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Amtsgericht Hann. Münden: Zwei Jahre Haft für Autoknacker

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Von: Ekkehard Maass

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Mit dem „Keyless-Go“-Schließsystem öffnet sich der Wagen, wenn der Besitzer mit dem Schlüssel in der Nähe ist (Symbolbild).
Mit dem „Keyless-Go“-Schließsystem öffnet sich der Wagen, wenn der Besitzer mit dem Schlüssel in der Nähe ist (Symbolbild). © Foto: Uli Deck/dpa

Der Diebstahls eines Luxuswagens vom Typ BMW X5 beschäftigte jetzt das Amtsgericht Hann. Münden.

Hann. Münden – Das Amtsgericht Hann. Münden hat einen 29-jährigen Litauer wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit Urkundenfälschung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Der Mann musste sich wegen des Diebstahls eines Luxuswagens vom Typ BMW X5 verantworten, der in der Einfahrt eines Grundstücks in Hann. Münden gestanden hatte. Der Vorwurf der Urkundenfälschung bezieht sich auf den Austausch der Kennzeichen.

Er habe Geld für seine Drogen, unter anderem Heroin, gebraucht, sagte der Angeklagte, der in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wurde. Er büßt derzeit eine Reststrafe aus einer früheren Verurteilung wegen schweren Bandendiebstahls ab. Dabei ging es um Ladendiebstahl. Der 29-Jährige ist mehrfach einschlägig vorbestraft. Auch darin sah das Mündener Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Matthias Thielbeer einen Grund, die Strafe für den Diebstahl in Hann. Münden nicht zur Bewährung auszusetzen. Strafverschärfend wirkte sich zudem aus, dass es sich um einen teuren Wagen handelte, dessen Zeitwert von Experten mit 50 000 Euro beziffert wurde.

Die Tat geschah fast unter den Augen des Besitzers in der Nacht vom 23. auf den 24. April gegen 3.30 Uhr. Der 49-jährige selbstständige Kaufmann sagte vor Gericht als Zeuge aus, dass er in der Nacht aus anderen Gründen aufgestanden sei und sich noch gewundert habe, dass der Hund unruhig war. Einige Minuten später hörte er dann, wie der Wagen in der Einfahrt ansprang. Durch die Scheinwerfer geblendet, habe er aber nichts sehen können. So könne er auch nicht sagen, ob es ein oder mehrere Täter gewesen seien. Der 29-Jährige, der vor Gericht einräumte, den Wagen entwendet zu haben, machte dazu keine Angaben. Die alarmierte Polizei leitete sofort eine Fahndung ein, auch Streifenwagen der Autobahnpolizei seien im Einsatz gewesen, so ein Ermittler vor Gericht.

Weit ist der Angeklagte nicht gekommen: Ein Spaziergänger fand den Wagen mit laufendem Motor einige Stunden später in einem Waldstück an der Haarthstraße, etwa fünf Kilometer vom Tatort entfernt. „Ich habe Angst gehabt und bin weggelaufen“, sagte der 29-Jährige, ohne weitere Angaben zu machen. Bei der Spurensuche im Wagen stießen die Ermittler dann auf die DNA des Angeklagten, über die der polizeibekannte Mann auch ermittelt werden konnte.

In dem Verfahren ging es dem Gericht nicht nur darum, dem Angeklagten den Diebstahl nachzuweisen, sondern auch um die Frage, ob er ihn allein oder als Teil einer Bande begangen hat, was schwerer bestraft wird. Eindeutig klären ließ sich das in dem Verfahren nicht.

Während der Angeklagte den Diebstahl des BMW X5 einräumte, machte er zu möglichen Mittätern keinerlei Angaben und hatte dies durch seinen Verteidiger auch gleich zu Beginn des Prozesses betont.

„Keine Ahnung“, antwortete er zum Beispiel auf die Frage, woher die polnischen Kennzeichen gekommen seien, die anstelle der deutschen Nummernschilder montiert wurden. Es waren nicht irgendwelche, sondern sie passten ganz genau zu dem Fahrzeugtyp. Auch dazu, wer die Idee hatte, genau dieses Auto zu stehlen, sagte der Angeklagte nichts.

Für das Gericht ist die Tat umfangreich vorbereitet gewesen. Das gilt etwa für die Art und Weise, wie der Wagen geöffnet wurde. Dieser Fahrzeugtyp ist mit einem besonderen Schließsystem ausgestattet, das mit Funksignalen funktioniert. Der Wagen öffnet sich, sobald der Besitzer mit dem Schlüssel ganz in der Nähe ist. Einen Knopf muss er nicht mehr drücken. Allerdings können diese Systeme unter bestimmten Bedingung mit speziellen Geräten leicht ausgetrickst werden, indem die Signale verlängert werden. Der BMW ist wahrscheinlich so geöffnet worden, es gab keine Einbruchsspuren.

Und noch etwas weist aufeine besondere Vorbereitung der Tat hin: Im Auspuff steckten Putzschwämme, mit denen das Motorengeräusch offenbar gedämmt werden sollte. Weiter fanden die Ermittler bei der Spurensuche im Wagen einen Störsender, mit dem verhindert werden sollte, dass der Wagen über GPS geortet werden kann. Zudem waren entsprechende Kabel in dem Auto durchtrennt.

Zu den offenen Fragen des Verfahrens gehört auch, warum der Angeklagte den Wagen etwa fünf Kilometer vom Tatort entfernt mit laufendem Motor in einem Waldstück an der Haarthstraße hat stehen lassen. „Aus Angst“, sagte der 29-Jährige dazu lediglich. Er sei dann zu Fuß weiter geflüchtet. Vielleicht hatte er ja das Blaulicht der herannahenden Streifenwagen auf der Autobahn bemerkt, die an der Fundstelle parallel zur Haarthstraße verläuft.

Ins Visier der Polizei geriet der vielfach Vorbestrafte durch seine DNA-Spuren, die die Ermittler am Lenkrad und auch auf einem Kennzeichen fanden. Das hat dann letztlich auch zu seiner Festnahme geführt. Hinweise auf Mittäter fanden die Ermittler nicht.

Mit seinem Urteil zu zwei Jahren Freiheitsentzug ohne Bewährung ging das Schöffengericht über das Strafmaß hinaus, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Auch sie war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Angeklagte sich eines besonders schweren Diebstahls in Tateinheit mit Urkundenfälschung strafbar gemacht hatte. Sie hielt eine Strafe von einem Jahr und fünf Monaten Freiheitsentzug für angemessen. Dass die Drogensucht des Angeklagten das Motiv für die Tat war, haben sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Gericht als Milderungsgrund beim Strafmaß berücksichtigt. Aber seine Schuldfähigkeit sei deswegen nicht eingeschränkt gewesen, so das Gericht. Er sei sehr planvoll vorgegangen und habe gewusst, was er tat.

In seinem „letzten Wort“ in dem Verfahren sagte der Angeklagte, dass die Tat ein großer Fehler gewesen sei. Er sollte besser in Polen einer Arbeit nachgehen. Er bitte das Gericht um Verständnis. Sein Verteidiger hatte zuvor die Sucht des Angeklagten als Motiv für seine Taten besonders hervorgehoben.

In Polen hatte der Angeklagte eine Zeit lang gewohnt und gearbeitet ebenso wie in England, wo seine Frau und sein 13-jähriger Stiefsohn leben. Der Mann hat zwar die Schule mit einem Abschluss beendet ähnlich dem Abitur, aber eine Berufsausbildung hat er nicht. Er habe zuletzt als Lagerarbeiter gearbeitet. In Deutschland hat er keinen Wohnsitz. Zur Tatzeit sei er zu Besuch bei Verwandten gewesen. (Von Ekkehard Maass)

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