Audioinstallation und Objektkunst

Die Turmspringerin von St. Blasius: Ausstellung im Kirchturm in Hann. Münden

Zu Beginn nur ein Schatten: „Die Turmspringerin“ – eine komplexe Audioinstallation der Künstler Sabine Harton und Heinzmann Hamlet.
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Zu Beginn nur ein Schatten: „Die Turmspringerin“ – eine komplexe Audioinstallation der Künstler Sabine Harton und Heinzmann Hamlet.

Eine besondere Ausstellung ist im Kirchturm der St. Blasius-Kirche zu sehen. „Die Turmspringerin“, eine Installation aus Malerei, Objektkunst, Licht und Ton von Sabine Harton und Heinzmann Hamlet ist im Glockenturm ausgestellt.

Hann. Münden – In der Türmerwohnung sind Kunstwerke der Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt zu sehen. Es ist dunkel. Nur ein schwaches blaues Licht scheint aus einem Kasten, in der Mitte des Raumes. Wasser rauscht. Eine Frau atmet mehrmals laut auf. In der Ferne ertönt ein Schiffshorn. Ein Zug quietscht. Wassertropfen tropfen aufs Wasser hinunter. Der Wind pfeift und Möwen kreischen. Dann ist es fast still. Ein Herzschlag ist zu hören. Eine Stimme beginnt zu zählen „Three, two, one, zero.“ Es platscht.

„Die Turmspringerin“ heißt das Kunstwerk – eine komplexe Installation aus Malerei, Objektkunst, Licht und Ton von Sabine Harton und Heinzmann Hamlet, zu sehen im Glockenturm der St. Blasius-Kirche in Hann. Münde. „Die Audioinstallation beschreibt den Sprung der Turmspringerin in umgekehrter Reinfolge“, erklärt Lore Puntigam vom Mündener Kunstnetz.

Erst taucht die Turmspringerin aus dem Wasser auf. Im Hintergrund hören die Besucher die Geräusche eines Hafens. Dann befindet sich die Springerin in der Luft. Möwen kreischen und der Wind weht. Die Installation endet mit dem Sprung ins Wasser.

„Die Turmspringerin“ - eine Arbeit von Sabine Harton und Heinzmann Hamlet

„Sabine Harton und Heinzmann Hamlet haben sich vom Turm der St. Blasius–Kirche zu diesem Kunstwerk inspirieren lassen“, sagt Puntigam. Der Turm habe etwas beengendes, eine Art Gefängnis. „Wie ein Rapunzelturm“, beschreibt es Puntigam. „Der Sprung, ein Sprung in die Freiheit, ist wie eine Erlösung. Er steht im Gegenteil zu der beklemmenden Enge des Turms.“

Hinauf in die Türmerwohnung

Der Weg führt die Besucher der Ausstellung weiter durch den Glockenturm, über eine Holztreppe hinauf in die alte Türmerwohung.Dort sind mehrere Kunstwerke der türkisch stämmigen Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt zu sehen. Das erste Kunstwerk „Einklang“ hängt im Wohnraum der Türmerwohung. An langen Schnüren hängen mehre Stein. Das Besondere: „Die Schnüre hat Sheriban Köksal-Kurt aus ihren eigenen Haaren hergestellt“, sagt Lore Puntigam. Auch Weide hat Köksal-Kurt in „Einklang“ verarbeitet.

In zwei Zimmern der Türmerwohung sind weitere Arbeiten von Köksal-Kurt ausgestellt. „Die Stimmen der Natur“ und „Wurzeln“ heißen sie.

Aus Naturmaterialien und Haaren der Künstlerin: „Die Stimmen der Natur“ von Sheriban Köksal-Kurt.

In Transparentpapier hat die Künstlerin Naturmaterialien wie Blätter verschiedener Bäume und Pflanzen, Blüten, Wurzeln und Federn eingeschlossen. Zusammengenäht hat sie die Transparentpapiere auch mit ihren Haaren. Vor den kleinen Fenstern der Türmerwohnung hängen getrocknete Blätter. Das Werk trägt den Namen „Naturverbunden“. „Die Natur ist doch das einzige Buch, das auf allen Blättern großen Gehalt bietet“, ist auf einem der Blätter zu lesen. Ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe.

„Einklang“ in der Türmerwohung.

Blick über Hann. Münden

Während der Führung durch den Turm können die Besucher nicht nur die Kunstwerke besichtigen, sondern können auch das Innere des Turms und die Türmerwohnung der St. Blasius–Kirche entdecken. Der Weg führt über eine enge Wendeltreppe zunächst hinauf in den imposanten Dachstuhl der Kirche. Auf einer Höhe von knapp 20 Metern wurden dort rund 400 Eichenstämme verbaut.

Weiter geht es über eine Holztreppe hinauf in den Glockenturm. Sind die Besucher in der Türmerwohnung angekommen, erhalten sie einen Einblick in das Leben der Türmerfamilie. Von dort aus gibt es einen wunderbaren Rundumblick über Fachwerkhäuser der Hann. Mündener Altstadt. Ein Blick in die Freiheit – wie der Sprung der Turmspringering. (Eva Krämer)

Infos

Geführte Turm-Begehung im Turm der St. Blasius Kirche Hann. Münden „Baudenkmal trifft Installationskunst“

Anmeldung über die Rathauswache Tel. 0 55 41/7 50 von Montag bis Freitag 7 Uhr 20 Uhr und Samstag 7 Uhr bis 13 Uhr. Führungen laufen noch bis Ende September. Alle Termine sommer-kultour-goettingerland.de

Die Turmspringerin von St. Blasius

Die Turmspringerin ein Kunstwerk im Turm der St. Blasius Kirche in Hann. Münden
„Die Turmspringerin“ eine komplexe Installation aus Malerei, Objektkunst, Licht und Ton von den Künstlern Sabine Harton und Heinzmann Hamlet © Eva Krämer
Dachstuhl der St. Blasius Kirche
Während der Führung durch den Turm bekamen die Besucher einen einmaligen Einblick in den Dachstuhl der St. Blasius Kirche © Eva Krämer
Die Turmspringerin ein Kunstwerk im Turm der St. Blasius Kirche in Hann. Münden
„Die Turmspringerin“ eine komplexe Installation aus Malerei, Objektkunst, Licht und Ton von den Künstlern Sabine Harton und Heinzmann Hamlet © Eva Krämer
Die Turmspringerin ein Kunstwerk im Turm der St. Blasius Kirche in Hann. Münden
„Die Turmspringerin“ eine komplexe Installation aus Malerei, Objektkunst, Licht und Ton von den Künstlern Sabine Harton und Heinzmann Hamlet © Eva Krämer
„Einklang“, ein Kunstwerk von der Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt
„Einklang“, ein Kunstwerk von der Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt. Zu sehen in der Türmerwohnung  © Eva Krämer
„Wurzeln“, ein Kunstwerk von der Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt
„Wurzeln“, ein Kunstwerk von der Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt © Eva Krämer
„Die Stimmen der Natur“, ein Kunstwerk von der Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt zu sehen in der Türmerwohung der St. Blasius Kirche.
„Die Stimmen der Natur“, ein Kunstwerk von der Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt © Eva Krämer
„Naturverbunden“, ein Kunstwerk der Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt
„Naturverbunden“, ein Kunstwerk der Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt © Eva Krämer
Die Stimmen der Natur, ein Kunstwerk von der Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt
„Die Stimmen der Natur“, ein Kunstwerk von der Künstlerin Sheriban Köksal-Kurt zu sehen in der Türmerwohung der St. Blasius Kirche. © Eva Krämer

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