Organtheater Kassel im Welfenschloss

Begnadigte Körper im Schloss: Kleine Wehwehchen mit viel Witz

Organtheater: Volle Gesichtsakrobatik zeigten Jens Haupt, Dagmar Witzel, Uwe Jakubczyk und Ute Wienkamp (v.l.) beim „Hirnstammtisch“. Fotos:  Eismann

Hann. Münden. Ob die Zuschauer ihrem eigenen Körper jetzt gnädiger gesonnen sind, sei dahingestellt. Zumindest die Lachmuskeln sind nach dem Auftritt des Organtheaters Kassel am Samstagabend im Welfenschloss in Schwung.

Vom Ehestreit über das falsch geschriebene Tattoo reichte das aktuelle Programm „Begnadigte Körper“ bis zum Zylindertanz zum Thema Organe aus China - „preislich sind die prima“. Doch vor allem die kleinen Wehwehchen nahm die Gruppe aufs Korn, sang zu Welf Kerners Akkordeon von Problemzonen und Fettabsaugen per Staubsauger.

Uwe Jakubczyk als Ritter.

Und was die Pharmaindustrie uns nicht alles andreht: Schon die altenRittersleut‘ - in Wollmütze und Glitzerjacken - kannten offenbar Marschall Agiolax, den Bader Diclofenac von Novartis und Iberogast, den Neffen von Lord Imogas. Uwe Jakubczyk gab einen überzeugenden eingebildeten Kranken, endlich kuriert durch die Wunderpille „Garnixisdrin“. Und Tuppertante Marianne ging mit dem Mittel ihrer Wahl ab wie Zäpfchen, auch wenn letzteres zunächst „etwas seifig“ schmecke. Ute Wienkamp meisterte das dazugehörige duselige Lächeln ebenso wie die übertrieben keifige Altfrauenstimme, mit der sie später als schwerhörige Kundin einen Hörgeräte-Akustiker zur Verzweiflung trieb.

Fast an Loriot erinnerte ein Sketch, in dem sie ihre Mitspieler in einer Gesprächsrunde zum Thema Burn-out zu moderieren versuchte.

Die trugen natürlich thematisch passende Doppelnamen, die zu Versprechern einladen, und redeten gekonnt inhaltsleer aneinander vorbei. Viele Lacher erntete auch Jens Haupt: Salbungsvoll krächzte er als „Bruder Luidbert vom Hämorrhoiden-Konvent“ vom Wert des „Wir“ im Wirbel.

Und das Treffen der beiden Hirne wertete er als dumpfbackiger Problemmagen auf, der nur an Pizza und Pasta interessiert ist. Nicht alle Witze waren bei diesem zentralen Sketch rund um die Pause völlig neu.

Aber vor allem Dagmar Witzels strahlendem Grinsen sah man die Freude daran an, die bekannten Schlagwörter durch den Kakao zu ziehen: vom Mythos Multitasking über Hirschhausen und Hirnjogging bis hin zum freien Willen. (zee)

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