Ein langer Weg zur Umsetzung

Bestattungswald Hann. Münden eröffnet: Spendenaktion für Pavillon

Haben den Stadtwald eröffnet: Vanessa Meyer (von links), Susanne Gohde mit Holly, Harald Wegener und Annika Meier mit Alma.
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Haben den Stadtwald eröffnet: Vanessa Meyer (von links), Susanne Gohde mit Holly, Harald Wegener und Annika Meier mit Alma.

Der Bestattungswald in Hann. Münden ist nun eröffnet. Es fanden bereits erste Bestattungen dort statt. Für einen Pavillon wird Geld gesammelt.

Hann. Münden – Nach fünf Jahren Planung und Umsetzung ist der Bestattungswald Hann. Münden eröffnet. Oberhalb der Weserliedanlage sind dort nun Beerdigungen unter Bäumen möglich, eine zunehmend beliebte Alternative zur Bestattung auf dem Friedhof.

Auf 3,4 Hektar stehen knapp 1550 Grabstätten unter 160 Bäumen zur Verfügung, informiert Susanne Gohde, Leiterin des Stadtwalds. Die Fläche könne bei Bedarf erweitert werden. Die aktuelle Grenze ist durch aufgezeichnete Kreuze an den Bäumen erkennbar.
Das Gelände ist über die B 3 zu erreichen. In Gimte führt die Straße Heidewinkel in den Wald, wo Schilder zu den Parkplätzen führen. Weitere Wegweiser sollen an der Bundesstraße aufgestellt werden.

Hann. Münden: Wege sind nach Flüssen benannt

Drei Wege, benannt nach den drei Mündener Flüssen, führen durch den Bestattungswald. Von ihnen gehen mehrere Pfade ab, die nach dort wachsenden Baumarten benannt sind. Sie sind mit Hackschnitzeln ausgelegt und durch Schilder gekennzeichnet, am Rand stehen Bänke – das Holz dafür stammt aus dem Stadtwald.

Die für ein Grab zur Verfügung stehenden Bäume verschiedener Arten sind mit Plaketten nummeriert. Familien können einen Baum erwerben, unter dem maximal zwölf Urnen Platz finden. Alleinstehende und Paare können an einem Gemeinschaftsbaum beerdigt werden. Sie sind durch ein lila Band gekennzeichnet.

Seit dem 1. August ist der Bestattungswald fertig und wird seitdem von vielen Spaziergängern besucht. Ihnen stehen mehrere Parkplätze und eine barrierefreie Toilette zur Verfügung. Aber nicht alle Wege sind aufgrund ihrer Steigung barrierefrei.

Letzte Ruhe an der Weserliedanlage

Wer sich für eine Beisetzung im Bestattungswald interessiert, kann sich bei einem Spaziergang einen Baum aussuchen. Sie sind mit Plaketten nummeriert, Gemeinschaftsbäume mit einem lila Band. Eine Grabstelle an einem Gemeinschaftsbaum kostet rund 800 Euro, ein Baum für eine Familie knapp 7000 Euro. Beratung beim Stadtwald: Vanessa Meyer, Tel. 0 55 41/2 52 86, E-Mail: v.meyer@hann.muenden.de. Online-Terminvereinbarung unter termin.hann.muenden.de

Drei Bestattungen haben bereits stattgefunden, zwei weitere sind schon geplant, so Gohde. Für die Trauerfeier ist ein großer Platz angelegt, mit Bänken, einem Rednerpult und Podesten für Urne und Blumensträuße. Ein Pavillon soll dort noch errichtet werden, wofür derzeit noch die finanziellen Mittel fehlen.

Einmal im Monat sollen Führungen durch den Bestattungswald angeboten werden, bei denen sich Interessenten informieren können.

Hann. Münden: Erste Bestattung unter Kiefer

Eine Kiefer hat sich ein Mündener als letzte Ruhestätte ausgesucht, der als erster im Bestattungswald Hann. Münden begraben wurde. Der Mann habe sich sehr gewünscht, im Wald beerdigt zu werden. „Er hat so lange gelebt, bis die Genehmigung kam“, erzählt Vanessa Meyer vom Stadtwald Münden.

Der Bestattungswald oberhalb der Weserliedanlage ist für Spaziergänger frei zugänglich und gut mit dem Auto zu erreichen. Auch der Wanderweg X4 führt über das Gelände, so ist ein Ort entstanden, an dem „Leben und Tod nah beieinander liegen“, wie Försterin Annika Meier sagt.

Die Försterinnen des Stadtwalds begleiten Beerdigungen im Bestattungswald. Sie bieten Führungen an, bereiten Grabstätten vor und setzen bei der Trauerfeier die Urne ins Grab.

Die Gestaltung der Beisetzung liegt bei den Angehörigen, erklärt Vanessa Meyer. So seien bei einer der ersten Beerdigungen Schmetterlinge fliegen gelassen, bei einer anderen ein Schnaps am Grab getrunken worden. Blumengestecke dürften bei der Trauerfeier genutzt werden, aber die Gräber sollen im Sinne des Naturschutzes frei von Schmuck, Blumen und Kerzen bleiben.

Hann. Münden: Ein langer Weg von der Idee bis zur Umsetzung

Für die Mitarbeiter vom Stadtwald war es von der Idee bis zur ersten Beerdigung ein langer Weg. Vor fünf Jahren hat die Planung mit einer Bachelorarbeit begonnen, erinnert Leiterin Susanne Gohde. Dabei wurden eine Bedarfs- und Standortanalyse gemacht, rechtliche und bauliche Fragen geklärt. Ein zweiter Student beschäftigte sich in einer weiteren Arbeit mit der Umsetzung, der Planung der Wege und Grabplätze. 150 Arbeitsstunden sind dann in die Anlage geflossen, die zwischenzeitlich Schäden von Sturm Friederike genommen hatte.

Umgefallene Bäume wurden zu Bänken und Holzschnitzeln für die Wege verarbeitet. „Dieser Wald bietet eine weitere Bestattungsform in Hann. Münden“, sagt Bürgermeister Harald Wegener bei der Eröffnung. Bürger, die sich dafür entscheiden, müssten nun nicht mehr fern der Heimat bestattet werden. Leider sei es aufgrund des nicht genehmigten Stadthaushalts derzeit nicht möglich, den Bau eines Pavillons am Platz für die Trauerfeiern zu finanzieren.

Deshalb ruft der Bürgermeister zu Spenden auf, „damit zeitnah ein Ort des Gedenkens und der Andacht geschaffen werden kann und die Angehörigen dort ein Dach über dem Kopf haben.“ Die Kosten für den Pavillon liegen bei 25 000 Euro. 1000 Euro trägt Harald Wegener privat bei, wie er bei der Eröffnung ankündigte. Überschüssige Spenden sollten für die Unterhaltung und Verkehrssicherung des Stadtwalds genutzt werden. (Kim Henneking)

Spendenkonto für den Pavillon

Spenden für den Pavillon am Trauerplatz werden ab sofort für vier Wochen gesammelt. Empfänger: Stadt Hann. Münden, Verwendungszweck „Bestattungswald“, Sparkasse Göttingen, IBAN DE66 2605 0001 0000 0006 38, Mindestbetrag 100 Euro.

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