Brief mit Expertenmeinung zur Hängebrücke sei nicht berücksichtigt worden

Ingenieur kritisiert lange Sanierungsdauer

Die Hängebrücke in Hann. Münden ist wieder freigegeben.
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Die Hängebrücke in Hann. Münden ist wieder freigegeben.

Die fast zwei jährige Sperrung der Hängebrücke in Hann. Münden hat bei vielen Mündener Bürgern für Unverständnis gesorgt, wie auch gegenüber unserer Redaktion kommunizierte Lesermeinungen verdeutlichen.

Der Prüfingenieur für Baustatik der Fachrichtungen Massivbau, Stahlbau und Holzbau im Ruhestand, Hans Kosub, kritisiert die Dauer der Sperrung der Brücke nun als unnötig und verweist dabei auf einen Brief an den Bürgermeister, den er gemeinsam mit weiteren Ingenieuren und Baustatikern, darunter auch Experten für Brückenbau und Baustatik, bereits am 27. September 2018 an Bürgermeister Wegener verfasst habe. In dem Brief, welcher der Redaktion vorliegt, erklären die Ingenieure, dass „überhaupt keine Notwendigkeit“ bestehe, „die Brücke mit sofortiger Wirkung zu sperren“.

Ferner gebe es keine rechtliche Pflicht, „dass historische Bauwerke die nach heutigen Normen höhere Lasten aushalten müssen.“ Aussagen, dass die Brücke „zu keiner Zeit standsicher gewesen wäre“ seien nicht haltbar, so die Ingenieure damals weiter.

Hinweisschilder vor dem Aufgang zur Hängebrücke. 

Unstrittig sei, „dass die Brücke wegen unterlassener Instandhaltung mit Mängeln behaftet“ sei und saniert werden müsse. Weiter heißt es: „Nach unserer Einschätzung ist dies auch mit überschaubaren Kosten möglich“.

Angehängt an den Brief sind Sanierungsempfehlungen wie beispielsweise die „Reparatur und der Ersatz fehlender aussteifender Diagonalstäbe an der Überbauseite am Widerlage Seite Altmünden“. Insgesamt handelte es sich um zehn Änderungsvorschläge. Kosub kritisiert gegenüber unserer Zeitung, dass diese Reparaturen in einem relativ kurzen Zeitraum möglich gewesen wären und eine sofortige Sperrung der Brücke über fast zwei Jahre nicht nötig gewesen sei.

Auf den Brief mit den Hinweisen der Ingenieure habe der Bürgermeister aber nicht reagiert.

Auch sei die derzeitige Beschilderung an der Brücke, wonach nur zehn Personen das Bauwerk gleichzeitig betreten dürften, unsinnig, wie Berechnungen zur Tragfähigkeit, die ein externer Gutachter vorgenommen habe, zeigten. Demnach könne die Konstruktion 180 Personen tragen. 

Bürgermeister: Sperrung war nötig

Nach Kritik an der Sanierung der Hängebrücke haben wir Bürgermeister Harald Wegener zu den Vorwürfen befragt. 

Warum wurden die Anregungen, die vier Ingenieure per Brief an den Bürgermeister richteten, nicht berücksichtigt und die Brücke gesperrt?

Annahmen, Berechnungen und Sachkunde reichen laut Bürgermeister nicht aus. Eine Brücke müsse durch einen anerkannten Sachverständigen gutachterlich bewertet werden. Es habe 2017 das Gutachten mit einem Endergebnis gegeben, das eine Brückenschließung erforderlich machte. Seitdem seien Arbeiten erledigt worden, die durch weitere Erkenntnisse wie zum Beispiel durch die Prüfung der Stahlseile aber auch die Ertüchtigung stabilisierender Stahlseile und eine Entrostung im Ergebnis eine bessere Benotung hervorgebracht hätten. Mit Vorlage des aktuellen Gutachtens vom 28. Mai 2020 durch das Ingenieurbüro C. Streck und der Zustandsnote 3,5 konnte der Bürgermeister die Brücke am 29. Mai 2020 freigeben. 

Warum erstreckten sich die Sanierungsarbeiten über einen derart langen Zeitraum? 

Da laut Bürgermeister kein Geld für die komplette Vergabe an Fremdfirmen zur Verfügung stand, seien die Arbeiten wie bereits beschrieben mit eigenem Personal geleistet worden. Das Personal (B4 Kommunale Dienste) mit entsprechender Fachkunde sei aber das Jahr über mit vielen weiteren Aufgaben betraut, die ebenfalls erledigt werden müssten. Für den notwendigen Farb- und Rostschutz-Anstrich seien zudem eine trockene Witterung und warme Außentemperaturen erforderlich gewesen. 

Bürgermeister Harald Wegener

Auf welcher Grundlage beruhen die Beschränkungen zur Begehbarkeit der Brücke (maximal 10 Personen)? 

Aus Verkehrssicherheitsgründen können laut Bürgermeister Harald Wegener nicht mehr als 10 Personen zugelassen werden. 

Was hätte eine Komplettsanierung gekostet, bzw. wie lange hätte diese gedauert? 

Dazu könnten keine Angaben gemacht werden. Eine Komplettsanierung hätte laut Bürgermeister bedeutet, dass eine Freigabe keinesfalls 2020 stattgefunden hätte. Festzuhalten sei, dass er trotz klarer Faktenlage, die eine Brückenschließung unumgänglich gemacht habe, den weiteren fachlichen Austausch aktiv begleitet und gefördert habe und aktiv Schritte vorgegeben habe, um das Ziel der Begehbarkeit der Brücke wieder zu erreichen, so Wegener.

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