Gebäude ist sanierungsbedürftig

Bürgergenossenschaft Münden will Grotefend-Haus retten

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Alles passt perfekt: (von links) Barbara Brübach, Mariarosa Ostan Herth, Aneli Fiebach, Sabine Magdeburg, Chiara Fehling, Margret Jäckle und Reinhard Magdeburg von der Offenen Kunstwerkstatt begutachten das Werk. 

Hann. Münden. Die Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt hat sich viel vorgenommen: Das stark sanierungsbedürftige Grotefend-Haus soll gekauft, saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 

"Es gibt viele Wissenschaftler auf der Welt, „aber nur wenige werden so berühmt wie Georg Friedrich Grotefend“, sagt Bernd Demandt von der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt.

Doch das Geburtshaus dieses Mannes in Hann. Münden, Ziegelstraße 39, verfällt. Das soll sich ändern: Die Bürgergenossenschaft will das Haus kaufen, es sanieren und das Erdgeschoss öffentlich zugänglich machen, um dort an den berühmten Sohn der Stadt zu erinnern.

Das ist noch Zukunftsmusik, aber es ziehen viele an einem Strang, und sie gehen optimistisch die ersten Schritte auf dieses Fernziel zu.

Kunst-Hingucker

Mitglieder der Offenen Kunstwerkstatt im Mündener KunstNetz haben die Holzplatte, die das zerstörte Schaufenster des Hauses abdeckt, künstlerisch gestaltet. Der Wissenschaftler grüßt dort zwischen Zeichen der von ihm dekodierten Keilschrift und hinter Schuhmodellen seiner Zeit.

Sanierungsbedürftig: das Geburtshaus von Georg Friedrich Grotefend in der Ziegelstraße 39.

Die Schuhe wurden einzeln aus Sperrholz gefertigt und am Dienstag schon einmal probeweise angeschraubt. Sie wurden allerdings noch einmal abgenommen, um vor dem Straßenfest am 8. und 9. September noch diebstahlsicher verleimt zu werden.

Was der Kunst-Hingucker bezwecken will, darüber gibt ein Flugblatt Auskunft, das Interessierte sich aus einem Halter an der Haustür mitnehmen können. Die Bürgergenossenschaft legt darin Grotefend die Worte in den Mund, die das Vorhaben Fachwerkretter beschreiben.

Wissenschafts-Partner

Die Akteure haben Kontakt zur Universität Göttingen geknüpft: Zum Seminar für Altorientalistik, beheimatet im Grotefendhaus in Göttingen. Gerade war Besuch von dort in der Ziegelstraße, berichtete Hermann Staub. Die Gäste hätten auch sogleich erkannt, dass die Keilschrift auf der alten Gedenktafel, die an dem Haus leise vor sich hin verwittert, nicht Altpersisch, sondern Akkadisch sei und einen persischen Königsnamen wiedergebe – Dareios. Idee: Ein öffentlich zugängliches Erdgeschoss könnte von Studierenden des Seminars gestaltet werden.

Straßenfest

Am 8. und am 9. September, Samstag und Sonntag, wird die Straße vor dem Grotefend-Haus für den Verkehr gesperrt. Samstag von 10 bis 18 Uhr, Sonntag (Tag des offenen Denkmals) von 11 bis 17 Uhr gibt es dann Kaffee, Kuchen, Flohmarkt, Livemusik und eine große Tombola.

Das soll Geld einbringen für den Hauskauf. Die Grotefend-Unterstützer vom Seminar für Altorientalistik in Göttingen sind ebenfalls mit von der Partie und geben mit Tontäfelchen eine kleine Keilschrift-Kunde.

Kontaktaufnahme

Die Wette, die Wissenschaftsgeschichte schrieb, schloss Grotefend in Göttingen, erinnert Bernd Demandt. In Hannover starb der Gelehrte. Der Mündener sei Ehrenbürger der Landeshauptstadt, sein Grabkreuz werde dort bewahrt, seine Büste im Rathaus ausgestellt.

Beide Städte hätten also einen Bezug zu dem Mann aus Münden. Zu beiden Städten suchen die Akteure Kontakt, um Unterstützung zu erhalten.

Auch zum Grotefendschen Familienverband habe man die Fühler ausgestreckt, aber nur mit mäßigem Erfolg. Im Verband seien viele dieses Namens, die aber mit dem Mündener Grotefend gar nicht verwandt seien.

Immerhin: Ein Nachkomme von Grotefends Bruder habe sich interessiert gezeigt. Dieser besitze sogar zwei Porträts von Georg Friedrich Grotefend und dessen Frau, von denen bisher niemand etwas wusste.

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