Eröffnung im Jahr 1878

Damals in Münden: Ein Krankenhaus dank Spenden

Der 1928 errichtete Gartenflügel rundete den Ausbau des Krankenhauses am Vogelsang ab. Nach Umbauten beherbergt es heute Seniorenwohnungen des Bauvereins. Ansichtskarte aus den 1930er Jahren von Wilhelm Kantelhardt aus der Sammlung von Stefan Schäfer. Repro: Stefan SChäfer/nh
+
Der 1928 errichtete Gartenflügel rundete den Ausbau des Krankenhauses am Vogelsang ab. Nach Umbauten beherbergt es heute Seniorenwohnungen des Bauvereins. Ansichtskarte aus den 1930er Jahren von Wilhelm Kantelhardt aus der Sammlung von Stefan Schäfer.

Jeder, der medizinische Hilfe braucht, findet in der näheren Umgebung ein Krankenhaus. Das war in Hann. Münden nicht immer eine Selbstverständlichkeit.

Hann. Münden – Natürlich gibt es große Krankenhäuser in Göttingen und Kassel, aber für die Bevölkerung dazwischen ist das Mündener Krankenhaus eine wichtige Anlaufstelle. Doch Münden bekam erst Ende des 19. Jahrhunderts ein eigenes Krankenhaus – genauer gesagt 1878. Bis das jedoch seine Türen öffnen konnte, dauerte es, denn es gab einige Probleme. Allen voran das Geld.

1873, als sich aus einem Erbe 50 Taler für den Bau eines Krankenhauses ergaben, kam die bereits in den 1860er Jahren entstandene Idee ins Rollen. Weil mit der Spende aus dem Erbe eine Fünfjahresfrist einherging, galt es, schnell zu sein.

Sämtliche Geistliche der Stadt riefen ihre Gemeinden zu weiteren Spenden auf. Innerhalb eines Jahres kamen so immerhin 704 Taler zusammen. Das reichte jedoch noch lange nicht aus, denn das neue Hospital sollte 4450 Taler kosten.

Die Pläne sahen ein Krankenhaus mit acht Zimmern, Nebenräumen, deren Aus-stattung sowie einen eigenen Trinkwasserbrunnen vor. Dazu kamen noch einmal 475 Taler Betriebskosten pro Jahr. Weil das die Möglichkeiten der Stadt und dessen Bevölkerung überstieg, wurde an die Heimatverbundenheit bereits verzogener Mündener appelliert – und das mit Erfolg. Einer dieser „auswärtigen Mündener“ war bereit, 12 000 Mark zu spenden.

In der Zwischenzeit hatte nämlich der Taler seine Gültigkeit verloren, 1876 wurde die Reichsmark eingeführt. Allerdings war diese Summe unter anderem mit der Prämisse verbunden, dass innerhalb von drei Monaten noch einmal die gleiche Summe durch die Mündener selbst zusammenkommen sollte. Der neu gegründete Krankenhausverein machte sich sofort ans Werk und schaffte das tatsächlich.

Anfang des Jahres 1876 waren 39 000 Reichsmark für den Bau zusammengekommen. Bald war am Vogelsang ein passendes Grundstück gefunden, sodass am 11. August desselben Jahres der Grundstein gelegt werden konnte.

Zwei Jahre dauerte es, bis das Krankenhaus öffnen konnte. Weil unter denjenigen, die um Spenden gebeten wurden, viele Juden waren, hatte sich anfangs Besorgnis geregt, ob das neue Krankenhaus denn auch als christliches gedacht war.

Krankenhaus sollte konfessionslos sein

Dem war nicht so, denn: Das Mündener Krankenhaus sollte nicht an eine Konfession, sondern lediglich an die Humanität gebunden sein. So sah sich das Krankenhaus „zur Aufnahme Kranker in der Stadt Münden und Vorstadt Blume ansässiger oder beschäftigter Personen beiderlei Geschlechts ohne Unterschied der Religion oder Confession“ verpflichtet.

Am 12. Juni 1878 war es dann so weit. Sieben reguläre Betten und zwei für Kinder standen nun zur Verfügung. Patienten, die außerhalb dieses Bereichs wohnten, war es auch möglich, im Mündener Hospital behandelt zu werden, sofern der Vereinsvorstand und der Arzt zustimmten.

Für die Behandlung im Mehrbettzimmer waren dann allerdings 1,20 Mark zu bezahlen. Für Patienten aus Münden und von der Blume kostete ein sechs- bis achtwöchiger Krankenhausaufenthalt nichts extra, wenn sie sich zuvor zu einem jährlichen Beitrag in Höhe von drei Mark bereit erklärt hatten.

Der Andrang war groß und das Krankenhaus hatte einiges zu tun. Die Patientenzahlen stiegen stetig und bereits im Oktober 1879 musste eine zweite Diakonissin für die Krankenpflege angestellt werden. Bis 1898 hatte das Krankenhaus 4475 Patienten aufgenommen und 4154 genesen oder zumindest in gebessertem Zustand wieder entlassen. Nur 321 waren gestorben.

Bis 1928 musste drei Mal angebaut werden. Zum Teil wurden auch diese Ausbauvorhaben aus Spenden und Erbschaften gedeckt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das in Neumünden errichtete Garnisonslazarett zum Krankenhaus. 1953 und 1956 kam es zu Erweiterungen, sodass das Krankenhaus am Vogelsang letztlich geschlossen wurde. (Sarah Schnieder)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.