Er rettet im Krieg Juden

Anerkennung für Laabs: Bundeswehr-Gebäude soll nach Hann. Mündener benannt werden

Lehrgebäude der Luftwaffe: Dieser Teil der Kaserne in Appen soll nach Karl Laabs benannt werden. Die gesamte Kaserne soll in Jürgen-Schumann-Kaserne umbenannt werden.
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Lehrgebäude der Luftwaffe: Dieser Teil der Kaserne in Appen soll nach Karl Laabs benannt werden. Die gesamte Kaserne soll in Jürgen-Schumann-Kaserne umbenannt werden.

Karl Laabs, Offizier der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, rettet dutzende Juden vor dem Tod in Auschwitz. Nun soll ein Teil einer Kaserne nach dem Mann aus Hann. Münden benannt werden.

Hann. Münden/Appen – Das Lehrsaalgebäude der Bundeswehr-Unteroffiziersschule der Luftwaffe im schleswig-holsteinischen Appen im Landkreis Pinneberg soll nach dem Hann. Mündener Karl Laabs benannt werden. Darauf wies der Historiker und pensionierte Studiendirektor Dr. Reinhold Lütgemeier-Davin aus Kassel hin.

Buch hat Lebensgeschichte von Laabs festgehalten

Er hat die Lebensgeschichte des Mündeners erforscht und 2020 ein Buch mit dem Namen „Karl Laabs“ dazu veröffentlicht. Wann genau das Gebäude umbenannt werden soll, stehe noch nicht fest, so ein Sprecher der Unteroffiziersschule.

Feldwebel Karl Laabs gilt als einer der wenigen „Gerechten unter den Völkern“ aus Deutschland in der israelischen Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem. Als Kreisbaurat und Feldwebel der Luftwaffe war Laabs im Zweiten Weltkrieg im damaligen Oberschlesien stationiert. Hier sorgte er 1943 dafür, dass eine Kolonne mit knapp 100 polnischen Juden nicht in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, sondern zunächst zu seinem Grundstück und anschließend nach Mislowitz im heutigen Tschechien gebracht wurde. Damit konnte er sie zunächst in Sicherheit bringen.

Rettete Juden vor der Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz: Karl Laabs, hier in der Uniform als Feldwebel. Das Bild entstand 1943. 

Laabs bemühte sich laut Lütgemeier-Davin erst ab den 1970er-Jahren um die Anerkennung seiner Taten. Er sei nicht sein ganzes Leben ein Held gewesen, sondern habe eingegriffen, als er dies für notwendig hielt.

Kaserne in Appen wird nach Landhut-Kapitän benannt

Die gesamte Kaserne, auf deren Gelände sich das Gebäude befindet, das nach Laabs benannt werden soll, soll nach einem langen Diskussionsprozess in Jürgen-Schumann-Kaserne umbenannt werden. Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, hat den Vorschlag der Kasernenmitarbeiter in seinem Tagesbefehl ausdrücklich gebilligt. „Wir sind guter Hoffnung und guten Mutes, dass wir das noch in diesem Jahr hinbekommen – und auch im feierlichen Rahmen machen können“, wird ein Bundeswehrsprecher zittert. Zunächst war Karl Laabs Name für den gesamten Kasernenkomplex vorgeschlagen worden.

Jürgen Schumann war der Kapitän der Lufthansa-Maschine Landshut, die 1977 von Terroristen entführt wurde. Schumann wurde im Zuge der Geiselnahme in Aden im Jemen ermordet. Er absolvierte seine Ausbildung in Appen.

Die Kaserne ist seit den 70er-Jahren nach dem Kampfpiloten Hans-Joachim Marseille benannt. Dieser war ein hochdekorierter Wehrmachtsoffizier im Zweiten Weltkrieg und trug in der NS-Zeit den Beinamen „Stern von Afrika“. Er galt als einer der gefürchtetsten deutschen Jagdflieger.

Bundeswehr: Abgrenzung von Wehrmacht

Die Diskussion um die Namensgebung von Kasernen flammt immer wieder auf und in Appen wurde im Jahr 2020 eine Initiative gegründet, die die Kaserne umbenennen will. 2017 hatte die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angekündigt, dass Kasernen mit Namen von Wehrmachtsoffizieren umbenannt werden sollen, um die Bundeswehr von der Tradition der Wehrmacht klar abzugrenzen.  (Jens Döll mit dpa)

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