Bewährungsstrafe für einen Fahraddieb

Hann.Münden. Das Amtsgericht Hann. Münden hat einen 48 Jahre alten Mann wegen Diebstahls eines neueren Mountainbikes zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten mit einer Bewährung von drei Jahren verurteilt.

Richterin Dr. Christine Kunst verband die Bewährung mit der Auflage, jeden Wohnortwechsel dem Gericht zu melden.

Sie rechnete dem Angeklagten an, dass er geständig war, er den Schaden wieder gut machen will und bescheinigte ihm, zum Tatzeitpunkt wegen seiner Tabletten- und Drogensucht vermindert schuldfähig gewesen zu sein.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor wie im Urteil auf eine sechsmonatige Haftstrafe mit Bewährung plädiert. Eine Geldstrafe hielt sie wegen der langen Vorstrafenliste mit Diebstählen und Urkundenfälschungen für nicht ausreichend. „Sie haben auch schon hinter schwedischen Gardinen gesessen“, hielt der Staatsanwalt ihm vor.

Der ausgemergelte und offensichtlich untergewichtige Mann erschien ohne Rechtsanwalt zu seiner Verhandlung, aber in Begleitung einer Sozialpädagogin.

Derzeit macht er einen Entzug in einer Einrichtung und versucht, sein Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. „Ich möchte wieder auf die Beine kommen“, sagte er mit leiser, schwer verständlicher Stimme. Seine Betreuerin stellte ihm eine gute Prognose in Aussicht, eine Einschätzung, die das Gericht beim Verzicht auf eine Haftstrafe berücksichtigte.

Die Drogenkarriere des gelernten Bau- und Kunstschlossers begann eigenen Angaben zufolge Mitte der 1980er Jahre, unter anderem nahm er Kokain. Eine Therapie in den Jahren 2007/2008 sei erfolgreich gewesen. „Danach war ich vier Jahre sauber.“

Ein heftiger Schlag war für ihn die Trennung von seiner Partnerin. Er griff wieder zu Alkohol und Tabletten, so wie am Tag des Diebstahls. So fünf, sechs Bier und fünf bis zehn Tabletten habe er geschluckt.

An den eigentlichen Diebstahl könne er sich wegen eines Filmrisses nicht mehr erinnern. Er wisse nicht, ob das Fahrrad angeschlossen gewesen sei.

Er nahm es jedenfalls mit und verkaufte es für 80 Euro in Holzminden. Dort befindet sich das Rad jetzt auch, nachdem er es sich wieder besorgt habe. Er wolle es dem Eigentümer zurückgeben, verkündete er vor Gericht.

Sein stationärer Entzug ist zunächst auf ein Jahr veranschlagt, möglicherweise wird der Aufenthalt auch noch zwei bis drei Jahre länger andauern. Als letzte Worte vor dem Urteil sagte der Angeklagte: „Ich kann mich nur entschuldigen.“ (zhp)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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