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Bis zu zwei Jahre Wartezeit: Schwimmunterricht in der Region Münden ausgebucht

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Von: Kira Müller

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Kinder brauchen Übung und Unterstützung der Eltern, damit sie lernen sicher schwimmen zu können.
Kinder brauchen Übung und Unterstützung der Eltern, damit sie lernen sicher schwimmen zu können. © Fabian Sommer/dpa

Schwimmkurse sind sehr gefragt. Doch die hiesigen Schwimmvereine haben lange Wartelisten. Das Seepferdchen-Abzeichen reicht laut den Experten nicht mehr aus, um schwimmen zu können.

Hann. Münden – Schwimmen lernen ist für viele Kinder Pflichtprogramm. Doch nicht alle haben die Möglichkeit oder das Interesse, ins Wasser zu gehen, und so gibt es immer noch viele Kinder und auch Jugendliche, die nicht schwimmen können. Doch die Wartelisten der Schwimmvereine sind lang, die Kurse ausgebucht.

Der Schwimmverein Münden/Reinhardshagen (SVMR) bietet derzeit sechs Kurse im Lehrschwimmbecken der Drei-Flüsse-Realschule an. Je zehn bis zwölf Schüler werden dort von zwei Trainern betreut. Dennoch stehen so viele Kinder auf der Warteliste, dass der Verein noch drei weitere Kurse füllen könnte. „Wir kriegen das nicht mehr organisiert“, sagt Daniela Stenzel, Sportwartin und Trainerin des SVMR.

Schwimmbäder nicht gut erreichbar

In und um Hann. Münden gebe es nicht viele Möglichkeiten Schwimmbäder zu besuchen – sie seien schlicht nur mit dem Auto erreichbar. Im Sommer sei das Hochbad Hann. Münden zum Schwimmenüben zwar nutzbar, aber viele Familien würden auch das nur bei gutem Wetter besuchen.

Außerdem fehlen die Schwimmtrainer. „Wenn wir einen Trainer mehr hätten, könnten wir drei, vier Kinder mehr in jeder Gruppe aufnehmen“, erklärt Stenzel. Durch Corona haben viele Jugendliche aufgehört zu schwimmen und so fehlt einfach der Nachwuchs. „Wir brauchen die Jugend“, erklärt Stenzel, die den Verein seit über vier Jahren unterstützt.

Schwimmtrainer fehlen

Auch beim Polizeisportverein Hann. Münden (PSV) laufen die Kurse über: 115 Kinder stehen auf der Warteliste des Vereins; vereinzelt sogar Kinder über 12 Jahre, die nicht schwimmen können. Bis zu zwei Jahre kann es dauern, bis Eltern für ihre Kinder dort einen Platz bekommen. In einer Schwimmgruppe sind 15 Kinder, die von einem Trainer und zwei Helferinnen betreut werden.

Auch ihnen fehlen zusätzliche Trainer: „Viele wollen sich nicht mehr verpflichten“, vermutet Übungsleiterin Anja Zenses. Hinzu kommt, dass wegen der Pandemie knapp 13 Monate kein Unterricht stattfinden konnte und sich die Kinder somit auch nicht auf ein Abzeichen und das sichere Schwimmen vorbereiten konnten.

Das sind die Anforderungen der Abzeichen

Das Seepferdchen erfordert einen Sprung vom Beckenrand und 25 Meter Schwimmen. Zudem müssen die Prüflinge einen Tauchring oder Teller aus schultertiefem Wasser heraufholen.
Für das Schwimmabzeichen Bronze werden ein Sprung kopfwärts vom Beckenrand, mindestens 200 Meter Schwimmen in höchstens 15 Minuten, ein Sprung aus einem Meter Höhe, Kenntnisse von Baderegeln und das Heraufholen eines Gegenstandes aus zwei Metern Tiefe gefordert.

Seepferdchen reicht nicht

Der Sommer rückt näher und die Menschen zieht es ins kühle Nass. Für einen Besuch im See oder Freibad ist es allerdings wichtig, dass vor allem Kinder richtig schwimmen können. Doch die hiesigen Schwimmkurse sind überfüllt und nur die wenigsten Eltern gehen mit ihren Kindern regelmäßig ins Schwimmbad.

Das Seepferdchen ist als erstes Schwimmabzeichen wohl bei vielen bekannt, aber die Trainer der hiesigen Schwimmvereine sind der Meinung, dass dieses nicht ausreicht: „Ich lasse Kinder grundsätzlich erst dann gehen, wenn sie das Bronzeabzeichen, den Freischwimmer, bestanden haben“, sagt Anja Zenses vom Polizeisportverein Hann. Münden (PSV). Das dauere meist etwa zwei Jahre.

Daniela Stenzel, Sportwartin und Trainerin vom Schwimmverein Münden/Reinhardshagen (SVMR), ist sogar der Meinung, dass Kinder erst „ab dem Silberabzeichen sicher schwimmen können.“ Es würden 160 Übungsstunden gebraucht, bis jemand sicher schwimmen kann, erklärt die Expertin.

Kindern fehlt Unterstützung

Schwimmen lernen braucht also Zeit. Deswegen sind die Schwimmkurse bei den hiesigen Vereinen keine „Crash-Kurse“ bei denen die Kinder möglichst schnell das Schwimmen erlernen sollen. „Jedes Kind hat sein eigenes Tempo“, erklärt Zenses. So dauert es bei manchen Kindern länger als bei anderen. Das liege aber auch an der fehlenden Unterstützung der Eltern. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“, sagt die Trainerin.

Im Durchschnitt dauere es etwa vier bis sechs Monate, bis das Seepferdchen abgenommen werden kann. „Wir versuchen mit Tricks, dass die Kinder sich schneller ans Wasser gewöhnen, wie zum Beispiel indem sie das Ausatmen durch das Wasser in der Badewanne üben“, sagt Daniela Stenzel.

„Es wird nur noch gerutscht, gespielt und gesprungen“

Gerade die Eltern der Kinder mit Migrationshintergrund können selbst nicht schwimmen und gehen deswegen auch nicht mit ihren Kindern ins Schwimmbad, so Stenzel. Wenn Eltern dann mit ihren Kindern ins Schwimmbad gingen „wird gerutscht, gespielt und gesprungen und nicht mehr lange Strecken geschwommen“, kritisiert Anja Zenses. „Es liegt am Gesamtpaket.“

Kneipp-Verein bietet zusätzliche Kurse

Da die Nachfrage nach Schwimmkursen in der Region Hann. Münden sehr hoch ist, hat der Kneipp-Verein Münden Ende November 2021 erstmals drei neue Schwimmkurse gestartet.

32 Kinder haben teilgenommen, doch auch dort gab es mehr Anfragen als Plätze: „Beim Start hatten wir viele Anfragen, denen wir leider absagen mussten, weil unsere Kurse schnell gefüllt waren“, sagt der Erste Vorsitzende Karsten Rohlfs. „An unserem Kinderschwimmen dürfen nur Vereinsmitglieder teilnehmen. Eine Warteliste führen wir nicht.“

Sie wollen mit ihren Kursen aber keinesfalls in Konkurrenz zu anderen Vereinen stehen, sondern zusätzlich ein gesundes Bewegungsangebot im Wasser anbieten. Spaß an Bewegung im Wasser stehe dabei im Mittelpunkt.

Dass den Schwimmtrainern ihr Ehrenamt am Herzen liegt, machen Stenzel und Zenses mehr als deutlich: „Es macht Spaß, wenn man sieht, wie stolz die Kinder sind, wenn sie ein Abzeichen geschafft haben“, sagt Daniela Stenzel. Und auch Anja Zenses sagt: „Ich möchte das gerne weitermachen. Dazu bin ich den Kindern gegenüber verpflichtet, wenn es so wenige machen. Es ist zwar unheimlich anstrengend, aber auch wirklich schön.“ (von Kira Müller)

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