Reihe: Damals in Münden

Auswandern von Hann. Münden in die USA

Zeitungsartikel Raddampfer Hermann
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Der Raddampfer „Hermann“ befuhr mit der „Germania“ die Oberweser von Münden bis Minden. Auf dem Abschnitt Minden-Bremen verkehrten „Wittekind“ oder „Blücher“. Ein Lebewohl war oft im Mündenschen Intelligenzblatt zu lesen, wo auch der Fahrplan regelmäßig veröffentlicht wurde.

Aus Hann. Münden wanderten im 19. Jahrhundert viele Menschen in die USA aus, auf der Suche nach einem besseren Leben. Historische Quellen informieren über ihren Abschied aus der Heimat und die Überfahrt.

Im 19. Jahrhundert machten gesellschaftliche Veränderungen den Menschen zu schaffen. Bevölkerungswachstum, prekäre Wirtschaftssituationen und schlechte Lebensbedingungen bewegten viele dazu, sich ein neues Leben in einem anderen Land aufzubauen. Vor allem von Auswanderungen in die USA erhofften sie sich bessere Perspektiven. Da bildeten auch zahlreiche Mündener keine Ausnahme.

Einige schalteten anlässlich ihrer geplanten Auswan-derung sogar Anzeigen. „Ich reise nach Amerika“ lautete beispielsweise eine Anzeige im Mündenschen Intelligenzblatt im März 1848. Oder: „In vier Wochen reiset Familie Schlitzberger aus Speele nach Amerika.“ So eine Anzeige kostete natürlich Geld, aber nicht ansatzweise so viel wie die Auswanderung selbst. Häufig war das Budget, über das die Emigranten verfügten, überschaubar.

Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts funktionierte Auswanderung oft noch als Beigeschäft für die Reedereien. Die Schiffe, mit denen Ausreisewillige übersetzten, waren hauptsächlich Frachtschiffe, die Waren von Amerika nach Europa transportierten. Auf dem Rückweg boten die Zwischendecks dann Platz für Passagiere. So waren die Überfahrten verhältnismäßig günstig, aber auch alles andere als komfortabel.

Passagiere mussten ihren Proviant für die zwischen sechs und zehn Wochen dauernde Fahrt selbst mitbringen. Der Platz war rar, ebenso wie unter Umständen Tageslicht und frische Luft und die Hygiene ließ ebenfalls zu wünschen übrig. Das änderte sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, weil sich Vorschriften etablierten, Auswanderungen mehr und mehr zum Hauptgeschäft wurden und die Konkurrenz unter den Reedereien stieg.

1840 hatte der Mündener Magistrat einen Mündener Leineweber, der als Wilddieb berühmt-berüchtigt war, und dessen gesamte Familie nach Amerika geschickt. Das Unterfangen kostete den Magistrat rund 108 Taler, staatlicherseits erhielt die Stadt dafür einen Zuschuss von 30 Talern. Wie Auswanderungswillige ihre Reise finanzierten, konnte aber sehr unterschiedlich sein. 1849 bedankte sich beispielsweise Witwe Düker dafür, dass zahlreiche Leute gespendet hatten, damit ihr Sohn nach Amerika übersiedeln konnte. Mit der Anzeige „stattet das Mutterherz hiermit öffentlich den innigsten Dank ab“.

Ein Mündener Agent, der solche Überfahrten organisierte, riet dazu, „besonders billige und gute Ueberfahrtsgelegenheiten nach Newyork, Baltimore oder Neworleans in vorzüglich schönen schnellsegelnden Dreimastern“ anzutreten. Kinder reisten ermäßigt, sodass „besonders Familien eine große Erleichterung verschafft wird.“

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lösten Dampfschiffe dann zunehmend die großen Segelschiffe ab. Wer aber den „Großen Teich“ überqueren wollte, musste zunächst einmal nach Bremen kommen. Das ging von Münden aus über die Weser recht schnell, für damalige Verhältnisse. Nach der Gründung der „Vereinten Weserdampfschifffahrt“ – mit Sitz in Hameln – verkürzte sich die Reisezeit in die Hansestadt auf zwei bis drei Tage. Für eine Fahrt in der zweiten Klasse hatten Passagiere drei Taler und zehn Gute Groschen zu zahlen, Gruppen ab zehn Personen zahlten zwei Taler pro Kopf.

Ab 1849 konnten Reisende dann für einen Taler und acht Gute Groschen bis Minden kommen. War dort gerade kein Anschlussschiff verfügbar, ging es für 17 Gute Groschen „auf dem III. Platze der Eisenbahn in gedeckten Wagen nach Bremen“.

Bis zur Übernahme durch den Norddeutschen Lloyd 1856 beförderte die Vereinte Weserdampfschifffahrt 57 093 Auswanderern das erste Stück des Weges in ein neues, hoffentlich besseres Leben.

Von Sarah Schnieder

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