Ungeduldige Patienten blockieren Praxen mit Anrufen

„Wenn Sie mich nicht impfen...“: Impf-Drängler drohen Ärzten im Raum Hann. Münden

Eine Frau zieht eine Spritze auf
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Unverschämte Anrufe von Impf-Dränglern gehören in Praxen zum Alltag. (Symbolbild)

Mit den Corona-Impfungen geraten manche Arztpraxen an ihre Belastungsgrenzen. Vor allem auch durch Druck und Drohungen seitens der Patienten.

Hann. Münden – Mündener Ärzte schlagen Alarm. Ihre Praxen würden mit Impfanrufen von Patienten regelrecht „überschwemmt“, sie und ihre Mitarbeiter harsch angegangen und sogar bedroht. „Wenn Sie mich nicht impfen, können Sie was erleben“, oder „wenn ich nicht rasch einen Termin bekomme, sehen Sie mich nicht wieder“, seien gängige Formulierungen von Patienten, die glauben, dass sie längst an der Reihe sein müssten.

Dr. Achim Echtermeyer, Allgemeinmediziner in Scheden und Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Kreisstelle Hann. Münden, berichtet von Erfahrungen, die Ärzte im Altkreis Münden derzeit machen. Vergangenen Montag habe seine Telefonanlage rund 800 Anrufe registriert. Trotz sechs Leitungen sei seine Praxis über Stunden kaum erreichbar gewesen. Bei 60 Prozent der Anrufe gehe es derzeit um Corona-Impftermine.

Corona-Impfungen beim Hausarzt: Praxen gehen nach Impf-Priorisierung vor

Ähnliches berichtet auch Dr. Monika Wüstenhagen, Vorsitzende der Ärztevereinigung für Hann. Münden und Umland. Die Neurologin mit einer Praxis für Neurologie und Psychiatrie in Hann. Münden, betont, dass die Ärzte bei der Terminvergabe nach der vorgegebenen Prioritätenliste und Vorerkrankungen vorgehen und dann die Patienten benachrichtigen. Wie viele geimpft werden können, hänge natürlich auch von der Zahl der Impfdosen ab, die eine Praxis erhalte.

„Wir versuchen, alle Patienten im Blick zu haben“, sagt Wüstenhagen. Sie und Echtermeyer appellieren an die Menschen, Geduld zu haben. Es werde im Mai deutlich mehr Impfstoff geben. „Wir wollen auch Zuversicht verbreiten“, sagen sie. „Wir sind in einer Phase, die müssen wir jetzt überstehen.“ In den Praxen werde alles getan, um möglichst viele Menschen zu impfen und das neben dem normalen Praxisalltag. “

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Dr. Achim Echtermeyer und Dr. Monika Wüstenhagen bitten darum, von Telefonanrufen zu Impfterminen in den Arztpraxen möglichst abzusehen und stattdessen den schriftlichen Weg per Fax, E-Mail oder auch Brief zu wählen. Um sich darüber zu informieren, welche Gruppen zuerst geimpft werden und wie der Stand der Impfungen ist, empfehlen sie die Fragen und Antworten dazu auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums. Aktuell wurde seitens des Bundesgesundheitsministeriums angekündigt, dass die Impfpriorisierung ab Juni wegfallen solle. (Ekkehard Maass)

Im Ennepe-Ruhr-Kreis haben am Mittwoch (21.04.2021) 40 Menschen ein Impfzentrum gestürmt - und waren mit der Aktion sogar erfolgreich.

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