Altkreis Hann. Münden

Blumen aus dem Drive-In: Lokale Deko-Händler trotzen Corona mit origineller Idee

Vor seiner „Dekoboxx“ hat Marvin Helm einen Drive-in-Schalter aufgebaut, an dem die Kunden kontaktlos ihre Blumen und Gestecke abholen können.
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Vor seiner „Dekoboxx“ hat Marvin Helm einen Drive-in-Schalter aufgebaut, an dem die Kunden kontaktlos ihre Blumen und Gestecke abholen können.

Die Corona-Pandemie trifft viele Geschäftsinhaber. In diesen Zeiten sind gute Ideen Gold wert. In Dransfeld und Neumünden gibt es Blumen per Drive-in.

  • Das Coronavirus breitet sich in Deutschland aus.
  • Viele lokale Läden mussten schließen.
  • Um das Geschäft aufrecht zu erhalten, komme Blumen-Händler aus der Region Hann. Münden auf originelle Ideen.

DieCorona-Pandemie trifft viele Geschäftsinhaber aktuell besonders hart. Dass gute Ideen gerade jetzt Gold wert sein können und in diesen schweren Zeiten von den Menschen auch honoriert werden, zeigt das Beispiel des Dransfelder Blumenhändlers Marvin Helm.

„Dekoboxx“ heißt der Blumenladen, den der 25-Jährige erst im September vergangenen Jahres in der Bahnhofstraße unmittelbar am Kirchvorplatz eröffnet hat. Weil er parallel noch als Rettungsassistent arbeitet, hatte das Geschäft nur an drei Tagen in der Woche geöffnet.

Corona Hann. Münden: Geschäfte sind geschlossen - Händler müssen umdenken

„Das sollte sich ab dem 6. April ändern“, sagt Marvin Helm, der sein Hobby zum Beruf gemacht hatte, als Quereinsteiger ins Geschäft mit den Blumen eingestiegen war und vor allem mit der Ausstattung von Hochzeiten, anderen Feierlichkeiten und Beerdigungen gut zu tun hatte. „Weil der Laden auch ansonsten sehr gut von den Dransfeldern angenommen wurde, hatte ich angefangen, ihn auszubauen, und wollte ihn dann täglich öffnen“, so Helm. Und dann kam Corona.

„Als die Nachricht kam, dass das Geschäft geschlossen bleiben muss, war ich natürlich zuerst geschockt und habe mich gefragt, wie es jetzt weitergehen soll“, sagt der Jungunternehmer. Schließlich drohten sämtliche Einnahmen wegzubrechen, während die laufenden Kosten weiter gedeckt werden müssen. 

Corona im Altkreis Hann. Münden: Blumen gibt es jetzt im Drive-In

„Dann habe ich sehr schnell angefangen, mittwochs und samstags einen Lieferdienst anzubieten“, sagt er. Als dieser gut angenommen wurde, überlegte Helm, welche Geschäfte trotz verschärfter Kontakteinschränkungen noch geöffnet bleiben dürfen – und stieß auf die Drive-in-Restaurants. „Ich habe mir einen Pavillon besorgt, ein Drive-In-Schild angeklebt und im Internet bekannt gegeben, dass man bei uns ab sofort Blumen und Gestecke bestellen und diese dann kontaktlos bei uns abholen kann“, erzählt Helm.

Und das funktioniert so: Der Kunde ruft an und gibt seine Bestellung auf. Zum vereinbarten Zeitpunkt fährt er dann mit seinem Auto vor der Dekoboxx vor und bekommt ohne auszusteigen die Blumen am „Drive-in-Schalter“ in den Kofferraum gelegt, wo die Bezahlung in einem Briefumschlag bereit liegt. Kofferraum zu, Einkauf abgeschlossen – und den Sicherheitsabstand zwischen Händler und Kunden definitiv eingehalten.

Corona in Hann. Münden: Telefon beim Blumen-Händler steht nicht mehr still

„Seit ich vor einer Woche den Drive-in-Schalter eingerichtet habe, steht das Telefon nicht mehr still“, freut sich Marvin Helm über den Erfolg seiner Aktion. Weil auch sein Lieferservice, mit dem er Kunden über die Grenze der Samtgemeinde Dransfeld heraus bedient, brummt, hat er mehr zu tun als vor der Krise. „Die Preise für Blumen und Gestecke sind dieselben wie vor der Krise“, sagt er. Auch Anfahrtskosten nehme er nicht.

„Die Benzinkosten werden durch das Trinkgeld gedeckt“, so Helm. Mehr verdienen als vor der Krise tue er nicht – im Gegenteil. „Normalerweise sind es die Feiern und Beerdigungen, die das Geld bringen“, so Helm. Durch den Lieferservice und den Drive-in hoffe er, die Kosten decken zu können und so dieCorona-Krise wirtschaftlich zu überstehen. „Und auf jeden Fall denke ich darüber nach, anschließend den Lieferservice in abgespeckter Form beizubehalten“, sagt Helm.

Weitere Infos: www.dekoboxx.de.

Wegen Corona: Blumenkauf per Durchreiche - Service in Neumünden gut nachgefragt

Seit 2005 hat Nadine Christ ihr Geschäft Blumen Christ an der Wilhelmshäuser Straße 39 in Neumünden. Wie andere Blumenhändler, hat auch die Neumündener Selbstständige sich etwas einfallen lassen, um ihr Geschäft nach zweiwöchigem Werkstattbetrieb mit Lieferservice wieder für Kunden zu öffnen: einen Blumen-Drive-in.

Durch den Türspalt: Nadine Christ verkaufte ihre Blumen in Neumünden durch die Tür über den sicheren Abstand eines Tisches hinweg.

Christ hat ihre Eingangstür zu einer Durchreiche umfunktioniert. Die Tür ist halb geschossen, der Weg durch einen hohen Tisch versperrt, der als Abstandhalter dient. Auf dem Boden ist eine Wartezone markiert. Vor der Tür steht wie gewohnt Ware zur Ansicht. Kunden können nun auf dem gewohnten Parkplatz parken und ihre bestellten Blumen abholen. Ihre Ware würde noch problemlos geliefert, wenn auch weniger als sonst, sagt Christ. Coronabedingt kämen 60 Prozent weniger Kunden.

Außerdem fielen Einnahmen aufgrund abgesagter Konfirmationen, Hochzeiten, des mageren Ostergeschäfts und weniger Beerdigungsfeiern aus. Die Reaktion der Kunden auf den Bestell- und Abholservice erlebe die Geschäftsinhaberin als durchweg positiv. Die Kunden freuten sich, dass Blumen angeboten würden und das Geschäft erreichbar sei, sagt Christ und bittet bei Interesse um vorherige Kontaktaufnahme. Kontakt: Blumen Christ, Tel. 05541/7019898

Von Kim Henneking und Per Schröter

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