Herzogin Elisabeth aus Holz

Bildhauer Martin Schaub schnitzt an einer Skulptur vor dem Welfenschloss

Seit drei Wochen arbeitet Bildhauer Martin Schaub bereits an der 1,80 Meter großen Holzskulptur der Herzogin Elisabeth vor dem Welfenschloss in Hann. Münden.
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Seit drei Wochen arbeitet Bildhauer Martin Schaub bereits an der 1,80 Meter großen Holzskulptur der Herzogin Elisabeth vor dem Welfenschloss in Hann. Münden.

Bald steht sie vor dem Welfenschloss: eine Holzskulptur der Herzogin Elisabeth. Seit drei Wochen schnitzt Bildhauer Martin Schaub an seinem Kunstwerk.

Hann. Münden – Inzwischen ist schon gut zu erkennen, woran der Bildhauer Martin Schaub vor dem Hann. Mündener Welfenschloss arbeitet. Seit gut drei Wochen schnitzt er aus einem 2,10 Meter langen Eschenstamm eine Holzskulptur der Herzogin Elisabeth. Immer wieder bleiben Leute stehen und schauen dem Bildhauer bei seiner Arbeit zu. „Ich verfolge das Kunstwerk schon seit Anfang an“, sagt ein Passant. „Es ist Wahnsinn, wie er aus einem einfachen Baumstamm solch eine tolle Figur schnitzt.“

Begonnen hat Martin Schaub seine Arbeit mit einer Kettensäge. „Damit habe ich die grobe Vorarbeit gemacht und den Sockel gesägt“, sagt der Bildhauer, der in Rotenburg an der Fulda wohnt. Mit unterschiedlichen Schnitzwerkzeugen schnitzt er den Rest der 1,80 Meter großen Figur.

Die Augen sind das Tor zur Welt

Am Montagmittag arbeitete Schaub an den Gesichtszügen der Herzogin. Er streicht einige Holzspäne beiseite: „Das Gesicht gibt der ganzen Figur Ausdruck“, sagt er. Die Augen mache er bei seinen Figuren immer besonders groß. „Sie sind das Tor zur Welt.“ Ist Martin Schaub mit dem Schnitzen fertig, bekommt die Herzogin Farbe. „In das Kleid will ich mit einem kleinem Diamantbohrer Ornamente hineinritzen. Die werden dann mit goldener Farbe ausgemalt“, sagt der ehemalige Kunstpädagoge. Das Kleid der Herzogin wird purpurrot. „Ihr Unterkleid bemale ich in einem blassen Hellblau. So wurde sie auf Bilder dargestellt.“

„Schon seit über einem Jahr beschäftige ich mich mit der Herzogin Elisabeth“, erzählt Schaub. „Ich habe eine kleine Elisabeth-Figur aus Ton und ein Porträt gemacht. So manche Nächte habe ich von ihr geträumt“, sagt er und lacht.

Die Gesichtszüge der Herzogin Elisabeth sind schon zu erkennen. Bald wird die Figur bemalt.

„Sie war eine starke Frau“

Die Skulptur der Herzogin Elisabeth soll kein historisches Denkmal werden, sagt Schaub. Vielmehr möchte er mit seinem Kunstwerk den Charakter der Herzogin darstellen. „Ich will ihr etwas Individuelles verleihen. Elisabeth war eine bestimmte und starke Frau, mit einer großen politischen Überzeugung und einem gewissen Charme“, sagt der Bildhauer.„Aber sie hat auch etwas Kindliches. Das möchte ich abbilden.“

Die Idee für die Skulptur der Elisabeth hatte Martin Schaub selbst und schlug sie der Stadt Hann. Münden vor. Schon einmal hat er für die Stadt ein Kunstwerk angefertigt. Auf dem Relief, das im Zimmer des Bürgermeisters hängt, hat Schaub die Geschichte der Stadt Hann. Münden abgebildet. Neben der St. Blasiuskirche, General Tilly und Doktor Eisenbart ist darauf auch die Herzogin Elisabeth zu sehen. Nächste Woche will Schaub sein Kunstwerk fertigstellen.

Bis dahin hofft er, dass es trocken bleibt. „Leider hat es am Sonntag so geschüttet, dass ich fast den ganzen Tag in meinem Zelt saß und gewartet habe, dass es aufhört zu regnen.“ Damit sein Kunstwerk nicht nass wird, deckt Schaub es bei Regen mit einer Plane ab.

Die Figur der Elisabeth soll bald, gut geschützt unter einem Glasdach, vor dem Welfenschloss, unweit vom Eingang zur Stadtbücherei, Stadtarchiv und dem städtischem Museum stehen. (Eva Krämer)

Herzogin Elisabeth

Die Herzogin Elisabeth verbrachte die Hälfte ihres Lebens im Hann. Mündener Welfenschloss und war maßgeblich an der Einführung der Reformation im Fürstentum Calenberg-Göttingen beteiligt. Geboren wurde sie am 24. August 1510 als Tochter des Kurfürsten von Brandenburg-Hohenzollern Joachim I. und seiner Frau Elisabeth, Tochter des Königs Johann I. von Dänemark. Mit bereits 15 Jahren wurde Elisabeth mit dem 40 Jahre älteren Herzog Erich I. von Braunschweig-Lüneburg verheiratet. Mit ihrem Mann zog Elisabeth in das Welfenschloss, von dem aus ihr Mann das Fürstentum Calenberg-Göttingen regierte. Aus der Ehe gingen ein Sohn und drei Töchter hervor. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Elisabeth 1540 die Regierungsgeschäfte für ihren damals erst zwölfjährigen Sohn Erich II.. Während ihrer Regentschaft errichtete sie eine Mädchenschule in Hann. Münden, was zur damaligen Zeit revolutionär war. Mit Erreichen der Volljährigkeit übernahm Elisabeths Sohn die Regierungsgeschäfte. Vergeblich versuchte er, den Protestantismus in der Region zu bekämpfen. Elisabeth, die den Grafen Poppo XII. zu Henneberg heiratete, wurde 1553 von Herzog Heinrich aus Münden vertrieben und starb 1558 in Ilmenau.

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