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Bewegung hilft bei erkranktem Herz: Herzsportgruppe der TG Münden ist seit 28 Jahren aktiv

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Von: Kira Müller

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Verschiedene Übungen und viel Ausrüstung: Übungsleiterin Ingrid Linke (rechts) und Facharzt für innere Medizin Dr. Dirk Bernhard Gustavus (zweiter von rechts) unterstützen die Herzsportgruppe.
Verschiedene Übungen und viel Ausrüstung: Übungsleiterin Ingrid Linke (rechts) und Facharzt für innere Medizin Dr. Dirk Bernhard Gustavus (zweiter von rechts) unterstützen die Herzsportgruppe. © Kira Müller

Sport machen, das Gehirn fit halten und sich gemeinsam bewegen – das können die Mitglieder der Herzsportgruppe der Turngemeinde Münden. Auch dort hat die Pandemie Spuren hinterlassen.

Hann. Münden – Um sich nach einer Herzerkrankung wieder körperlich und sportlich zu betätigen, bietet die Turngemeinde 1860 Münden Rehabilitationssport an.

Um gemeinsam in Bewegung zu kommen, trifft sich die Herzsportgruppe jeden Montag in der Sporthalle Neumünden. Derzeit findet der Sport in zwei Gruppen statt, wobei eine ärztlich betreut wird. Die Betreuung übernimmt seit 2018 Dr. Dirk Bernhard Gustavus, Facharzt für innere Medizin.

Derzeit sind je knapp 25 Personen in zwei Gruppen aktiv. Vor der Corona-Pandemie waren jedoch wesentlich mehr Personen zum Training gekommen, berichtet Übungsleiterin Ingrid Linke. Je etwa 35 Personen besuchten eine der drei Gruppen. „Ich möchte in Erinnerung rufen, dass wir noch da sind“, sagt Linke.

Nicht nur der Sport steht in der Gruppe im Vordergrund, sondern auch der Spaß und es wird viel gelacht: „Jede Woche freue ich mich auf die Gruppe. Die Leute sind mir ans Herz gewachsen. Nach einer Weile kennt man die halbe Lebensgeschichte“, sagt Gustavus.

Puls messen, Gedächtnisübungen und Wunden versorgen stehen auf dem Programm

Auch Ingrid Linke ist Ansprechpartnerin für die Teilnehmer. „Sie ist nicht nur Übungsleiterin, sondern auch die gute Seele der Gruppe“, sagt der Arzt. Da die betroffenen Personen meist über 60 Jahre alt sind, bietet die Übungsstunde zusätzlich zu der körperlichen Fitness auch geistiges Training. Das heißt, neben Ausdauer-, Konditions- und Schnellkraftübungen, werden zeitgleich auch Reaktionsvermögen und Gedächtnis gestärkt.

Während der Sporteinheit, stehen zusätzlich Puls und Blutdruck messen auf dem Programm. Ab und an passieren während des Trainings auch mal kleinere Unfälle, wo Wunden versorgt oder Muskelverspannungen gelöst werden müssen. „Aber das gehört zum Sport dazu“, erklärt Gustavus. „Wir stehen ja nicht nur beratend zur Seite, sondern werden auch aktiv. Wir müssen auf alles vorbereitet sein“, sagt er weiter. So zielt das Training auch auf Sturzprophylaxe ab.

Nach dem einstündigen Training, können die Senioren zu einer freien Sprechstunde kommen, wo sie mit Dr. Gustavus über ihre Sorgen und Nöte sprechen können. „Pro Stunde kommen meist drei bis vier Senioren, die ein Anliegen haben“, sagt der Arzt.

Gunnar Andreassen gründete Gruppe 1994

Der Gründer der Herzsportgruppe ist der ehemalige Arzt Gunnar Andreassen. Der heute 74-Jährige hat auf Empfehlung der Herzsportgruppe Göttingen 1994 eine eigene Gruppe am Standort in Hann. Münden gestartet. Bis 2017 war er selbst kardiologisch tätig und aktiv im Sport.

„Die Herzsportgruppe war sehr populär, es kamen immer neue Leute dazu“, erklärt er. „Ich habe das sehr gerne gemacht. Viele meiner Patienten habe ich hier untergebracht. Wir hatten eine gute Verbindung zueinander.“

Genau wie Ingrid Linke, die als Übungsleiterin nur einige Monate nach der Gründung aktiv geworden ist, sind auch manche Senioren schon jahrelang dabei. Der älteste Sportler ist 1939 geboren, das jüngste Mitglied 1968.

Strukturelle Herzerkrankung muss nachgewiesen sein

Bevor an der Herzsportgruppe teilgenommen werden darf, muss eine strukturelle Herzerkrankung vorausgegangen sein. Wenn der behandelnde Arzt die Herzsportgruppe empfohlen hat, kann der Betroffene eine Verordnung vom Hausarzt bekommen. Wenn die Krankenkasse diese dann genehmigt hat, kann eine Anmeldung bei Ingrid Linke erfolgen.

Weitere Infos: tg1860.de

Erkranktes Herz

Als strukturelle Herzerkrankungen werden angeborene oder erworbene Defekte des Herzens bezeichnet. Dazu gehören unter anderem Herzmuskel- und Herzklappenerkrankungen sowie Defekte der Herzscheidewand, welche die Rechte von der Linken Herzkammer trennt. Auch der Zustand nach einem Herzinfarkt zählt zu den strukturellen Herzerkrankungen. Behandelt werden können solche Krankheiten je nach Ausprägung mit Medikamenten, um den Herzmuskel zu unterstützen. Um die eigentliche Ursache zu behandeln, ist jedoch ein chirurgischer Eingriff nötig.

(Kira Müller)

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