Schwitzen vor der Kamera

Sportanbieter trainieren mit ihren Kunden online

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Wing-Tsun-Meister Heinz Hensellek wartet darauf, wieder mit seinen Schülern trainieren zu können. 

Ob Fitnessstudio, Tanz- oder Selbstverteidigungskurs – diese Freizeitaktivitäten können Sportler während der Corona-Pandemie nicht mehr wahrnehmen. In dieser Situation werden Geschäfte, Vereine und Selbstständige aus der Region kreativ: Sie bieten ihren Mitgliedern und Kunden Online-Trainings an.

Zu ihnen gehört auch Heinz Hensellek aus Dransfeld. Der 48-jährige Wing-Tsun-Meister bietet Selbstverteidigungskurse in Dransfeld und Gimte an. Kürzlich war der Trainer in einem Facebook-Livestream zu sehen, der bereits über 9000 Mal angesehen wurde. Das 30-Minuten lange Video ist Teil einer Reihe der Europäischen Wing Tsun Organisation (EWTO), bei der jeden Morgen um 8.30 Uhr ein anderer Meister eine Lehreinheit anbietet. „Ich war am Anfang skeptisch“, sagt Hensellek, „es ist so virtuell und wir sind auf einen Trainingspartner angewiesen.“ 

In dem Video zeigt er zunächst einige Grundübungen und schlägt und tritt dann in Richtung Kamera, sodass die Teilnehmer von zu Hause aus üben können, in welche Richtung sie ausweichen müssen. „Ich bin immer noch richtig begeistert von dieser Aktion“, sagt Hensellek, der Zuschauer ausganz Europa und sogar aus Neuseeland begrüßen konnte. „Obwohl man räumlich getrennt ist, ist man fast noch mehr verbunden als sonst.“

Seinen etwa 200 Mitgliedern habe er schon vor Corona regelmäßig kurze Trainingsvideos per Whatsapp gesendet. Über diesen Kanal erhalte er auch Foto- und Videorückmeldung der Mitglieder. Die Zeit der Schließung möchte Hensellek danach mit kostenlosen Trainingseinheiten ausgleichen. Sollte es zu einer längeren Schließung kommen, müsse der Selbstständige auf Dauer auf die Beiträge seiner Mitglieder verzichten und Hilfe vom Bund beantragen.

Trainer Patrick Glahn zeigt Übungen mit Haushaltsgegenständen.

Kurzarbeit wird bereits im Fitnessstudio Balance geleistet, das Standorte in Hann. Münden und Kassel hat, sagt Trainerin Sandra Piszczan. Das Team nutze die Zeit, um das geschlossene Studio zu renovieren und umzubauen. Die Fitnesstrainer hielten über Soziale Medien zu ihren 1300 Mitgliedern Kontakt.

Mit Kurzvideos sollten die Kunden weiterhin mit Sport versorgt werden, „ob Yoga, Pilates, Power-Workout oder mit medizinischen Videos von den Physiotherapeuten“, sagt Piszczan. Fünf Videos wurden in Hann. Münden schon gedreht und die Mündener Kunden haben auch Zugriff auf die Videos aus Kassel. Die Mitglieder freuten sich besonders, ihre eigenen Trainer zu sehen, sagt Piszczan, die sonst selbst Power-, Reha, Spinning und Wirbelsäulenkurse anbietet.

„Am Anfang fühlt man sich etwas komisch“, sagt die Trainerin zu ihrem ersten Videodreh. Sie habe sich Notizen gemacht, doch sei schnell davon abgewichen und habe mit dem Stativ gesprochen, wie mit ihren Kursteilnehmern. 

Während die Videos des Fitnessstudios frei verfügbar sind, hat die Tanzschule Krebs, mit Standorten in Göttingen und Hann. Münden, eine andere Lösung gewählt. Sie produziert 20-minütige Videos, die über ein Online-Portal für zahlende Mitglieder zur Verfügung gestellt werden. Derzeit benötige die Schule noch keine Hilfen, hoffe aber, nach den Ferien wieder öffnen zu können.

Die Tanzschule Krebs produziert professionelle Videos für ein spezielles Mitgliederportal. Hier tanzt Michaela Montag mit ihrem Tanzpartner. 

„Bisher hatten wir keine Videos, weil Tanzen etwas ist, wo es um das Erlebnis geht“, sagt Tanzlehrerin Michaela Montag. Während den Lehrern die Möglichkeit der Korrektur fehle, gebe es für die Schüler nun eine Rückspultaste. Die Videos sind je nach Angebot in Aufwärmphasen, Tänze und Figurübungen aufgebaut. Die zehn Tanzlehrer tanzten in den Videos überwiegend alleine. Innerhalb von zwei Wochen seien bereits 30 Videos produziert worden, für alle Altersklassen und für alle Angebote der Schule. „Es geht darum, dass die Leute sich bewegen und nicht auf der Couch einrosten“, sagt Montag.

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