Aktiver Julius-Club 

Blick in die Honigwabe: Zu Besuch beim Imker

+
Schon das fünfte Jahr in Folge dabei: Julius-Club-Mitglied Anna Flemisch (14) entfernt unter Anleitung von Imker Ulrich Spellauge den Deckel aus Bienenwachs von der Honigwabe mit einem heißen Schaber. So kann der Honig herausgeschleudert werden.

Bonaforth. "Sind die Bienen noch in der Kiste?", war die erste Frage, als Ulrich Spellauge und seine Frau Regina ihren Besuchern die Bienenbauten zeigten.

20 von diesen Kästen stehen in einem Umkreis von fünf bis sechs Kilometern um das Haus der Familie in Bonaforth verteilt. In jedem wohnt ein Volk von rund 50.000 Bienen. Sieben Kinder vom Julius-Club der Stadtbücherei Hann. Münden halfen ihnen bei der Honigernte.

Der Julius-Club ist das Sommerferien-Programm der Bücherei. 94 Teilnehmer haben sich in diesem Jahr angemeldet. „Das ist ein Rekord“, sagt Organisatorin Kirsti Hensellek. Vom 15. Juni bis zum 17. August treffen sich die Club-Mitglieder einmal wöchentlich, um sich über Geschichten auszutauschen. „Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete“ – so heißt das Buch von Robin Stevenson, das die Kinder auf eine Wanderung nach Bonaforth führte.

Der Honig an diesem heißen Nachmittag ist klar und dunkel. Die Kinder probieren ihn teelöffelweise. Je länger der Honig im Glas ist, desto mehr verändere sich der Geschmack und auch die Form, sagt Regina Spellauge. „Mit der Zeit kristallisiert sich der Zucker. Durch Rühren unterbrechen wir diesen Prozess, so bleibt der Honig zäh und wird nicht zu fest zum Streichen.“ Zwei bis drei Mal im Jahr schleudert die Familie Honig. 50 Kilogramm ist der Ertrag.

An Farbe und Geschmack des Honigs kann Ulrich Spellauge erkennen, welche Blüten die Bienen abgeflogen sind. „Weißer Honig stammt von Raps, gelber Honig von Löwenzahn und dunklerer Honig von Himbeeren, Linde.“

„Bienen produzieren aber nicht nur Honig, sie machen auch Bienenwachs und Propolis“, sagt Julius-Club-Mitglied Jan-Hendrik Bauermeister. „Propolis“ oder „Bienenkittharz“ wird für medizinische Zwecke genutzt, so der Imker.

„Bienen sind der Motor des Ökosystems“, das will Ulrich Spellauge den Kindern mit auf den Weg geben. „Wenn Sauerkirschen zum Beispiel nicht von der Biene bestäubt werden, haben die Obstbauern einen Ernteverlust von rund 70 Prozent.“ Umgekehrt brauchten auch die Bienen eine blütenreiche Landschaft, um Honig zu produzieren, der ihnen als Winterfutter dient. Blumenwiesen in Gärten oder Blühflächen neben einem Getreidefeld reichten allein nicht aus. „Das ist natürlich gut für Insekten. Aber Honigbienen brauchen eine vielfältige Landwirtschaft, mit vielen Blühpflanzen. Raps zum Beispiel ist für sie ein Segen.“

Die Varroamilbe hingegen ist ein Bienenfluch. Imker bekämpften die Milbe zum Beispiel mit Ameisensäure, das schwäche aber auch die Bienen und würde die Milben nie vollständig beseitigen. „Züchter versuchen Bienen heranzuziehen, die weniger anfällig sind, aber momentan müssen wir mit der Milbe leben.“

Nach dem Schleudern wurden die Rahmen mit den Waben wieder in die Beuten eingesetzt. Die Bienen erhalten für den Winter ein Ersatzfutter für den Honigverlust. Dann machte der Julius-Club sich auf den Weg zurück nach Hann. Münden, jedes Kind mit einem Glas Honig im Rucksack.

Information: Ein Glas Honig (500 Gramm) kostet fünf Euro. Interessierte klingeln an der Haustür. Kontakt: Spellauge, Löwenau 2, Bonaforth.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Der Julius-Club

Der Julius-Club (kurz für: Jugend liest und schreibt) ist ein Angebot der VGH-Stiftung und der Büchereizentrale Niedersachsen. Ziel der Veranstaltungsreihe in den Sommerferien ist es, Kindern und Jugendlichen zwischen 11 und 14 Jahren Spaß am Lesen zu vermitteln sowie die Lesekompetenz, Ausdrucksfähigkeit und das Textverständnis der Teilnehmer zu fördern. 

50 Büchereien in Niedersachsen werden je 1500 Euro zur Verfügung gestellt, um 100 neue Bücher zu kaufen und ein Rahmenprogramm zu organisieren. Die Stadtbücherei Hann. Münden bietet den Julius-Club seit 2011 an. Teilnehmer erhalten für das Lesen und Bewerten der Bücher Diplome und ein Abschlussgeschenk. Das diesjährige Programm der Stadtbibliothek Hann. Münden ist bereits ausgebucht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.