Corona in Hann. Münden

„Blumen erbauen die Seele“ - Hohe Nachfrage nach Pflanzen bei Händlern in der Region

Hilft Kunden, ihren Garten schön zu gestalten: Angela Wauschkuhn aus Mielenhausen.
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Hilft Kunden, ihren Garten schön zu gestalten: Angela Wauschkuhn aus Mielenhausen.

In der aktuellen Coronakrise geben sich viele Mühe, ihren Garten oder Balkon schön zu machen. Dadurch ist die Nachfrage nach Pflanzen in der Region gestiegen.

Hann. Münden – „Viele geben sich momentan besondere Mühe, ihren Garten oder Balkon schön zu machen“, berichtet Angela Wauschkuhn, die in Mielenhausen Stauden züchtet. Die Bürger rechneten damit, wegen Corona so bald nicht wieder in Urlaub fahren zu können.

„Aufgrund des milden Winters habe ich in diesem Jahr bereits Mitte Februar – einen Monat früher als sonst – die ersten Stauden verkauft“, sagt Wauschkuhn. Deshalb habe es sie nicht so hart getroffen, dass sie während der Coronakrise eine Woche lang habe schließen müssen. Erlittene Verluste gleiche sie nun durch höhere Umsätze wieder aus.

Härter hat es den Hagebaumarkt Dreyer in Gimte getroffen. „Wir haben nach der amtlich verordneten Schließung Pakete mit nicht verkauften Blumen gepackt und den Menschen im Ort vor die Haustüren gestellt“, berichtet Chefin Bärbel König-Dreyer. Sehr gut angekommen sei das. Viele Gimter hätten bei ihr angerufen und sich bedankt.

Die Erlaubnis zur Wiedereröffnung von Baumärkten und Gartencentern sei ihr vom Land erst einen Tag vorher mitgeteilt worden. Es sei nicht einfach gewesen, kurzfristig Gartenware nachzuordern. Auch bei ihr kauften Kunden nun besonders viel.

„Blumen erbauen die Seele“, sagt die Einzelhändlerin. Das schätzten die Menschen in schweren Zeiten. Gut gingen auch Gemüse-Setzlinge. Gerade jüngere Kunden wollten verstärkt selbst Tomaten, Gurken und andere Lebensmittel ziehen. Die Krise habe ein Bewusstsein für die Risiken geschaffen, die mit der Abhängigkeit von Lieferungen aus dem Ausland verbunden seien.

Sehr früh mit der Krise konfrontiert war die Gimter Firma Ernst Benary, die Saatgut für große Gärtnereien züchtet. „Zwei unserer weltweit 700 Mitarbeiter leben in Wuhan, wo das Virus das erste Mal beobachtet wurde“, berichtet Pressesprecherin Gundula Wagner. So seien sie aus erster Hand über die Situation vor Ort informiert. Wochenlang hätten ihre beiden Mitarbeiter das Haus nicht verlassen dürfen. Jetzt lockere die Regierung die Auflagen. Die Benary-Umsätze in China stiegen wieder. Das helfe dem Unternehmen.

In Gimte, wo 100 Mitarbeiter beschäftigt sind, gebe es Kurzarbeit. „Die vielen wichtigen Messen, die derzeit anstehen, sind bis Juli abgesagt“, sagt Wagner. Benary produziere nun Videos, um Kunden über Neuheiten zu informieren. Die Gärtnereien seien jedoch mit Bestellungen zurückhaltend. Die Großkunden in den Niederlanden hätten Mengen an Blumen vernichten müssen und dadurch herbe Verluste erlitten. Märkte wie die in Italien oder Frankreich seien „total weggebrochen“. „Totalen Stillstand“ gebe es im Züchtungsbetrieb in Kalifornien.

Die Gärtnerei Wurzelwerk im Staufenberger Ortsteil Escherode kann aufgrund der aktuellen Situation ihr Sortiment, darunter Tomaten-, Paprika- und Kräuterpflänzchen, nicht wie gewohnt auf dem Tag der Erde und anderen Pflanzenmärkten verkaufen. Sie will sie Ende April ausliefern. Bestellungen sind online möglich, teilt Petra Walter mit. Der Hofladen an der Forstamtstraße 6 sei geöffnet, ergänzt Jürgen Hassemeier.

VON MICHAEL CASPAR

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