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Aus nach fast 20 Jahren: Stoff und Stöffchen an der Burgstraße in Münden schließt

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Von: Petra Siebert

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Abverkauf läuft: Melanie Geerlings (rechts) und Melanie Tönnis haben die Entscheidung der Geschäftsschließung gut überlegt, doch fast ein halbes Jahr sind sie noch für die Kunden da.
Abverkauf läuft: Melanie Geerlings (rechts) und Melanie Tönnis haben die Entscheidung der Geschäftsschließung gut überlegt, doch fast ein halbes Jahr sind sie noch für die Kunden da. © Petra Siebert

Ein weiterer Laden in der Mündener Innenstadt wird schließen. Im Geschäft Stoff und Stöffchen beginnt der Abverkauf. Melanie Tönnis und Melanie Geerlings blicken zurück.

Hann. Münden – Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in Münden, dass das Fachgeschäft Stoff und Stöffchen an der Burgstraße zur Jahresmitte schließt. Mit der Meldung „Hello 2023, bye bye Stoff und Stöffchen, wir haben uns entschlossen, unsere Selbstständigkeit aufzugeben und den Laden zu schließen“, gingen die beiden Geschäftsführerinnen Melanie Geerlings und Melanie Tönnis in den sozialen Medien zu Jahresbeginn an die Öffentlichkeit.

„Die Gründe für diese Absicht sind vielfältig und leicht haben wir sie uns nicht gemacht“, sagt Melanie Tönnis. „Es ist eine Vernunftsentscheidung, der eine lange Entscheidungsphase vorangegangen ist“, ergänzt Melanie Geerlings. Im Dezember habe man dann den Mietvertrag gekündigt.

„Es gibt viele Gründe für diesen Schritt, denn für Selbstständige wird es nicht einfacher“, so die Erklärung von Geerlings. „Es ist auch nie unser Ziel gewesen, das Geschäft durchgängig bis zur Rente zu betreiben, aber wir wissen noch nicht, wohin die Reise geht“, schildert Melanie Tönnis.

Neuen Laden am Standort von Stoff und Stöffchen eröffnen

Fast 20 Jahre haben die beiden Geschäftsführerinnen ihren Traumjob mit einem bescheidenen Gehalt gelebt. Begonnen habe man die Verkaufstätigkeiten mit den Kindern im Tragetuch vor dem Bauch, jetzt seien die Kinder erwachsen. All die Jahre haben sie ihre Kleidung, von Kopf bis Fuß, selber genäht.

Wenn jemand Interesse hegt, an dem Standort ein Stoffgeschäft zu eröffnen, wären die beiden Frauen dem gegenüber offen.

Die Voraussetzungen seien optimal, die Vermieterin sei sehr nett, die Miete akzeptabel und Lage sehr gut. Lediglich der Geschäftsname „Stoff und Stöffchen“ könne nicht weitergeführt werden.

Viele Erinnerungen an Ladenzeit von Stoff und Stöffchen

Melanie Tönnis als Damenschneiderin und Melanie Geerlings als Textilingenieurin haben sich die zwei Jahrzehnte bestens ergänzt und ihre Kreativität ausgelebt. „Eine bessere Arbeitskollegin kann man sich nicht vorstellen“, betonen beide.

Den kompletten Laden haben sie in Eigenarbeit ausgestattet, die Regale selber angefertigt und die Einrichtung gestaltet. Da steckt sehr viel Herzblut drin. „Wir haben stets unseren Mann gestanden“, so Melanie Geerlings.

Gerne denken sie an die Nähkurse. Da haben sich in den Jahren mit Kursteilnehmerinnen Freundschaften entwickelt, die sie auch in Zukunft weiter pflegen werden. Es wurde immer versucht für die Kunden abseits der etablierten Firmen entsprechende Qualität für weniger Geld ausfindig zu machen.

„Hochwertige Ware für kleinen Taler ist unsere Devise“, macht Tönnis deutlich. Das sei teils sehr aufwendig gewesen. Eigens dafür habe man eigene Listen und Farbtabellen erstellt. Und die waren so professionell, dass ein Vertreter mal fragte, wo sie die Listen für das Nachbestellen her hätten.

Betroffenheit von Kunden über Schließung Stoff und Stöffchen

Bei vielen Kunden löste die Nachricht der Geschäftsschließung Betroffenheit aus. Das Einzugsgebiet ist weiträumig, da ist die Nähe zu Kassel und Göttingen von Vorteil.

Denn viele Kunden sind aus den benachbarten Städten, vom Harz bis Wolfhagen, mehrmals im Jahr gekommen.

Der Abverkauf hat begonnen, wichtige Standards und Basic-Artikel werden so lange wie möglich vorrätig sein. Auch die Kurse laufen so lange weiter, wie Nachfrage besteht.

Die Geschäftsführerinnen werden ihre Stoff und Stöffchen-Routine mit Sicherheit sehr vermissen und sich ganz neu orientieren müssen. Beide freuen sich aber auch auf neue Herausforderungen, einen neuen Job und Freizeitaktivitäten.

Das Schneidern bleibt für Melanie Tönnis Hobby, dazu kommt ihr Garten. Melanie Geerlings hat begonnen Trompete zu spielen.

Die Mündener Innenstadt ist derzeit im Wandel: Einige Läden schließen, andere eröffnen und bringen frischen Wind in die Drei-Flüsse-Stadt. Beispielsweise wird Bonnie & Kleid in den nächsten Wochen schließen. Inhaberin Nina Hüther eröffnet in ihren Räumen ein neues Tattoostudio. Auch ein neues Spielwarengeschäft und „Pole Poppenspäler“ haben in der Langen Straße ihre Türen geöffnet. Das Café und Bar Blue Island erweitert das kulinarische Angebot der Stadt. (Petra Siebert)

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