„Die Perle im Landkreis“

Bürgermeisterkandidaten in Hann. Münden: Dr. Karin Weber-Klatt (SPD) ist die einzige Frau im Rennen

Dr. Karin Weber-Klatt möchte Bürgermeisterin von Hann. Münden werden. Im Ox und seiner Bibliothek fühlt sie sich besonders wohl.
+
Dr. Karin Weber-Klatt möchte Bürgermeisterin von Hann. Münden werden. Im Ox und seiner Bibliothek fühlt sie sich besonders wohl.

Dr. Karin Weber-Klatt tritt für die SPD im Bürgermeisterwahlkampf in Hann. Münden an. Sie ist die einzige Frau unter den vier Kandidaten.

Hann. Münden – Unter den Bewerbungen für das höchste Amt der Stadt Hann. Münden hebt sich Dr. Karin Weber-Klatt gleich auf zwei Weisen ab: Sie ist die einzige weibliche Bewerberin und sie wohnt nicht in Hann. Münden. „Hann. Münden ist die Perle dieses Landkreises, es gibt kaum eine Stadt, die so hübsch ist“, sagt die 60-jährige Richterin aus Göttingen im Gespräch mit der HNA.

„Ich habe den Vorteil, dass ich von außen komme, ich bin mit niemandem verstrickt“

In Minden an der Weser geboren und in der Fachwerkstatt Lemgo aufgewachsen, fühle sie sich mit Hann. Münden verbunden. „Ich habe den Vorteil, dass ich von außen komme, ich bin mit niemandem verstrickt, kann unvoreingenommen auf jeden zugehen und die Dinge anders wahrnehmen, als jemand, der hier geboren wurde.“

Als Frau zu kandidieren habe Vor- und Nachteile. So seien vielleicht manche der Vorstellung einer Bürgermeisterin abgeneigt. Sie sehe ihren Vorteil darin, einen neuen Blickwinkel in eine bisher männlich regierte Stadt einzubringen – zum Beispiel, was die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie und kulturelle Angebote in der Stadt betrifft. Dabei wolle sie Männer ausdrücklich nicht ausschließen, sondern einen anderen Blickwinkel anbieten.

„Ich bin keine Quotenfrau, ich bringe eine Qualifikation mit“, betont die Kandidatin. Weber-Klatt arbeitet seit 2012 als Richterin am Sozialgericht in Hannover. „Ich habe immer ein sehr starkes Empfinden für Fairness und Gerechtigkeit gehabt und das habe ich zu meinem Beruf gemacht.“ Ihre erste Berufserfahrung sammelte sie im Referat Recht der Stadt Göttingen, die sie als Kläger und Beklagte vor Gericht vertrat. „Da habe ich gelernt, eine Strategie zu entwickeln, zu verhandeln und im Team zu arbeiten.“

„Da ging es der SPD schon nicht gut, das habe ich sehr bedauert. Ich wollte der Partei unbedingt auch meine Stimme geben“

In dieser Funktion habe sie auch eng mit der Denkmalbehörde und den -pflegern zusammengearbeitet, sich schwerpunktmäßig mit den Themen Baurecht, Gesundheit und Schule beschäftigt. Als Richterin sei sie nun die „Chefin im Ring“. In dieser Rolle werde ihr großes Vertrauen entgegengebracht und die Erwartung, alle Belange wahrzunehmen. Dazu gehöre auch, dass sie manche Menschen enttäuschen müsse.

Mit 40 Jahren trat sie in die SPD ein. „Da ging es der SPD schon nicht gut, das habe ich sehr bedauert. Ich wollte der Partei unbedingt auch meine Stimme geben“, sagt Weber-Klatt rückblickend. „Ich komme aus einem ganz konservativen Haushalt. In meiner Familie wäre es unvorstellbar gewesen, die SPD zu wählen“, erinnert sie sich.

In der Politik habe sie gelernt, sich durchzusetzen, Diskussionen auszuhalten und aufeinander zuzugehen. „Das Schöne an der Lokalpolitik ist, dass man unmittelbar sehen kann, was man geschafft hat.“

Die Kraft für ihre Aufgaben schöpft sie auch aus ihrem Glauben. „Ich finde es wichtig, dass es die Kirche gibt“, sagt Weber-Klatt, die der evangelisch-reformierten Gemeinde angehört. Glaube und Soziales hingen für sie unmittelbar zusammen. Für ihre Hobbys Badminton und Singen im Chor habe sie aktuell neben der Arbeit keine Zeit. Deshalb habe sie das Fitnessstudio und Laufen für sich entdeckt. „Abends lese ich gerne ein paar Zeilen“, sagt die Richterin. Dabei interessiere sie vieles: Sachbücher, Romane, Biografien, Thriller und Krimis. (Kim Henneking)

Zur Person

Dr. Karin Weber-Klatt wurde 1961 in Minden geboren und wuchs in Lemgo (NRW) auf. Sie hat Rechtswissenschaften in Passau und Göttingen studiert und 1996 den Doktortitel erhalten. Von 1990 bis 2012 arbeitete sie als Juristin bei der Stadt Göttingen, zuletzt als stellvertretende Leiterin des Referats Recht. 2002 trat sie in die SPD ein. Seit 2012 ist sie Richterin am Sozialgericht Hannover und sitzt dort den Kammern für SGB II und Schwerbehindertenrecht vor. 2015 rückte sie in den Göttinger Kreistag nach. Seit 2019 ist sie Mitglied der AWO und des Stadtradios Göttingen, seit 2020 in der sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik. Sie ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und gehört der evangelisch-reformierten Gemeinde an. 

Drei Sätze zum Vervollständigen

Hann. Münden ist für mich … die Perle im Landkreis Göttingen.

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, … freue ich mich immer auf mein Zuhause. Ich bin vielleicht vom Radfahren durchgeschwitzt, muss mich erst mal frisch machen und gehe dann gerne ein paar Schritte in den Garten.

Wenn ich nicht Bürgermeisterin werde, … werde ich in meinem Leben und in meinem Beruf zufrieden bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.