Familie bittet um Hilfe

Baufirma dringend gesucht: Familie findet Wasserbecken unter ihrem Haus

Dieses Haus ist seit 1960 das Heim der Familie Dörhage. Die zwei Meter lange Holzlatte in Hilmar Dörhages Händen stößt auf den Boden des Wasserbeckens unterm Haus auf. Es gibt aber tiefere Stellen, wie unter dem Kaminschacht, der rechts im Bild Risse zeigt.
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Dieses Haus ist seit 1960 das Heim der Familie Dörhage. Die zwei Meter lange Holzlatte in Hilmar Dörhages Händen stößt auf den Boden des Wasserbeckens unterm Haus auf. Es gibt aber tiefere Stellen, wie unter dem Kaminschacht, der rechts im Bild Risse zeigt.

Das Haus einer Varloser Familie ist fast zwei Meter tief mit Wasser unterspült. Doch die Versicherung zahlt nicht.

Varlosen – „Der Handwerker kam ganz entsetzt an, sowas habe er noch nicht gesehen“, berichtet Hilmar Dörhage. Der 67-jährige Varloser zeigt einen Aktenordner mit Unterlagen über den Zustand des Hauses, in dem er mit seiner 65-jährigen Frau und seiner 99-jährigen Mutter wohnt. Drei Baufirmen habe er schon kontaktiert, alle lehnten den Auftrag ab, das unterspülte Haus zu sanieren. Nun sorgt sich der Varloser darum, dass die Familie ihr Heim verliert.

Auf das Problem aufmerksam wurde Hilmar Dörhage Anfang November 2019, berichtet er im Gespräch mit der HNA. Handwerker wollten eine Steckdose installieren und machten ihn auf Setzrisse in der Wand aufmerksam. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, ließ er Löcher in den Boden stemmen. Die Handwerker stießen auf ein tiefes Loch unterhalb des Kellers und klares Wasser.

Varlosen: Wohnhaus mit Grundwasser unterspült

Hilmar Dörhage lies eine geotechnische Untersuchung in Auftrag geben. Der Bericht liegt der Redaktion vor. Demnach hat sich ein wassergefüllter Hohlraum von mindestens 1,4 Metern Tiefe und einem Radius von etwa vier Metern entwickelt. Unter dem Schornstein ist der Hohlraum vier bis fünf Meter tief und somit trichterförmig. Ursache dafür ist Grundwasser, das aus der Tiefe nach oben dringt und die Bodenschichten unterhalb des Kellers ausgewaschen hat.

Bisher befindet sich dieser Hohlraum unterhalb der Innenwand und des Kamins. Bei weiterer Ausdehnung des Hohlraumes ist laut Bericht die Statik des Hauses gefährdet. Deshalb werden Sanierungsarbeiten durch eine horizontale Bohrung von außen empfohlen.

Geologe Ulrich Wolke, Verfasser des Berichtes, erklärt auf Nachfrage, dass ein plötzlicher Einsturz des Hauses unwahrscheinlich sei. Eher würden die Erdschichten langsam nachrutschen und Risse am Haus sichtbar werden. Es sei jedoch nicht möglich vorauszusagen, wie schnell sich der Hohlraum unter dem Haus ausbreitet.

Dieses Haus ist seit 1960 das Heim der Familie Dörhage.

Vier-Generationen-Haus: Kinder inzwischen ausgezogen

Das Haus wurde 1960 gebaut, erzählt Hilmar Dörhage. Früher hätten auf drei Etagen vier Generationen mit acht Personen gelebt. Auf ehemals 20 Hektar Land habe die Familie Landwirtschaft und Hühnerhaltung betrieben.

Nun sind die Kinder ausgezogen und durch viele Krankenhausaufenthalte habe er sich nicht mehr um den Hof kümmern können. „Vor zehn Jahren hätte ich noch geholfen den Schaden zu beheben“, sagt Hilmar Dörhage.

Nun sucht der 67-Jährige eine Baufirma, die die vorgeschlagenen Sanierungsmaßnahmen umsetzt. Bisher habe er drei Absagen erhalten. Laut Geologe Wolke sei eine horizontale Bohrung die beste Maßnahme, eine Spezial-Tiefbaufirma sollte damit keine Schwierigkeiten haben.

Versicherung zahlt Schaden nicht

Eine weitere Herausforderung, die sich nun für Hilmar Dörhage aufgetan hat, ist die Absage der Versicherung für die Baumaßnahmen aufzukommen.

Laut Schreiben der Versicherung sind in der Elementarschutzversicherung nur Schäden durch Erdfall und Erdrutsch, nicht aber durch Grundwasser abgesichert. Der Hauseigentümer hat nun einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Er wünscht sich, dass die Versicherung die Kosten für die Sanierungsmaßnahmen übernimmt oder den Wert des Hauses erstattet.

Sollte das Haus nicht saniert werden, plant Dörhage ein ehemaliges Stallgebäude einzureißen und ein kleines Haus für die Familie zu bauen. Um das bezahlen zu können, müsste er verbliebenes Land verkaufen und wäre auf das Geld der Versicherung angewiesen.

„Ich habe immer noch die Hoffnung, das Haus zu sanieren“, sagt Hilmar Dörhage und denkt dabei auch an seine 99-jährige Mutter, die er und seine Frau pflegen. Sie habe das Haus „mit viel Mühe und Entbehrungen gebaut“.

Versicherung: „Schaden nicht im Bereich versicherter Risiken“

Die Versichertengemeinschaft bietet über uns als Versicherer Versicherungsschutz für viele Schadenszenarien. Einige Schadenfälle sind in dieser Versicherung nicht umfasst oder ausdrücklich ausgeschlossen. Dies ist der Kalkulierbarkeit der Risiken geschuldet. Im vorliegenden Fall liegt der Schaden nicht im Bereich der versicherten Risiken, sodass wir nach einer Prüfung der Feststellungen sachverständiger Personen zur Schadenursache zu unserem Bedauern die Übernahme der entstehenden Kosten ablehnen mussten. Die angekündigte umfassende Stellungnahme des Rechtsanwaltes unseres Versicherungsnehmers steht aus. Sollten sich daraus neue Erkenntnisse ergeben, werden wir unsere Entscheidung selbstverständlich überprüfen.

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