Die Rückkehr der Eisenbartglocken

Sitzt alles?: KDM-Mitarbeiter Thomas Wurm (rechts) und Andreas Degenhardt vom Unternehmen Denkmalpflege Mühlhausen bereiten das Glockengestell zum Hochhieven vor. Fotos: Siebert

Hann. Münden. Seit Donnerstag sind die großen sechs Eisenbartglocken wieder unterm Rathausdach.

Genauso reibungslos wie die sechs Glocken des Eisenbart-Musikspiels Ende Februar aus dem Dachstuhl des Mündener Rathauses per Kran heruntergehoben wurden, wurden sie gestern Nachmittag wieder hochgehievt. Arbeiten am Dach waren der Grund, warum sie im Februar abgebaut werden mussten.

Mit den großen Glocken im Dachstuhl hätte man Sanierungsarbeiten an dem durch witterungsbedingte Einflüsse maroden Gebälks nicht so erfolgreich vornehmen können. Heute nehmen die Dachdecker die Anpassungsarbeiten vor, nächste Woche schließt der Elektriker der Kommunalen Dienste Hann. Münden (KDM) die fast 400 Kilogramm schweren Glocken an, damit sie wieder dreimal täglich auf dem Rathausvorplatz für jeweils ungefähr vier Minuten mit einem Spottlied auf Doktor Eisenbart ertönen.

Die vorhandenen kleinen Glocken haben sichergestellt, dass das Lied trotzdem erklingen konnte, allerdings nicht in voller Lautstärke. Lediglich auf den Hochzeitsmarsch mussten Brautpaare verzichten.

Ursprünglich sollten die Glocken nur drei Monate bis zum Wiedereinbau auf dem Baubetriebshof zwischen gelagert werden, doch es sind sieben Monate daraus geworden.

Das lag daran, dass sich die Feuchtigkeitsschäden am Rathausdach nicht nur, wie zuerst angenommen, auf die Holzbalken beschränkt haben, sondern auch die Sandsteine Schäden aufwiesen. Außerdem wurden Risse in den Stürzen entdeckt, was statische Probleme mit sich brachten. Das sei festgestellt worden, nachdem die Glocken abgebaut waren, vorher habe sich das nicht erkennen lassen. „Die Steinsanierung musste sinnvollerweise im Zuge der Dachsanierung vorgenommen werden“, sagte dazu Jürgen Stieler von den Kommunalen Diensten (KDM) der Stadt.

So habe man Verzögerungen im geplanten Bauablauf und damit die verspätete Anbringung der Glocken hingenommen. Denn hätte man dies auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, hätte wieder ein Gerüst aufgebaut werden und Gebäudeteile, die durch die Sanierung geschlossen wurden, hätten wieder geöffnet werden müssen. Noch in diesem Monat steht die jährliche Wartung des Glockenspiels an. Die Arbeiten können von dem vorhandenen Gerüst aus vorgenommen werden.

Rückkehr der Eisenbartglocken

„So wurde bereits 1604 beim Bau des Rathauses der Grundstein gelegt, dass wir in Arbeit und Brot bleiben“; meinte Stieler scherzhaft. Damit Feuchtigkeit in Zukunft nicht wieder Gebälk und Steine angreift, wurde in dem Bereich, in dem sich die Glocken befinden, eine Bleiwanne installiert und die seitlichen Wände mit einer Bleieindeckung als Spritzschutz versehen. Bei starkem Regen sammelt sich das Wasser in der Wanne an und wird über einen Abfluss in ein Fallrohr abgeleitet. (zpy)

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