1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hann. Münden
  4. Hann. Münden

Buchen im Altkreis Hann. Münden leiden unter der Trockenheit

Erstellt:

Von: Christian Mühlhausen

Kommentare

Forstamtsleiterin Sabine Steinhoff und Dr. Thomas Böckmann zeigen eine Karte des Gebiets.
Forstamtsleiterin Sabine Steinhoff und Peter Gawehn zeigen eine Karte des Gebiets. © Landpixel

Immer mehr absterbende Bäume gehören zum Bild des Waldes in der Region um Hann. Münden.

Hann. Münden – Die gute Nachricht vorweg: Es wird auch weiterhin von Buchen geprägte Wälder in unserer Region geben. Aber: Sie werden sich verändern und absterbende Bäume zum Bild gehören, mitunter auch wegen Holzbruch-Gefährdung nicht mehr zu betretende Waldbestände. Das war das Fazit einer Exkursion durch den Wald zwischen Hedemünden und Meensen, die im Rahmen der Kampagne „Forst-Aid - Erste Hilfe für den Wald“ (siehe Hintergrund) stattgefunden hat.

Eingeladen hatten die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) und die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA). Mehr als 30 Interessierte kamen, um sich die Ausführungen von Dr. Thomas Böckmann, dem Leiter der NW-FVA in Göttingen, Sabine Steinhoff, Leiterin des Forstamtes Münden, sowie den Waldschutzexperten Dr. Gitta Langer, Jan-Sören Tropf und Peter Gawehn von der NW-FVA anzuhören.

Dass Bäume irgendwann absterben, ist normal. Die Geschwindigkeit, mit der sich jedoch ganze Buchenkomplexe verabschieden, dagegen schon – seit Herbst 2018 wird das Phänomen auch in der Region beobachtet und erforscht. Ursache dafür ist sogenannte Buchen-Vitalitätsschwäche, erfuhren die Teilnehmer.

Durch einen nachhaltigen Wassermangel – zu wenig Regen und zu wenig gespeichertes Wasser im Boden während der Wachstumsperiode – werden die Buchen stark anfällig für äußere Schaderreger. Als Folge von aufeinanderfolgenden Trockenjahren erlitten die Buchen vor allem auf flachgründigen Kuppen und Hängen in Süd- und Südwestlage Trockenstress. Waren bei den Rotbuchen zunächst nur ältere Bäume betroffen, die vorgeschädigt waren oder auf exponierten Standorten standen, führte 2019 die lange anhaltend zu trockene und zu warme Witterung zum Absterben von jüngeren Bäumen selbst in geschlossenen Wäldern. Die Blätter der Buchen verformen sich schiffchenartig, das Feinreisig bildet Krallen. Es kommt zu verfrühter Herbstfärbung und Laubabfall, zum Teil verbleibt braunes Laub am Baum und wird nicht abgestoßen, auch über den Winter nicht. Später bricht Feinreisig ab, ab Stamm entsteht Sonnenbrand. Die Borke reißt dabei auf. In der Folge dringen verschiedene Pilze in den Baum ein, es kommt zu weiteren Rindenabplatzungen sowie zum Abbruch von Ästen und ganzen Kronenteilen.

Durch Weißfäule verursachende Pilze wird das Holz innerhalb kurzer Zeit entwertet, es lässt sich nicht mehr für höherwertige Nutzungen und später selbst nicht mehr für Brennholz nutzen. Die natürlichen Absterbeprozesse alter Buchen werden massiv beschleunigt und treten statt kleinräumig nun großflächig auf.

Dr. Gitta Langer zeigt auf einen geschädigten Baumstamm im Wald zwischen Hedemünden und Meesen.
Dr. Gitta Langer zeigt auf einen geschädigten Baumstamm im Wald zwischen Hedemünden und Meesen. © Landpixel

Durch die Verminderung der Bruch- und Standsicherheit ist zudem ein Arbeiten und selbst auch das bloße Betreten von derart betroffenen Waldbeständen lebensgefährlich. „Die Bäume brechen wie Glas“, beschreibt es die Mündener Forstamtsleiterin Steinhoff. 2022 war ebenfalls kein gutes Jahr für die Buchen, die komplexe Erkrankung wird von Wissenschaftlern und Forstleuten mittlerweile als Buchen-Vitalitätsschwäche bezeichnet.

Betroffen sind nahezu alle Wälder. Zunächst die, auf denen das Wasser ohnehin knapp ist, etwa auf den Muschelkalkböden zwischen Hedemünden und Meensen. Aber auch in anderen Bereichen wie dem Blümer Berg, wo der Buntsandstein die Böden prägt, tritt das Phänomen auf.

Die Pilze lassen sich nicht bekämpfen. Sie sind eigentlich harmlos und wichtig, übernehmen im Waldökosystem entscheidende Funktionen bei der Zersetzung, leben quasi als schlafende Bewohner lange Zeit an den Bäumen. Ist der Baum geschwächt, wechseln sie in die parasitäre Phase und entfalten sie innerhalb kurzer Zeit ihre zerstörerische Kraft. (Christian Mühlhausen)

Peter Gawehn von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (rechts) zeigt der Gruppe die Schäden.
Peter Gawehn von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (rechts) zeigt der Gruppe die Schäden. © Landpixel

Auch interessant

Kommentare