Bei Bauarbeiten trat Pflaster aus der Zeit vor 1560 zutage

Archäologischer Fund in Hann. Münden: Hof vor dem Welfenschloss

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Archäologische Funde werden dokumentiert von Archäologin Sandra Busch-Hellwig und David Paul von der Firma Streichert und Wedekind, Göttingen. Unter dem Pflaster tauchte älteres Pflaster auf, wahrscheinlich aus der Zeit vor dem Brand 1560.

Archäologischer Fund in Hann. Münden: Der alte Schlossplatz in Hann. Münden war schon früher mit Steinen befestigt. Bei den Bauarbeiten am Amtsgericht trat altes Pflaster zutage.

Archäologin Sandra Busch-Hellwig und David Paul von der Firma Streichardt und Wedekind, Göttingen, dokumentieren die Funde.  

Eine Rampe soll den Zugang zum Amtsgericht in Hann. Münden im Welfenschloss barrierefrei machen. Bei den Arbeiten daran kamen jetzt Steine ans Licht, die die Archäologen auf den Plan riefen: Ein Pflaster, vermutlich aus der Zeit vor dem Brand des Schlosses 1560, dazu ein quadratisches Fundament, auf dem vielleicht eine der Säulen, die die Balkon-Galerie trugen, einen sicheren Stand fand.

Geheimnisvolles Loch ist etwa 60 Zentimeter tief

Und dann ist da noch ein geheimnisvolles Loch: Der Durchmesser ist groß genug, um mit einem Fuß dort einzubrechen, es sei etwa 60 Zentimeter tief. Darunter sei sehr bröseliges Material, sagt Archäologin Sandra Busch-Hellwig, die mit ihrem Kollegen David Paul die Funde dokumentierte, um sie später genauer auszuwerten.

Sollte sich bei den weiteren Bauarbeiten herausstellen, dass der gesamte Untergrund bröckelig und nicht tragbar sei, müsse man womöglich tiefer graben. Spätestens dann wird Denkmalpfleger Burkhardt Klapp, der sich  gemeinsam mit Sabine Momm vom Bereich Stadtentwicklung die Funde ansah, wieder die Augen offen halten – wer weiß, was im losen Material unter dem mittelalterlichen Pflaster noch für Schätze warten, gehoben zu werden. 

So sah es vermutlich einmal aus: Das Modell des Welfenschlosses im Städtischen Museum in Hann. Münden zeigt das Bauwerk noch mit seinen prachtvollen Galerie-Laufgängen aus Holz. Eines der Säulenfundamente ist vermutlich gerade wieder ans Licht gekommen.

Eine erste Einschätzung  auf der Baustelle: Der Schlossplatz lag zumindest im Bereich vor dem heutigen Eingang zu den Gerichtssälen, tiefer als heute und wurde gezielt aufgefüllt und geebnet. Da passt dann auch der zugemauerte Torbogen wieder, der heute direkt auf dem Hof aufzusetzen scheint: Er steht tiefer auf Steinquadern, größere Steinplatten markieren den Eingang. Rechts unterm Bogen liegt das Säulenfundament. Wie die Balkongalerie vermutlich einmal ausgesehen hat, zeigt das Modell des Welfenschlosses, das im Städtischen Museum ausgestellt ist. Der Torbogen trägt Steinmetz-Zeichen, die ihn der Gotik zuordnen (Mitte 12. Jahrhundert bis um 1500). In dieser Zeit verorten die Archäologen auch das jetzt aufgetauchte Pflaster.

Sockel vor dem Torbogen: Möglicherweise bildete das steinerne Fundament die Standfläche für eine der Säulen, die einst die Balkone vorm Schloss trugen.  

Bisher hatte es keinen Beweis dafür gegeben, dass der Platz vor der heute sichtbaren Befestigung auch schon gepflastert war, so Klapp. Warum das Niveau des Platzes angehoben wurde, ist unklar. Sicher scheint nur, dass es unmittelbar nach dem Brand geschah, der 1560 das Schloss fast vollständig zerstörte. Erich II. baute es umgehend wieder auf. Vorher hatte er die mittelalterliche Burganlage zum Schloss umgebaut. Für unterschiedliche Nutzungen in der Folgezeit wurde das Schloss immer wieder baulich verändert. Außer dem interessanten Pflaster fanden die Archäologen auf der Amtsgericht-Baustelle auch Keramik, die sie dem 17. Jahrhundert zuordnen.

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