Apfelsinen, Magen-Elixir und Eimer

Damals in Münden: Kolonial- und Materialwaren gab es bei Adolph Schwartz

Das Kolonialwarengeschäft von Adolph Schwartz am Kirchplatz 9 (1854-1890)
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Fast alles was das Herz begehrt. Das Kolonialwarengeschäftes von Adolph Schwartz befand sich von 1854 bis 1890 im Hause Kirchplatz 9.

Mit Wilhelm Schepeler und Georg Heinrich Ballauff fing die Geschichte des Kolonialwarengeschäftes von Adolph Schwartz an. Schepeler, seines Zeichens Kaufmann und Schwiegervater von Adolph Schwartz, gründete 1825 gemeinsam mit Ballauff ein Tuchhandelsgeschäft.

Lange blieb es jedoch nicht bei der Doppelspitze, denn nur drei Jahre später verließ Ballauff das Geschäft bereits wieder. Schepeler ließ sich davon aber nicht unterkriegen und arbeitete daran, sein Warenangebot aufzustocken. Neben einer Auswahl an Manufakturware (Meterware) gab es bei Schepeler bald auch textile Fertigware – also fertige Kleidungsstücke oder auch Heimtextilien.

Das wachsende Sortiment, zu dem neben richtiggehenden Modeartikeln bald auch Lebensmittel zählten, brauchte mehr Platz. Da kam es Schepeler gerade recht, dass die Gebrüder Baurmeister die Herstellung ihrer Tabakwaren von Münden nach Karlshafen verlegten. 1852 bekam Schepeler das alte Warenlager der Baurmeisters in Kommission überlassen. Zwei Jahre nach der Erweiterung gab Kaufmann Schepeler das Geschäft ab – und da kam Schwiegersohn Adolph Schwartz ins Spiel, denn er übernahm. Doch damit nicht genug, auch Schwartz setzte auf ein größeres Angebot und führte die Erweiterung fort.

Ab dem 1. November 1854 warb er offiziell für die neuen „Colonial- & Materialwaren“. Es gab nun also auch Waren aus Übersee wie Kaffee, Tee, Gewürze oder Baumwolle. Schwartz entwickelte das Sortiment stetig weiter und so gelang es ihm, sein Geschäft im Laufe der Zeit zu einem der führenden und modernsten in Münden zu machen. Ob Damenmode, Herrenbekleidung, Heimtextilien, Außergewöhnliches aus Übersee oder einfache Lebensmittel – Schwartz hatte nahezu alles. In seinen Laden lagen sizilianische Apfelsinen und kubanischer Honig kaum weiter auseinander als die „Amerikanischen Patent-Gummi-Handschuhe“ und die Lindener Wachsseife oder das „Wiener Putzpulver“. Genauso gab es aber auch heimische Produkte wie beispielsweise Eimer von der Holzwarenfabrik Mügge/Lagershausen vom Werraweg, nachfolgend Francke & Gedrath.

Nicht einmal vor vermeintliche Medizin machte er Halt. Wer es mit dem Magen hatte, konnte bei Schwartz auch das „Calmüser rühmlichst bekannte Magen-Elixir“, das mit „guten Kornbranntwein“ enthalten sollte, bekommen. Ein Wechsel vollzog sich in dem Geschäft von Adolph Schwartz erst, als 1868 die Forstakademie gegründet wurde. Im Zuge dessen orientierte sich der Kaufmann etwas um und konzentrierte sich verstärkt auf Forstuniformen und Jagdbekleidung. 1890 folgte dann doch noch eine markante Änderung. Das im Herzen der Dreiflüssestadt gegründete Geschäft, das am Kirchplatz 9 „Möbel Drebing“ Dreh- und Angelpunkt für Genüsse und Produkte aller Art war, wurde letztlich nach Hannover verlegt.

(Sarah Schnieder)

Werbung für das Kolonial- und Materialgeschäft von Adolph Schwartz aus dem Oktober 1854.

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