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Verein „Mündener Hilfe“ schließt Tagestreff „Kaffeemühle“

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Von: Ekkehard Maass

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Abschied von der „Kaffeemühle“. Der Tagestreff schließt zum Jahresende. Unser Bild zeigt die Vorstandsmitglieder Erika Maschke (links) und Dr. Johanna Goldbach zusammen mit Mitarbeiter Frank Teuser, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Tagestreffs, vor dem Eingang.
Abschied von der „Kaffeemühle“. Der Tagestreff schließt zum Jahresende. Unser Bild zeigt die Vorstandsmitglieder Erika Maschke (links) und Dr. Johanna Goldbach zusammen mit Mitarbeiter Frank Teuser, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Tagestreffs, vor dem Eingang. © Ekkehard Maass

Sie war über Jahre eine Anlaufstelle für bedürftige Menschen. Jetzt schließt die „Kaffeemühle“.

Hann. Münden – Nach über 20 Jahren schließt die „Kaffeemühle“ in der Mündener Altstadt. Aber nicht nur der Tagestreff für Obdachlose und bedürftige Mündener beendet seine Arbeit, sondern auch der Trägerverein, die „Mündener Hilfe“ macht nach 25 Jahren zum Jahresende Schluss. „Wir haben niemanden für die Vorstandsarbeit gefunden“, sagt Erika Maschke,

2. Vorsitzende, der nun die Aufgabe zugefallen ist, den Verein aufzulösen. Der amtierende Vorstand hätte aus Altersgründen und gesundheitsbedingt die Arbeit nicht mehr leisten können, sagt die 74-Jährige.

„Es tut uns allen sehr leid. Wir haben alles versucht, aber ohne Erfolg“. Erika Maschke gehört wie die Vereinsvorsitzende Elke Unckenbold und Schriftführerin Dr. Isolde Salisbury zu den langjährigen Vereinsmitgliedern, die in der „Mündener Hilfe“ von ihren Anfängen bis heute aktiv waren. 28 Mitglieder gehören ihr aktuell an.

Die Geschichte beginnt vor 25 Jahren. 1997 gründen engagierte Mündener Bürger den Verein mit dem Ziel, einen Tagestreff für wohnungslose und bedürftige Menschen einzurichten, der ihnen eine Aufenthaltsmöglichkeit „ohne Konsumzwang und Schutz vor dem Wetter bietet“, heißt es in einer Kurzchronik zur Geschichte der „Kaffeemühle“. 1999 mietet der Verein „nach langer Suche“ das Erdgeschoss eines sanierungsbedürftigen Fachwerkhauses in der Mühlenstraße an. „Was folgt, ist eine ausgesprochen arbeits- und kostenintensive Renovierungsphase, bei der zahllose ehrenamtliche Helfer, der Internationale Bund und örtliche Handwerksbetriebe mithelfen“.

Erika Maschke sind diese Jahre noch in sehr gut Erinnerung, in der die Mitglieder sogar bei den Betonarbeiten mitgeholfen haben. Im Jahr 2000 ist die Eröffnung der beiden Räume, wo sich die Menschen aufhalten, etwas essen und ihre Wäsche waschen können. Finanziert hat sich der Verein über die Jahre über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Sommerfeste, Tage der offenen Tür, Flohmärkte und Aktionen wie Suppenverkauf auf dem Weihnachtsmarkt tragen ebenfalls zur Finanzierung bei. 2014 steht der Tagestreff, der sich inzwischen als „notwendige Hilfsinstanz“ etabliert hat, so die Chronik, und von Anfang an sehr gut angenommen worden sei, vor dem Aus. Nach einem Eigentümerwechsel stehen dem Verein die Räume in der Mühlenstraße nicht mehr zur Verfügung. Die Suche nach einer neuen Bleibe wird schwierig. „Entgegen allen Erwartungen“ ist sie dann doch erfolgreich. Das neue Zuhause liegt im Erdgeschoss des Hauses Schmiedestraße 11. Es bietet eine Küche, ein Bad und einen Aufenthaltsraum. Im März 2015 feiert die „Kaffeemühle“ ihre Wiederöffnung. Zuvor haben engagierte Mitglieder noch renoviert, Wände gestrichen, den Fußboden neu gelegt und Möbel angeschafft.

„Wir waren mit viel Herzblut dabei“, blickt Erika Maschke zurück. „Wir wollten Menschen helfen, die es nötig haben, von denen viele unverschuldet in Not geraten sind.“ Ihre Schicksale hätten gezeigt, dass es jeden treffen könne. „Wir hätten auch gerne weitergemacht.“ Aber es sei nicht mehr gegangen. Bis zuletzt war die „Kaffeemühle“ Anlaufstelle für Hilfsbedürftige, die dort für 50 Cent einen Kaffee tranken und Gesellschaft fanden. Meist seien es nun Empfänger von Hartz IV gewesen, Obdachlose seien nur noch selten in Innenstadt gekommen, auch deshalb, weil sie sich ihre Unterstützung, den Tagessatz, beim Jobcenter in Gimte abholen müssten. Von dort sei der Weg in die Stadt für sie zu weit.

Jetzt verkauft Erika Mascke noch das Inventar des Tagestreffs, der Erlös soll an die Mündener Tafel fließen. Das übrige Geld, über das der Verein noch verfügt, soll nach Abzug aller Kosten an die Bürgerstiftung Ambulantes und Stationäres Hospiz in Hann. Münden gehen. Über die genaue Summe könne sie aber noch nichts sagen. Sie dankt allen jahrelangen Sponsoren und Helfern des Vereins. (Ekkehard Maass)

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