Damals in Münden

Hann. Münden: Unternehmer ließ Stadtvilla bauen

„Ich will gesehen werden!“ Adolf Pott entwarf die 1902 an der Ecke Am Wall/Beethovenstraße stehende repräsentative Villa, in der er bis zu seinem Tode am 16. November 1926 lebte. Ansichtskarte um 1910 des Verlages J. Herzel, Münden.
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„Ich will gesehen werden!“ Adolf Pott entwarf die 1902 an der Ecke Am Wall/Beethovenstraße stehende repräsentative Villa, in der er bis zu seinem Tode am 16. November 1926 lebte. Ansichtskarte um 1910 des Verlages J. Herzel, Münden.

Der Unternehmer Adolf Pott ließ in Hann. Münden eine imposante Stadtvilla bauen. Er setzte sich aber auch für die Arbeiter und das Fachwerk ein.

Hann. Münden – Bekannt ist Münden vor allem für seine Lage an den drei Flüssen, als Ursprungsort der Weser und für seinen historischen Stadtkern mit einer Vielzahl von Fachwerkbauten. Die Stadt verfügt aber auch abseits des Fachwerks, der Türme und des Schlosses über einige ansehnliche und imposante Gebäude.

Hann. Münden: Adolf Pott ließ Stadtvilla bauen

In der Beethovenstraße und Am Wall beispielsweise finden sich durchaus mehrere Stadtvillen – so unter anderem jene, die sich Unternehmer Adolf Pott 1902 erbauen ließ. Das reich verzierte Gebäude spiegelt Elemente der Renaissance wider. Pott hat sich aber nicht nur durch seine pompöse Villa hervorgetan. Aber von vorn: Der spätere Bauunternehmer Pott ist 1843 in Gaste bei Osnabrück geboren. Nach Münden kam er in den 1873, wo er bereits 1880 eines der wichtigeren Bauvorhaben in der Stadt in Angriff nahm. An der Bahnhofstraße/Ecke Wilhelmstraße errichtete er ein neues Postgebäude.

Dieses gibt es heute nicht mehr. Auf dem Grundstück ist heute die Sparkasse zu finden. 1889 gründete der Bauunternehmer ein Dampfsägewerk in Hann. Münden – genauer am Vogelsangweg (gegenüber der heutigen Feuerwehr). Zwei Kreissägen, zwei Hobelmaschinen, zwei Horizontalgatter (zum Schneiden von Brettern aus Stämmen) und eine Fräse waren in Potts Sägerei im Einsatz. Das Geschäft lief offenbar gut, denn 1892 beschäftigte Pott bereits 33 Mitarbeiter. Diese Zahl stieg weiter und lag um die Jahrhundertwende bereits bei 85. Das könnte daran gelegen haben, dass er im Rahmen des Neubaus der Kaserne in Neumünden mit den dortigen Zimmermannsarbeiten einen lukrativen Auftrag an Land gezogen hatte. 1901 war die Kaserne fertig. Pott führte sein erfolgreiches Unternehmen noch drei weitere Jahre, bis er es an die Firma Mast & Schlichte verkaufte.

1898: Gründung des Gemeinnützigen Bauvereins

Das hieß aber keinesfalls, dass er das Baugewerbe an den Nagel gehängt hatte. Über politisches Engagement – Pott hatte sich in den 1880er- und 1890er-Jahren für die Nationalliberalen betätigt – kam er zunehmend dazu, sich gesellschaftlichen Belangen zuzuwenden. So war er beispielsweise Teil der Kommission, die im Zuge der Knappheit bezahlbarer Arbeiterwohnungen 1898 die Gründung des Gemeinnützigen Bauvereins vorangetrieben hatte. Pott war dann erst im Aufsichtsrat und später Vorstandsvorsitzender des Bauvereins. So ist auch wenig verwunderlich, dass das erste vom Verein gebaute Haus (im Jahr 1900) nach einer Bauzeichnung Potts entstanden war. Außerdem hatte er das 1903 fertig gebaute Haus des Arbeiterbildungsvereins in der Ziegelstraße entworfen und Zeichnungen für den 1907 vollendeten Umbau des ehemaligen Kanzleigebäudes zum Herzogin-Elisabeth-Stift angefertigt.

Pott: Freilegung des Fachwerks gefördert

Neben seiner Tätigkeit in Sachen moderner Baukunst setzte er sich auch für den Erhalt der historischen ein, denn: auch Pott war für die Freilegung der Fachwerkfassaden in der Stadt. Diese waren im vorhergegangenen Jahrhundert mit Brettern verkleidet oder verputzt worden, um anstelle der tatsächlichen, historischen Bauweise eine massivere und somit modernere vorzutäuschen. Aber auch damit war dem Einfluss des Tausendsassas noch kein Ende gesetzt. 1908 wurde Pott Bürgervorsteher und 1913 als ehrenamtlicher Senator Mitglied des Magistrats. Auch war er im Kreistag des damals noch existierenden Kreises Münden und in dessen Kreisausschuss. 1926 starb Adolf Pott. Als Dank für sein Engagement erhielt eine Straße in Hermannshagen – dem ehemaligen Arbeiterstadtteil Mündens, dessen bauliche Überlegungen ihn bis heute prägt – seinen Namen. Was vielen anderen erst posthum zuteil wurde, konnte Pott noch selbst erleben, denn die Adolf-Pott-Straße erhielt noch zu Lebzeiten ihres Namensgebers 1923 ihre Benennung. (Sarah Schnieder)

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