„Brauchen ausgefeilte Impfstrategie“

Hann. Münden: Bürgermeister Harald Wegener über die Herausforderungen im neuen Jahr

Die Fußgängerzone in Hann. Münden kurz vor dem Lockdown im Dezember.
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Die Fußgängerzone in Hann. Münden kurz vor dem Lockdown im Dezember.

Wegen Corona kann der traditionelle Neujahrsempfang im Rathaus von Hann. Münden in diesem Jahr nicht stattfinden. Wir sprachen mit Bürgermeister Harald Wegener über das neue Jahr.

Herr Wegener, der Neujahrsempfang findet nicht statt. Welchen Stellenwert hat die Veranstaltung?

Für viele ist es nach längerer Zeit ein Wiedersehen. Dabei können persönliche, soziale und wirtschaftliche Kontakte gepflegt und neue geknüpft werden. Ehrenamtliche haben sich eingebracht, wie die Feuerwehr mit der Brandwache. Weitere Organisationen, Vereine, Verbände konnten sich präsentieren, fanden Wahrnehmung und Wertschätzung.

Wird die Veranstaltung später nachgeholt?

Nein. Wenn die Pandemie es zulässt, müssen viele Veranstaltungen nachgeholt werden, hoffentlich dann auch mit der Möglichkeit auf Abstandsregeln verzichten zu können. Auf der Internetseite der Stadt Hann. Münden ist die Neujahrsansprache mit einem Rück- und Ausblick veröffentlicht.

Inwiefern war die Pandemie bisher eine Herausforderung?

Neue Verordnungen mussten sehr kurzfristig berücksichtigt werden. Es gilt auch weiterhin auf dem neuesten Stand zu bleiben, um den Bürgern Antworten zu geben. Entscheidungen sollten meiner Meinung nach künftig frühzeitig und somit planbarer getroffen werden. Verlässlichkeit ist gerade für die Kinderbetreuung wichtig, wenn Kindergarten, Hort und Schule schließen müssen.

Was kann die Stadt tun?

Wir stehen beratend zur Seite. Wir haben das Mehrgenerationenhaus, bieten Beratungsleistungen und ein offenes Ohr bei Problemen. Aktuell ist auch die Hilfsbereitschaft aus der Nachbarschaft und von Freunden und Verwandten, die Kinder aufnehmen und betreuen, wenn die Eltern arbeiten müssen, sehr wertvoll.

Wo sehen sie künftig die größten Herausforderungen in der Pandemie?

Wir brauchen eine ausgefeilte Impfstrategie. Ich hätte mir auch ein Impfzentrum für Hann. Münden gewünscht wie es auch schon von vielen Bürgerinnen und Bürgern bekundet wurde. Wir haben Vorschläge für Orte im Stadtgebiet unterbreitet. Der Landkreis hat keinen der Vorschläge wie das Sportzentrum Hallenbadstraße in Gimte berücksichtigt, da hierzu sehr viele Voraussetzungen zu erfüllen sind.

Haben Sie denn für das Beförderungsproblem Vorschläge gemacht?

Ähnlich wie mobile Teams jetzt in die Seniorenheime fahren, wäre es eine Überlegung wert, kleinere Impforte, etwa in Sporthallen und Dorfgemeinschaftshäuser zu ermöglichen. Auch Hausärzte sind sicher in der Lage, Unterstützung zu leisten. Die eigene Anreise mit dem Nahverkehr nach Göttingen halte ich für viele ältere Menschen für schwierig. Eine Idee wäre ein Fahrdienst. Da bliebe aber das Problem, beim Transport die Abstandsregeln einzuhalten. Erste Erfahrungen werden zu weiteren Entscheidungen führen und dazu gehört auch das Vertrauen zu den Verantwortlichen, die an dieser Stelle auch mal lobend Erwähnung finden sollen.

Thema Haushalt: Die Stadt kann freiwillige Zuschüsse nicht mehr leisten. Können vor einer Haushaltsbewilligung überhaupt noch neue Projekte verwirklicht werden?

In einigen Projekten stecken wir noch drin, zum Beispiel bei der Rathaussanierung. Der aktuelle Bauabschnitt wird Ende März abgeschlossen sein. Der wird in jedem Fall zu Ende geführt und bezahlt. Wir haben Glück, dass bei einigen Projekten Fördermittel berücksichtigt wurden. Mit der Förderung sind wir Verpflichtungen eingegangen, die auch bei vorläufiger Haushaltsführung zu Ende geführt werden dürfen. Straßenunterhaltung, Grünflächenpflege: All das ist weiterhin möglich. Bei Projekten ohne Verpflichtung wird es schwierig. Das betrifft freiwillige Leistungen aber auch Fortbildung von Mitarbeitern der Stadt. Die Verwaltung hat Vorschläge zum Sparen und zur Erhöhung der Einnahmen gemacht, die aber im Rat, wenn auch häufig mit knappem Ergebnis, zurückgewiesen wurden. Ich hoffe in diesem Zusammenhang zukünftig auf eine Koalition der Willigen, die das Ziel nicht aus den Augen verlieren, unsere Stadt gemeinsam entwickeln zu wollen. (Thomas Schlenz)

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