. 

Das ergibt sich aus einem Stich der Mündener Hafenansicht an der Wanfrieder und Bremer Schlagd der 1584 von Georg Braun und Frans Hogenberg veröffentlicht wurde.

Rund 50 Pfähle an Wanfrieder Schlagd geborgen 

Die ersten Funde machte das Archäologenteam an der Schlagdspitze, wo Wanfrieder und Bremer Schlagd aufeinandertreffen, jetzt haben sie auch historische Mauerreste im Verlauf der Wanfrieder Schlagd in einer Tiefe von etwa 1,60 Meter freigelegt, rund 2,20 Meter hinter der heutigen Schlagdmauer, die aus dem 18. Jahrhundert stammt.

Bei den Baggerarbeiten kamen auch die Pfähle ans Tageslicht. Rund 50 Stück seien geborgen worden, so Archäologin Sabine Stoffner. Das Besondere dabei sei, dass viele außergewöhnlich gut erhalten seien.

Die Bauarbeiten an der Wanfrieder Schlagd.

Damit eigneten sie sich sehr gut für eine sogenannte dendrochronologische Untersuchung, mit der anhand der Jahresringe, das Fälldatum der Bäume ermittelt werden und damit relativ genau gesagt werden kann, wann die historische Hafenmauer an der Werra errichtet wurde.

Die Archäologen haben die Baggerarbeiten für die Sanierung der Wanfrieder Schlagd ständig im Blick. Derzeit wird der Bereich hinter der Schlagdmauer an der Werra aufgegraben, damit Gabionen mit Schottermaterial platziert werden können, die die Mauer stabilisieren sollen. Das Ganze sei auch für sie sehr spannend, sagt Sabine Stoffner. „Wir wissen ja nicht, was mit jeder Baggerschaufel freigelegt wird.“

Sind die Mauerfunde dokumentiert und zeichnerisch festgehalten, werden sie, soweit sie den Sanierungsarbeiten und der Neugestaltung der Uferpromenade nicht im Wege stehen, wieder mit Erdreich bedeckt.

Und das sei bei dem größten Teil der Funde möglich, so Mündens Stadtdenkmalpfleger Burkhard Klapp. Das sei das Schöne daran. Damit stünden sie künftigen Generationen für Forschungsgrabungen weiterhin zur Verfügung. Denn jetzt sei es nur möglich, den Baubestand zu dokumentieren.

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