Böhmische Harfe: Ein altes Instrument wird neu geboren

Mit Liebe zum Detail: Schnitzereien und Verzierungen geben jeder Harfe ein individuelles Gesicht. Foto: Burkhardt

Hann. Münden. Instrumentenbauer André Schubert von der Klangwerkstatt in Markt Wald gab in Hann. Münden sein Wissen weiter. „Wird es bei dir ein Junge oder ein Mädchen?“ Nein, die Frage fällt nicht in einem Geburtsvorbereitungskurs, sondern - beim Harfenbauen.

Und sie ist durchaus berechtigt, denn jedes Instrument wird nicht nur individuell gestaltet, sondern erhält mit dem ersten Saitenklang auch einen Namen.

Zwischen Kursbeginn am Donnerstagabend und dem Saitenaufziehen am Sonntag liegen aber viele Stunden Sägen, Schmirgeln, Anpassen, Leimen, Ölen, Wachsen und Schrauben. Instrumentenbauer André Schubert von der Klangwerkstatt in Markt Wald ist auf Einladung von Bettina Kallausch ins Klanghaus nach Hann. Münden gekommen, um Fortgeschrittene wie Anfänger beim Harfenbau anzuleiten. Die Einzelteile bringt er aus Fichten- und Kirschbaumholz vorgefertigt mit und erklärt Schritt für Schritt geduldig, was wie bearbeitet und zusammengefügt werden muss. Immer wieder sind dabei zwei Hände und zwei Augen einfach zu wenig, Teamarbeit ist gefragt, wenn schnell Zwingen festgeklemmt weren müssen, weil der Leim trocknet, oder wenn exakt die Löcher für die Saiten gebohrt werden. Hand in Hand geht die Arbeit voran, als hätten die Teilnehmer das schon hundertmal geübt. Dabei kommen sie aus fünf verschiedenen Bundesländern und die meisten haben einander vorher nie gesehen. Und wenn der Fachmann gerade nicht selbst Hand anlegen muss, dann spielt er auf seiner Harfe - ein Ansporn der musikalischen Art.

Bilder von den Harfenbauern:

Harfenbau in Hann. Münden

An diesem Wochenende entstehen so 13 neue Harfen, die meisten davon Böhmischen Hakenharfen, manche im kleinen Reiseformat, und eine keltische Harfe. Mehrere hundert Jahre lang sei die Böhmische Harfe die typische Wanderharfe gewesen, erzählt Schubert. Leicht und handlich war sie das Instrument der Musiker aus armen Regionen Böhmens, die damit durch ganz Europa zogen. Dann geriet sie in Vergessenheit, bis die Klangwerkstatt sich die letzten Exemplare aus Museen vorknöpfte und - in leicht modernisierter Form - begann, sie wieder zu bauen. Im Gegensatz zu anderen Instrumentenbauern wollten André Schubert und Klangwerkstatt-Gründer Christoph Löcherbach ihr Wissen nie für sich behalten, sondern es weitergeben, um das ausgestorbene Instrument zurückzuholen und mit ihm die Musik. Und so lautet der Wunsch des Instrumentenbauers am Ende des Kurses: „Behandelt eure Harfen nicht wie ein rohes Ei. Spielt darauf und macht mit eurer Musik anderen Freude, sooft ihr könnt!“ (tns)

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