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Hann. Münden: Mehr als hundert Menschen demonstrieren gegen Aufzug der Corona-Kritiker

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Von: Diana Rissmann, Stefan Rampfel

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Positionieren sich klar gegen die Corona-Kritiker: Teilnehmer der Gegenkundgebung demonstrieren mit Schildern am Mittwochabend (05.01.2022) in Hann. Münden (Kreis Göttingen).
Positionieren sich klar gegen die Corona-Kritiker: Teilnehmer der Gegenkundgebung demonstrieren mit Schildern am Mittwochabend (05.01.2022) in Hann. Münden (Kreis Göttingen). © Stefan Rampfel

In Hann. Münden (Kreis Göttingen) ziehen am Mittwochabend Corona-Kritiker durch die Altstadt. Mehrere Regeln werden missachtet. Eine Gegen-Demo verläuft friedlich.

Update vom Donnerstag, 06.01.2022, 11.09 Uhr: Mehr als hundert Menschen haben am Mittwochabend (05.01.2022) auf dem Hann. Mündener Rathausvorplatz friedlich gegen einen sogenannten Corona-Spaziergang demonstriert, der zeitgleich rund um die Innenstadt stattfand. Hier jedoch war die Stimmung teilweise gereizt, Journalisten wurden bedroht und beleidigt.

„Wir haben dazu aufgerufen, sich gemeinsam einzusetzen für die Demokratie und für ein friedliches Miteinander, den Schutz der vulnerablen Gruppen, gegen die Verbreitung von Verschwörungsglaube und Fehlinformationen und dies öffentlich zu zeigen“, sagt Robert Maaßen, Vorsitzender vom Mündener Verein „Rock for Tolerance“. Der Verein war Ausrichter der Kundgebung, die sehr kurzfristig geplant wurde. Dennoch waren über hundert Menschen gekommen.

Corona-Spaziergang in Hann. Münden: Veranstalter der Gegenkundgebung zufrieden

Marco Hepe, ebenfalls aus dem Vorstand des Vereins, zeigte sich sehr zufrieden: „Es ist das erste Mal, dass wir eine solche Versammlung durchführen. Wir sind dankbar, dass andere Mündener Vereine uns unterstützt und den Aufruf zur Kundgebung verbreitet haben.“ „Ich halte die Pandemie für eine große Belastungsprobe, die wir nur bewältigen können, wenn wir alle vernünftig agieren“, sagte Hepe. „Ich bin kein Befürworter von Impfplicht und anderen Corona-Repressalien. Ich sehe aber, man einen kleinen Teil der Bevölkerung über Vernunft nicht erreichen kann.“ Dann müsse man auch zu Mitteln wie Kundgebungen greifen, so Hepe weiter.

Kritik und Frust sind laut Robert Maaßen bis zu einem gewissen Punkt verständlich. „Wenn allerdings Begriffe wie Impfzwang oder Corona-Diktatur ins Spiel kämen, der wissenschaftlichen Konsens angezweifelt wird, oder wenn die Impfung als größere Bedrohung als die Krankheit dargestellt wird, dann müsse es einen Gegenpol geben, so Maaßen. Man dürfte diesen Leuten nicht das Feld überlassen, und diese kleine, aber laute Minderheit, dürfe nicht den Eindruck erwecken, dass sie die Mehrheit sei.

Eine friedliche Gegenkundgebung in der Innenstadt von Hann. Münden (Kreis Göttingen): Mehrere hundert Menschen versammeln sich am Mittwochabend, um gegen den Aufzug der Corona-Kritiker zu demonstrieren.
Eine friedliche Gegenkundgebung in der Innenstadt von Hann. Münden (Kreis Göttingen): Mehrere hundert Menschen versammeln sich am Mittwochabend, um gegen den Aufzug der Corona-Kritiker zu demonstrieren. © Stefan Rampfel

Hann. Münden: Corona-Gegner ziehen in Form von Spaziergängen durch die Straßen

Verschiedene teilweise rechtsextreme Gruppierungen würden die sogenannten Corona-Spaziergänge zum Anlass nehmen, Menschen mit Fehlinformationen zu verunsichern oder gar auf ihre Seite zu ziehen. Gerd Lewin, Vizepräsident der Polizeidirektion Göttingen, appelliert im Hinblick auf weitere „Spaziergänge“ an die Menschen, die sich dieser Form des Protests anschließen: „Auch wenn die Zusammenkünfte von den Initiatoren als Spaziergänge deklariert werden – es sind Versammlungen und sie werden von unseren Einsatzkräften auch als solche behandelt.“

Wer sich nicht an die geltenden coronabedingten Auflagen halte, müsse mit einer Anzeige und einem Bußgeld rechnen, so der Polizeivizepräsident, der kein Verständnis dafür hat, dass die Initiatoren eine Kooperation mit der Polizei zumeist verweigern und geltendes Recht missachten und damit bewusst und gewollt andere gefährden.

Angriffe auf Medienvertreter in Hann. Münden: Corona-Kritiker missachten Regeln

Auch bei dem Mündener Corona-Spaziergang am Mittwochabend hielten sich nicht alle Teilnehmer an die Vorgaben zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung und an das Abstandsgebot. Zwei Teilnehmende, die sich trotz mehrfacher Aufforderung der Polizei weigerten, eine FFP2-Maske anzulegen, wurden daraufhin nach dem Versammlungsgesetz von der weiteren Teilnahme ausgeschlossen und die Personalien festgestellt. Ein weiterer Teilnehmerausschluss richtete sich gegen eine Person, die eine nicht der vorgeschriebenen Norm entsprechende Mund-Nase-Bedeckung trug. Auch hier erfolgte eine Identitätsfeststellung.

Zudem kam es im Laufe der Demonstration wiederholt zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmenden und zwei Medienvertretern, die den Aufzug begleiteten und Aufnahmen fertigten. Einsatzkräfte konnten eine weitere Eskalation der Situation unterbinden, die Medienvertreter sahen von Anzeigen ab.

Bereits fünfter Corona-Spaziergang in Hann. Münden - Weitere Gegen-Demos geplant

Die Corona-Spaziergänge werden in den meisten Fällen im Vorfeld nicht bei der zuständigen Versammlungsbehörde angemeldet werden, die Menschen verabreden sich über den Messengerdienst „Telegram“. Die Teilnehmer führten auch heute wieder Grablichter und Kerzen mit, über eine Musikbox wurde ein einschlägiges Lied in Dauerschleife abgespielt. Auch Kinder wurden von Erwachsenen mitgeführt.

Während es am Mittwochabend bereits der fünfte Corona-Spaziergang einiger Menschen durch Hann. Münden war, fand die Gegenkundgebung erstmals statt, zu der auf Anhieb über hundert Menschen kamen. Es soll nach Auskunft von Marco Hepe von „Rock for Tolerance“ nicht die letzte gewesen sein.

Kundgebung und Aufzug von Corona-Kritikern in Hann. Münden - Parallel eine Gegendemo

Erstmeldung vom Donnerstag, 06.01.2022, 8.06 Uhr: Hann. Münden - Die von der Polizei als versammlungsrechtliche Aktion bewertete Veranstaltung begann gegen 19 Uhr auf dem Tanzwerder. Nachdem sich die Demonstrierenden in Bewegung gesetzt hatten, stellten Einsatzkräfte am Ende des Aufzuges mehrere Verstöße gegen die Corona-Maskenpflicht fest.

Zwei Teilnehmende, die sich trotz mehrfacher Aufforderung weigerten, eine FFP2-Maske anzulegen, wurden daraufhin nach dem Versammlungsgesetz von der weiteren Teilnahme ausgeschlossen und die Personalien festgestellt. Ein weiterer Teilnehmerausschluss richtete sich gegen eine Person, die eine nicht der vorgeschriebenen Norm entsprechende Mund-Nase-Bedeckung trug. Auch hier erfolgte eine Identitätsfeststellung.

Demo von Corona-Kritikern in Hann. Münden - Medienvertrter angegangen

Im Laufe der Demonstration kam es wiederholt zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmenden und zwei Medienvertretern, die den Aufzug begleiteten und Aufnahmen fertigten. Zu strafbaren Handlungen kam es nach vorliegenden Erkenntnissen hierbei nicht. Einsatzkräfte konnten eine weitere Eskalation der Situation unterbinden. Gegen 20.10 Uhr erreichte der Demonstrationszug wieder den Tanzwerder. Die Teilnehmenden verließen anschließend in Kleingruppen den Ort.

An einer bei der Versammlungsbehörde angezeigten, stationären Gegenkundgebung nahmen ab 19 Uhr auf dem Rathausvorplatz in der Spitze rund 100 Menschen teil. Die Veranstaltung verlief störungsfrei. (dir/ysr)

Erst kürzlich gab es bei einer Corona-Demo in Göttingen ein „Katz- und Maus-Spiel“ zwischen Gegnern und Befürwortern. Weitere Nachrichten aus Hann. Münden gibt es in unserem kostenlosen Newsletter.

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