„Einige verstehen die Maßnahmen nicht“

So gehen die Menschen im Altkreis mit Beschränkungen und Lockerungen um

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Maske und vorheriges Haarewaschen gehören dazu: Der Salon Marlis Müller hat in Hann. Münden seit gestern wieder geöffnet. 

Seit mehreren Wochen wirken sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auf die Menschen in der Region aus. Erste Lockerungen greifen. Ein Stimmungsbild aus dem Altkreis.

Obwohl sich viele Menschen angepasst haben, Abstände einhalten und Kontakte reduzieren, gibt es auch vermehrt kritische Stimmen wie Befragungen im Altkreis Münden zeigen.

Die 48-jährige Petra Krüger aus Hann. Münden hat vergangenen Mittwoch den Wochenmarkt besucht und dabei eine Maske getragen. Die Stimmung habe sie als nicht besonders gut empfunden: „Die Maskenpflicht halte ich nicht für sinnvoll, aber ich tue es, damit andere sich besser fühlen. Es wäre kein Problem, wenn sich alle daran halten würden.“

Der 68-jährige Rolf Kulle aus Scheden ist mit den Coronamaßnahmen der Regierung einverstanden: „Ich finde das alles okay. Langsam könnte man das alles ein bisschen zurückfahren, denn die Wirtschaft leidet darunter. Als Rentner habe ich mein Einkommen und muss mir keine Gedanken um meinen Beruf machen.“ Seine Frau Anne Kulle (64) sieht die Situation kritischer: „Die Regierung kann gar nicht anders entscheiden, sie muss die Menschen schützen, aber die Folgeschäden stehen nicht im Verhältnis. Wir haben so eine schöne Stadt, die auch vom Tourismus lebt, die Defizite kann man nicht mehr aufholen.“ Offenbar problemlos verläuft das Einkaufen in den Lebensmittelmärkten in der Region. Die Kunden hätten die Regeln akzeptiert und hielten sich auch daran, sagt André Riethmüller, der Märkte in Göttingen, Hann. Münden und im Staufenberger Ortsteil Uschlag betreibt. Er habe mit mehr Problemen gerechnet. Inzwischen habe sich auch alles eingespielt. Jeder wisse, was er zu tun und zu lassen habe. Das bestätigt auch Matthias Grimm, Inhaber eines Marktes im Staufenberger Ortsteil Landwehrhagen. Die Kunden verhielten sich vorbildlich.

Die Mündenerin Kirsten Stapel berichtet von ihren Erfahrungen beim Physiotherapeuten: „Die Leute sitzen nur so lange im Wartezimmer wie nötig. Es herrscht kein Andrang. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen ruhiger geworden sind.“

Erstmals nach mehreren Wochen Corona bedingter Schließung gingen im Friseursalon Marlis Müller in Hann. Münden am Montag die Lichter wieder an. „Wir haben gut zu tun, sehr viele Kunden rufen an und fragen nach einem Termin“, sagt Ralf Müller.

Die neuen Regelungen funktionierten bislang gut. Personal und Kunden müssen eine Maske tragen, außerdem müssen sich die Kunden vorher in eine Liste eintragen, damit mögliche Infektionsketten später nachvollzogen werden können. Zudem müssen vor dem Schneiden die Haare gewaschen werden. Die Kundenreaktionen seien ganz unterschiedlich, berichtet Müller. „Einige verstehen die Maßnahmen nicht, andere zeigten wiederum Verständnis.“ Klar sei auch, dass der Haarschnitt wegen des nun verpflichtenden Haarewaschens ein wenig teurer sei.

Bis Mitte Mai sei der Salon derzeit ausgebucht, so Müller. Die Arbeit mit Mundschutz sei für ihn und seine Kollegen noch ungewohnt, das müsse sich erst einspielen, glaubt er. Mit den nötigen Abständen gebe es hingegen keine Probleme. Er arbeite noch an einer Art Einbahnstraße beim Zugang, mit der die Abstände noch besser eingehalten werden sollen.

„Lockerungen sind in vielen Bereichen wichtig und möglich, mit entsprechenden Maßnahmen“, findet Karsten Schätze vom Landhotel zur Krone in Dransfeld. Gastronomen würde es helfen, wenn sie ein paar Tische bedienen dürften. Derzeit halte sich das Dransfelder Traditionshaus mit einem Abholservice für Essen und dem Hotelbetrieb über Wasser. „Wir haben das Glück, dass die Zimmer belegt sind durch Leute mit Geschäftstätigkeit“, sagt Schätze. Woche für Woche bange er wieder darum, ob neue Handwerker ein Zimmer brauchen. Denn der Umsatz aus Veranstaltungen, Catering und Restaurant könnten die derzeitigen Einnahmen und die Soforthilfen nicht auffangen. „Daran werden wir mehrere Jahre zu knabbern haben.“

„Die Kunden haben keine Geduld mehr“, beobachtet Konditormeisterin Doris Mengel von der Bäckerei Mengel. Dennoch hielten sich die Kunden an die Regeln, trugen Masken und hielten Abstand.

Die Bäckerei habe versucht, den Betrieb so gut es ging, aufrecht zu erhalten, doch das Geschäft habe tiefe Einschnitte erlebt. Die geringe Auftragslage wurde daher genutzt, um den Boden in der Backstube zu erneuern. Eine weitere Beobachtung: Es kauften auffällig mehr regionale Kunden ein, doch die könnten nicht die fehlenden Touristen auffangen.

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