Das Archiv ebnet den Weg in die Vergangenheit

Meterweise Informationen: Rechts im Regal die säurefreien Kartons mit genauer Beschriftung. Fotos: Sangerhausen

Hann. Münden. Wenn die Akten im Archiv richtig sortiert und verschlagwortet sind, dann kann man darin auch recherchieren. Doch bis dahin muss viel Kleinarbeit geleistet werden: Stadtarchivar Stefan Schäfer berichtet.

Vorhandene Unterlagen müssen erschlossen und neue ins Archiv eingearbeitet werden, sodass Informationen auch wiedergefunden werden können, erläutert Schäfer seine Arbeit im städtischen Archiv in Hann. Münden.

Zuweilen stößt der Archivar dabei auch auf Kurioses: Wie etwa auf einen Eintrag in der Instandhaltungsakte über das Mündener Rathaus. Dort seien Probleme mit Wanzenbefall verzeichnet, erzählte Schäfer schmunzelnd, „nicht die zum Abhören, sondern die Krabbler“. Die hatten sich in der Arrestzelle breitgemacht, vermerkte ein gewissenhafter Schreiber. Das Archiv der Stadt Hann. Münden verfüge über 900 Regalmeter 

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Unterlagen. Durch das archivgerechte Verpacken, Umlagern und Nachbewerten vorläufig archivierter Unterlagen habe man 

22 Regalmeter Archivraum neu hinzugewonnen. Grob hochgerechnet habe man es mit 12.000.000 Seiten Papier zu tun, so Schäfer. Die beiden Magazinräume des Archivs befänden sich damit an der Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit.

259 Besucher zählte das Archiv im vergangenen Jahr, erstmals ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Von 2010 bis 2014 war die Besucherzahl Jahr um Jahr gestiegen. Das bedeutet aber nicht, dass es im vorigen Jahr weniger Anfragen gab: Vielmehr sei es zunehmend so, dass Anfragen per E-Mail gestellt würden, die der Archivar auch gleich per Mail beantworte, sodass ein persönlicher Besuch nicht mehr notwendig ist. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 kamen 314 Besucher, im Jahr davor waren es 276.

360 Glasplatten-Negative aus dem Nachlass des Fotografen Niels Spicker hat Stefan Schäfer mit Hilfe des Ehrenamtlichen Hans Elsner digitalisiert. Die Tochter des Fotografen, Cathrine Ehmen, hatte dem Stadtarchiv die Aufnahmen geschenkt (wir berichteten). Die empfindlichen Glasplatten wurden sorgfältig verpackt, die Fotos können nun digital betrachtet werden, ohne dass die Originale strapaziert werden. In einer Sonderausstellung im Museum sollen dieses Jahr Fotos von Spicker gezeigt werden.

7 Umzugskartons mit Unterlagen aus Bonaforth brachte Ortsbürgermeister Roland Sittig ins Archiv. Sie waren im Dorfgemeinschaftshaus gelagert gewesen und waren, wie das Gebäude, teilweise von Schimmel befallen, berichtete Schäfer. Einzigartige Quellen zur Ortsgeschichte, besonders zur Geschichte der Schule dort, hätten gerettet werden können, sie wurden vorläufig gereinigt und verzeichnet.

3 Ehrenamtliche unterstützen den Archivar in seiner Arbeit. Außer Hans Elsner, der nicht nur Bilder digitalisiert, sondern auch beim Scannen, Reinigen und Sortieren hilft, sind das Walter Blum, der historische Texte in Schrift und Form für heutige Leser aufbereitet, und Holger Gruber, der Quellen nach Hauseigentümern und Bewohnern der Stadt auswertet. 

Schaefer@hann.muenden.de

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