Gastronomie wartet auf Hilfen

Corona: Gastronomen im Raum Hann. Münden erhielten bisher meist nur Abschlagszahlungen

Das Restaurant Die Reblaus befindet sich in Hann. Münden in der Ziegelstraße in der historischen Altstadt der Stadt an der Weser, Werra und Fulda. Inhaber ist Antonio Iannibelli .
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Die Reblaus in Münden: Das Restaurant von Antonio Iannibelli ist seit November geschlossen. Es wird ein Liefer- und Abholservice angeboten. (Archivfoto)

Für die Gastronomie bedeutet der zweite Lockdown eine harte Probe. Der Staat sicherte Hilfe zu, diese ist bis jetzt aber erst teilweise geflossen. Wir haben uns in hann. Münden umgehört.

Hann. Münden - Guido Einecke, Vorsitzender des Dehoga Kreisverbandes Hann. Münden und Inhaber des Mündener Ratsbrauhauses, ist mit den von der Bundesregierung versprochenen Finanzhilfen für die Monate November und Dezember durchaus zufrieden. Aber bisher sei ja kaum etwas geflossen, kritisiert er. Es habe nur Abschlagszahlungen gegeben.

Das wird sich allerdings bald ändern. Am vergangenen Dienstag meldete die Bundesregierung, dass nun auch die technischen Voraussetzungen stünden und die „reguläre Auszahlung“ der Hilfen jetzt möglich sei.

November- und Dezember-Hilfen der Bundesregierung

Seit November, mit dem zweiten Lockdown, sind die Restaurants wegen der Coronakrise wieder geschlossen und die Gastronomen haben praktisch keine Einnahmen mehr. Mit der „November- und Dezemberhilfe“ will die Bundesregierung Unternehmen, die durch die Corona-Einschränkungen besonders betroffen sind, mit bis zu 75 Prozent ihres Umsatzes aus November und Dezember 2019 unterstützen. Damit könne jeder zufrieden sein, sagt Einecke, das reiche, um die Kosten zu decken.

Neben den Hilfen sei es für die Unternehmen aber auch enorm wichtig, zu wissen, wie es weiter gehe, sagt Einecke. Sie müssten planen können. Er persönlich rechne nicht damit, dass die Restaurants vor dem 1. April wieder öffnen dürfen. Sei dem Lockdown seien seine Mitarbeiter in Kurzarbeit, bisher habe er niemanden entlassen müssen. Um trotz des geschlossenen Restaurants Einnahmen zu erzielen, biete er eingekochte Speisen an, die er in Gläsern auf dem Markt verkaufe. Und in der Weihnachtszeit habe er Festmenüs angeboten, die zuhause nur noch erwärmt werden mussten. Beides sei bei den Mündenern sehr gut angekommen.

Nach Angaben von Hann. Mündens Wirtschaftsförderer Tobias Vogeley werden die Hilfen der Bundesregierung von „vielen Mündener Unternehmen“ in Anspruch genommen. „Über die Fälle, die ich betreut habe und betreue, ist mir bekannt, dass in vielen Fällen die Gelder geflossen sind, in anderen Fällen lassen diese noch auf sich warten“, teilte Vogeley mit.

Vogeley: Hilfe für Unternehmen

Tobias Vogeley, Wirtschaftsförderer der Stadt Hann. Münden, bietet allen betroffenen Unternehmen Hilfestellung an. „Ich berate zum einen über sämtliche Förderprogramme und Soforthilfen und unterstütze, auch wenn gewünscht in jedem Einzelfall bei deren Antragstellung.“ Beispiele der Hilfsmöglichkeiten seien Novemberhilfe, Dezemberhilfe, Corona-Überbrückungshilfe des Bundes II, Neustarthilfe und Investitionsförderung für das Gaststättengewerbe.

„Ich habe Verwandtschaft in Süditalien, denen geht es richtig dreckig“

„Es ist eine insgesamt furchtbare Situation, für die Gesundheit aber auch geschäftlich. Eine nie da gewesene Situation“, sagt Antonio Iannibelli vom Restaurant Die Reblaus in der Altstadt Hann. Mündens. „Geschäftlich ist das alles nicht schön“, fasst er die Lage der Gastronomen im sogenannten zweiten harten Lockdown zusammen.

Er und sein Team hätten bereits im ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres „viele Hebel in Bewegung gesetzt“. Die Krise habe das Restaurant in einer Zeit getroffenen, in der es ihnen gut ging. „Vor zehn Jahren hätte ich eine solche Krise nicht überstanden“, sagt Iannibelli. Die Hilfen vom Staat seien vorhanden, sie kämen nach und nach. Der Gastronom kritisiert, dass die Hilfen in den einzelnen Bundesländern verschieden seien.

Die Abschläge der November- und Dezember-Hilfen seien angekommen, auch das Überbrückungsgeld Eins. Das Überbrückungsgeld Zwei hätten sie einen Tag zu spät beantragt, weil der Server der zuständigen Stelle überlastet gewesen sei. Diese Geldzahlung hätten sie darum nicht bekommen.

„Ich habe Verwandtschaft in Süditalien, denen geht es richtig dreckig“, so Iannibelli. Dort gebe es nicht so umfangreiche Hilfen wie in Deutschland. Wichtig sei ihm noch, dass sein Team und er während der beiden harten Lockdowns „nie nichts gemacht“ hätten. Das „To go-Geschäft“ und die Auslieferung laufen weiter. Zudem habe er sein Personal nicht in Kurzarbeit geschickt. Servicekräfte seien nun als Auslieferfahrer tätig. „Ich habe auch eine soziale Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern“, beschreibt er die Situation.

Staatliche Hilfen sind eine gute Sache - Wenn sie endlich eintreffen

Susanne Sickmann, Inhaberin des Hotels und Restaurants Schlosschänke – ebenfalls in Hann. Münden – sagt, dass die staatlichen Hilfen eine gute Sache seien „wenn sie dann endlich kommen“.

Die Beantragung lief relativ reibungslos über den Steuerberater, von den Verzögerungen aber habe sie dann erst über die Presse und durch den Gastronomieverband Dehoga erfahren. „Man muss sich selbst informieren“, sagt Sickmann. Die Gesamtsituation bewertet sie als „schlecht“. Wenn man die Schließungen im Jahr 2020 hinzurechnet, hatten sie bis jetzt fünf Monate geschlossen. Auf Dauer sei das nicht mehr durchhaltbar.

Hann. Münden: Erste Gäste stornieren ihre Veranstaltungen für 2021

„Gott sei Dank, dass es die Hilfen gibt“, sagt Gastronom Tom Lange vom Gasthof Letzter Heller an der Bundesstraße 80 in Richtung Witzenhausen. Der Ausnahmezustand dauere mittlerweile schon fast ein Jahr an. „Man leidet mit den Kollegen“, sagt er. Hintergrund sei, dass er über einen Eigentumsbetrieb verfüge und so keine Pacht bezahlen müsse. Er habe im vergangenen Jahr in Luftfilter, Trennwände und Desinfektion investiert. Zudem habe er auf Abstand geachtet.

Mittlerweile seien die Auftragsbücher wieder voll, allerdings überlegten die Ersten bereits wieder, ihre geplante Feier um ein weiteres Jahr zu verschieben. In ganz Deutschland würden hunderttausende Stellen an der Gastronomie und Hotellerie hängen, schließt Lange das Gespräch ab. (Ekkehard Maaß/Jens Döll)

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