Tiere aber noch nicht fest angesiedelt

Biber ist zurück im Altkreis Münden - Zwei Tiere überfahren

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Aus der Nähe betrachtet: Ein Biber, gefangen in der Bonaforther Schleuse.

Der Biber ist zurück – und zwar sichtbar: Es gibt in jüngster Zeit vermehrt Beobachtungen von Fraßspuren an den Ufern der drei Flüsse bei Hann. Münden und in der Region.

Immer wieder machen HNA-Leser darauf aufmerksam. So hängen seit der Weihnachtszeit Zweige und Äste am Fuldarand gegenüber der Löwenau zwischen Münden und dem Ortsteil Bonaforth. Das Tier selbst bekommen nur wenige zu Gesicht und schon gar nicht vor die Kamera. Alle Zeichen zusammengenommen, bestätigen die örtlichen Naturschützer jedoch, dass es Biber im Altkreis Münden gibt. 

Stefan Schäfer vom Naturschutzbund (Nabu) in Hann. Münden schätzt ihre Zahl auf fünf bis sechs Tiere. Tendenz zunehmend, wie es auch sein Nabu-Kollege Dr. Jürgen Endres aus Dransfeld sieht. 

Fest ansässig sind die Tiere hier aber offenbar noch nicht. Einen Biberbau habe sie hier bislang noch nicht zu Gesicht bekommen, sagt Britta Waldmann, Biber-Beraterin des Nabu: „Für Hinweise wäre ich dankbar“. Während der Biber sonst genug Grünfutter findet, greift er im Winter auch auf Zweige und Bäume zu: Diese Fraßspuren fallen zurzeit besonders ins Auge, so kommt man ihm jetzt gut auf die Spur. 

Die Spuren: zwischen Bonaforth und Hann. Münden hängen Zweige und Äste in der Fulda.

Da lässt er sich auch mal etwas schmecken, das nicht für ihn gedacht war: Apfelbäumchen wurden angefressen, eine Gartenbesitzerin suchte Rat bei der Biber-Beraterin. Das sei aber bisher der einzige Schaden gewesen, den das geschützte Tier angerichtet habe, sagt Britta Waldmann.

Lesen Sie auch: Rettungsaktion der Feuerwehr: Biber aus Schleuse Bonaforth befreit

B80: Biber überfahren

Umgekehrt sind aber bereits zwei Biber Unfallopfer geworden: Sie wurden auf der B80 überfahren. Diese Stelle „bibersicher“ zu machen, das ist ein Anliegen von Biber-Beraterin Waldmann, die mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises daran arbeitet.

Stefan Schäfer, Naturschutzbund Hann. Münden, nennt die hiesigen Biber „Vagabunden“, die auf der Suche nach neuen Lebensräumen sind. „Von einer festen Besiedelung können wir noch nicht sprechen“, sagt er. Das heißt, eine Reproduktion der Biber vor Ort ist bislang nicht nachgewiesen.

Nahe der Schleuse in Bonaforth wird immer mal wieder ein Biber gesehen. Anfang Mai 2018 steckte einer der Nager in der Bootsgasse der Schleuse in Bonaforth fest. Die Feuerwehr musste das Tier befreien. 

Biber stehen unter strengem Schutz

Die Nagetiere sind übrigens durch das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und dürfen weder gefangen noch getötet werden. Die Biber, die sich an und in der Fulda, Werra und Weser im Raum Hann. Münden bewegen, stammen nach Expertenmeinung aus südlicheren Gefilden, etwa aus der Rhön oder dem Thüringer Wald. Es handelt sich um europäische Biber.

Einige Biber haben sich an der Fulda im Kasseler Bereich angesiedelt, so gibt es regelmäßig Spuren im dortigen Stadtteil Wolfsanger. Es sind Jungtiere, die sich neue Reviere suchen müssen, weil sie von den Altbibern verdrängt werden. Nicht jede Nagespur stamme von einem Biber, und wenn ein pelziges Tier im Biber-Format im Wasser schwimmend gesehen wird, dann sei das auch oft eine Bisamratte oder eine Nutria, beschreibt es Biber-Beraterin Britta Waldmann. Wenn sie hinzugerufen wird, schaue sie sich nicht nur Fraßspuren an, sondern auch, ob es eine „Biberrutsche“ gibt, auf der das Tier zum Wasser kommt, und anderes mehr, um sich ein Gesamtbild zu machen.

Britta Waldmann hat beim Nabu in Hannover eine Ausbildung absolviert, bei der Biber-Arbeitsgruppe Laatzen. Deren Aktive beobachten und kartieren Bibervorkommen und -spuren.

Um für den Biber zu werben, habe sie bereits in Kindergärten und Schulen Vorträge gehalten, aber auch bei der Wasserschutzpolizei und beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Mit der Jägerschaft stehe sie in Kontakt und arbeite eng mit der Unteren Naturschutzbehörde zusammen.

Sie ist Ansprechpartnerin, wenn es zwischen Biber und Mensch Probleme gibt. Es könne passieren, dass ein Biber sich zu einem in Flussnähe gelegenen Angelteich durchgrabe oder dass es Konflikte mit Land- oder Forstwirtschaft gebe. Bisher hatte sie einen Fall: Apfelbäume waren vom Biber angenagt worden. Um sich vor einem Biber zu schützen, müsse man nicht gleich den ganzen Garten mit einem Elektrozaun umgeben, sagt sie. Es gebe starke Gitterstabmatten, die man um die Baumstämme stellen könne, am besten mit einer Schnur zum Hochziehen, damit sie beim Rasenmähen nicht stören. Auch der Anstrich mit einer Spezialfarbe könne helfen.

Kontakt: Biber-Beraterin Britta Waldmann ist unter Tel.: 05543/99 97 40 sowie 0175/52314 86 zu erreichen.

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