Bei einer Hochzeit flogen die Fäuste

Geschichten aus dem Gasthaus: „Letzter Heller“ in Münden

Gastwirtin Martina Lange vom Letzten Heller mit der Hofkatze „Frau MacGyver“ erzählt Geschichten aus ihrem Gasthaus.
+
Gastwirtin Martina Lange vom Letzten Heller mit der Hofkatze „Frau MacGyver“ erzählt Geschichten aus ihrem Gasthaus.

Gasthäuser gehören zum Bild eines Dorfes dazu. Und doch sinkt die Zahl der Gaststätten im Land. In loser Folge stellen wir Gasthäuser aus dem Altkreis Münden vor. Heute: Letzter Heller in Hann. Münden.

Hann. Münden – „Letzter Heller“ heißt nicht nur die Bundesstraße, die an der Werra entlang führt, sondern auch das Haus, das seit 135 Jahren der Familie Lange gehört. Zwischen Ilksbach und Werra, nur wenige Meter vom Wasserkraftwerk entfernt steht das imposante Fachwerkhaus auf 40 000 Quadratmeter Land.

Letzter Heller in Münden: Französischer Flair im Hinterhof

„Zur Hochzeit wurde meinen Urgroßeltern damals der Hof und das Land geschenkt“, erzählt Tom Lange, der dort seit 30 Jahren das Gasthaus mit seiner Frau Martina betreibt. Vermutlich kein Geheimtipp ist der Hinterhof des Gasthauses. Die weitläufige Fläche zieren zahlreiche Kübel mit Lavendelpflanzen, auf den Tischen stehen frische Blumen: Lavendel, aber auch kleine Sträuße, liebevoll selbst gepflückt und zusammengestellt von Tom Hellers Mutter. Zwischen den Tischen streunert die schwarz-weiße Hofkatze „Frau MacGyver“ umher und hofft auf Streicheleinheiten. Unter Sonnensegeln sitzten die Gäste auf Holzmöbeln und es fühlt sich fast an, als wäre man in Frankreich. Hier lässt es sich aushalten.

Selbstgepflückte Blumen von Oma Lange

„Der Lieblingsort der meisten Besucher ist allerdings unsere Gaststube“, sagt Martina Lange. Dort stehen noch die alten Holzstühle und selbst gebauten Tische von Großvater Lange. Es wirkt, als sei die Zeit ist ein bisschen stehen geblieben. Auf den Tischen liegen bestickte Tischdecken, zum Teil sind sie Geschenke von Stammgästen, an den Wänden hängen Handarbeiten.

Authentisch alt, aber sehr gemütlich.

Martina Lange

„Authentisch alt, aber sehr gemütlich“ so beschreibt Martina Lange die Atmosphäre der Gaststube, in der sie meist selbst hinter der Theke steht. Geht man einen Raum weiter, ist es wie ein Sprung zurück in die Gegenwart. Tageslicht strömt durch die Fenster, die Wände sind hell gestrichen, die Deko minimalistisch gehalten. Auf den Fensterbänken der alten Veranda stehen frischen Blumen, neben der Tür ein alter Holzschrank, ebenfalls vom Opa. Es ist gemütlich im Letzten Heller. „Die Veranda hat in der Silvesternacht von 1927 auf 1928 gebrannt. Weil die Nichte aber im Frühling hier heiraten wollte, hat der Urgroßvater es sich nicht nehmen lassen, den heutigen Anbau im Eiltempo zu errichten, damit die Hochzeit trotz allem stattfinden kann“, so Lange.

Martina Lange im Hinterhof ihrer Gaststätte.

Dann öffnet die Gastwirtin eine große weiße Schiebetür und der Blick auf den Festsaal wird freigegeben: „Hier wurden schon unzählige Feste gefeiert“, erinnert sie sich. Teilweise sei der Letzte Heller für Familien der Anlaufpunkt für alle zu feiernden Meilensteine: „Hier wurden Taufen gefeiert, einige Jahre später die Konfirmation der Kinder und am Ende sogar deren Hochzeit“, erzählt Martina Lange stolz. Es sei ein tolles Gefühl, so treue Gäste zu haben.

Berühmte Gäste im Letzten Heller

Doch auch Kurioses hat die Gastwirtin in den letzten 30 Jahren erlebt. So gab es beispielsweise vor 25 Jahren eine Hochzeitsfeier, bei der sich am Ende die Gäste geprügelt haben: „Da habe ich schon gemerkt, wie es zwischen den G��sten knisterte, irgendwann flogen dann die Fäuste und wir mussten den Krankenwagen rufen.“ Sonst gehe es im Gasthaus aber friedlicher zu, beteuert sie lachend. Auch berühmte Gäste habe sie schon bedient – Siegmar Gabriel war zum Essen im Letzten Heller und Schauspieler und Kabarettist Helmut Krauss, bekannt durch seine Rolle als Nachbar Paschulke in der Kindersendung „Löwenzahn“, hat im angrenzenden Hotel der Langes übernachtet.

So kam es zum Namen:

Der Name „Letzter Heller“ existiert bereits seit 135 Jahren, sagt Tom Lange. Ein Heller ist eine Silbermünze: „Hier war früher eine Mautstation zwischen Hessen und Niedersachsen, wo man seine Heller zahlen musste“, sagt der Gastwirt. Es existiere aber auch die Märe vom Letzten Heller, in der Helmo von der Lippoldsburg seinen letzten Heller im Wirtshaus ausgab und anschließend auf den Teufel traf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.