Vierstellige Bewerberzahlen für 2019

Bewerberansturm auf die Polizeiakademie in Hann. Münden

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Sporttest auf dem Gelände der Polizeiakademie an der Weser: Sieben Bewerber laufen trotz Hitze die geforderten fünf Kilometer auf Zeit. Wer sieben Minuten früher als die Zeitvorgabe ins Ziel kommt, bekommt einen Bonuspunkt.

Hann. Münden. 1600 junge Menschen beginnen in diesem Jahr ihr Studium an der Polizeiakademie Niedersachsen. Schon jetzt bewerben sich mehrere Tausend für die begehrten Studienplätze 2019. 

Die drei Studienstandorte, darunter Hann. Münden, freuen sich über die diesjährige Rekordzahl an Studienanfängern – und auch über die vielen Bewerber, die ein Studium in 2019 anpeilen.

Erwartet werden bis zu 6500 Bewerber, bislang seien schon Bewerbungen im vierstelligen Bereich eingegangen, berichtet Markus Iwa, Leiter des Dezernats für Nachwuchsgewinnung an der Mündener Polizeiakademie.

Die hohe Zahl der Interessierten, die sich für einen der begehrten Studienplätze bewerben, zeige, dass die Polizei noch immer ein attraktiver Arbeitgeber sei, so Iwa. Derzeit rechne man mit einer Planungszahl von 950 Studienplätzen. Die genaue Zahl werde demnächst im Innenministerium festgelegt.

Die Bewerberqualität sei sehr gut, die meisten jungen Polizistenanwärter seien für ihren künftigen Beruf bestens geeignet, berichtet der Dezernatsleiter. Zum Einstellungsverfahren gehören ein Intelligenztest, ein Sporttest, eine ärztliche Untersuchung und ein Bewerbungsgespräch. Bestehe ein Bewerber das mehrstufige Verfahren nicht, liege das meist an der fehlenden Diensttauglichkeit. „Häufig entspricht die körperliche Konstitution nicht unseren Voraussetzungen“, sagt Iwa. Als Beispiele nennt Iwa eine nicht ausreichende Sehleistung und Schäden am Knochenaufbau, etwa Fehlstellungen der Wirbelsäule. Untersucht werden auch Lungenfunktion, Blutbild und ob der Anwärter Allergien habe.

Ein großer Filter sei auch die sogenannte GöPa: Die Göttinger Personal-Auswahl. Dieser reine Computertest am Anfang des Verfahrens prüft unter anderem Sprache und Ausdruck der Bewerber, aber auch die Fähigkeit, Probleme zu lösen.

Zwischen 40 und 50 Prozent der Bewerber fallen nach Angaben des Mündener Studienortes durch die GöPa. 

Anwärter aus ganz Deutschland

Nur etwa ein Drittel der Bewerber, die am Einstellungsverfahren in den Polizeivollzugsdienst teilnehmen, kommt aus Niedersachsen. Jedes Bundesland sei vertreten, die jungen Menschen kämen aus ganz Deutschland, berichtet Markus Iwa, Dezernatsleiter Nachwuchsgewinnung. Die Bewerber müssen angeben, an welchen der Studienorte Hann. Münden, Nienburg oder Oldenburg sie studieren wollen und auch, in welchem Bereich Niedersachsens sie später ihren Dienst versehen wollen. Wer einen Test im mehrstufigen Auswahlverfahren nicht besteht, kann sich erst wieder im nächsten Jahr bewerben. Der überwiegende Anteil bewerbe sich erneut, so Iwa. Der Anteil der weiblichen Bewerber sei in den vergangenen Jahren gestiegen und bewege sich nun seit einigen Jahren konstant bei etwa 45 Prozent. 

Mehrstufiger Test

Die Polizei sucht nach den Besten der Besten: das wird diese Tage bei den Einstellungstests am Studienstandort Hann. Münden deutlicher denn je. Bei der aktuellen Hitzewelle sind Aufgaben, die die Konzentration und die sportliche Leistungsfähigkeit fordern, umso schwerer zu erfüllen. Wer übrig bleibt, kann mit stolz sagen: Ich habe es geschafft. 

Die Bewerber für einen künftigen Dienst in Niedersachsen kommen aus ganz Deutschland. Für Jannis Urbanek aus Oldenburg ist es der zweite Anlauf: Im vergangenen Jahr war er im Laufe des Einstellungsverfahrens gescheitert. Von Aufgeben will er aber nichts wissen: „Ich will den Beruf eben gerne ausüben. Außerdem bin ich damals ganz knapp gescheitert“, erzählt der 18-Jährige. Seine Mitbewerber teilen seine Motivation: So abwechslungsreich wie der Polizeidienst seien anderen Berufe nicht. Geschätzt werde auch die gegenseitige Verpflichtung: „Der Staat stellt einen ein, dafür verpflichtet man sich auf Lebenszeit“, erklärt ein junger Mann aus Düsseldorf. Im mehrstufigen Einstellungsverfahren durchlaufen die Bewerber für einen Studienplatz an der Polizeiakademie einen Computertest, einen Sporttest, eine ärztliche Untersuchung zur Feststellung der gesundheitlichen Eignung und ein Bewerbungsinterview. Die beiden ersten Prüfungen gelten dabei als größte Filter.

Computertest

Angeschrägte Bildschirme: Gegen das Abgucken wurden spezielle Computer-Monitore im neuen Computerraum aufgestellt.

Kurz vor acht Uhr an einem der Prüfungstage: 24 junge Menschen sitzen in dem neuen Computerraum der Polizeiakademie. Vor ihnen ein Bildschirm, auf denen sie in den kommenden vier Stunden allerlei Aufgaben aus etwa 13 Themenbereichen lösen müssen. Gefordert wird unter anderem das Lösen von Zahlenreihen, Gedächtnisübungen, die Prüfllinge müssen außerdem ihre Entscheidungsfähigkeit unter Zeitdruck unter Beweis stellen und einen Rechtschreibtest absolvieren. „Der Test ist auf das künftige Berufsanforderungsprofil zugeschnitten“, erklärt Markus Iwa, Dezernatsleiter Nachwuchsgewinnung. Praxisnah ist beispielsweise die Aufgabe, in der man sich Gesichter und Namen merken muss und sie nach Ablauf eines Zeitlimits korrekt zuordnen soll. 

Nach vier Stunden ist der erste Test vorbei, über die Hälfte der Bewerber ist durchgefallen.

Einen Übungstest gibt es unter www.polizei-studium.de. Dort gibt es weitere Informationen zum Studium und den Bewerbungsvoraussetzungen. Bewerbungsschluss für 2019: 31. Oktober 2018.

Sporttest

Laufen auf Zeit: Lena Thorns misst mit einer Stoppuhr, wie lange ein Bewerber schon auf der Laufbahn war.

„Nicht anhalten, langsam weiterlaufen, durchatmen, kämpfen!“ Fünf Kilometer in einem gesetzten Zeitrahmen gilt es beim Sporttest zu laufen. Die Herren müssen nach spätestens 28 Minuten, die Damen nach 33 Minuten durchs Ziel laufen. Minderjährige Bewerber bekommen eine Minute mehr Zeit. Sieben Läufer wagen bei 33 Grad Celsius den Sporttest: Acht Bewerber hatten zuvor den Computertest bestanden. „Das gesundheitliche Wohl unserer Bewerber ist uns wichtig“, erklärt Iwa, daher werde bei der derzeitigen Hitze stets im Vorfeld gefragt, ob die Läufer antreten wollen oder lieber einen anderen Lauftermin an einem späteren Zeitpunkt wahrhaben wollen. 

Unter den sieben Läufern befindet sich auch Jannis Urbanek. Der 18-Jährige wird als Dritter ins Ziel laufen und auch seinen Sporttest bestehen. Zu Beginn starten die jungen Menschen zügig, es gilt, so viele Runden wie möglich in wenig Zeit hinter sich zu bringen. Denn: Kommen die Läufer sieben Minuten früher an, als es das Zeitlimit vorsieht, gibt es einen Bonuspunkt, der nützlich im weiteren Bewerbungsverfahren sein kann. 

Nach und nach werden die Läufer langsamer. Kein Wunder: Die Sonne knallt auf den Sportplatz, vielen schwinden nach kurzer Zeit die Kräfte. Die Jugendlichen werden von drei Polizisten aus dem Dezernat Nachwuchsgewinnung begleitet, die in Erster Hilfe geschult sind. Ein Kreislaufkollaps oder andere Notfälle ereignen sich aber trotz der Hitze an diesem Tag nicht. 

„19 Minuten!“, ruft Lena Thorns, als ein Bewerber an ihr vorbeiläuft. Thorns misst die Zeit, gibt den Läufern Auskunft, wie viele Runden sie noch laufen müssen und wie viel Zeit ihnen noch bleibt. Der Sporttest an diesem Prüfungstag ist mehr als erfolgreich: „Dass 100 Prozent der Bewerber es schaffen, kommt nicht oft vor“, sagt Thorns lächelnd. Als der letzte Läufer ins Ziel läuft, gibt es Applaus. 

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