Maßnahmen verwirren Kunden

Das Warten hat ein Ende: Geschäfte in Hann. Mündens Innenstadt sind wieder geöffnet

Ein großes freundliches Schild soll die Kunden zu Bonnie & Kleid in Hann. Münden locken.
+
Ein großes freundliches Schild soll die Kunden zu Bonnie & Kleid in Hann. Münden locken.

Nach dreimonatiger coronabedingter Schließung ist es endlich soweit: Die Geschäfte in den Innenstädten dürfen öffnen. Wo braucht man Termine? Sind die Kunden überhaupt in Kauflaune?

Hann. Münden – Seit gut einer Woche können Kunden nun wieder vor Ort stöbern, an- und ausprobieren. Wir haben bei Einzelhändlern in der Mündener Innenstadt nachgefragt, wie das Geschäft nach der langen Pause wieder anläuft.

„Wir Bekleidungsgeschäfte stehen auf der Verliererseite“, sagt Tatjana Schloßbauer, Inhaberin des Bekleidungsgeschäfts Lalanka. Vor allem mit Blick auf die Winterware hat der Lockdown Spuren hinterlassen: Pullover, Jacken, Mützen und Schals werden jetzt, wo der Frühling vor der Tür steht, nicht mehr benötigt. Sie werden eingelagert und können hoffentlich, so die 51-Jährige, in der nächsten Saison verkauft werden.

Inhaber und Kunden sind verunsichert

Allgemein ist die Ladeninhaberin in eher verunsichert. Zwar freue sie sich, wieder öffnen zu dürfen und die Kunden hätten auch Lust, zu gucken und etwas zu kaufen, die notwendige Terminreservierung sei aber für viele abschreckend. Oft habe sie Kunden am Schaufenster stehen sehen, die sich nicht hereingetraut haben – trotz der vielen Schilder, die darauf hinweisen, dass auch spontane Termine möglich sind.

Lalanka: Termin-Shopping verunsichert die Kunden.

„Bei dem Wirrwarr an Regeln steigt auch keiner mehr durch“, sagt Andreas Sadowsky, Filialleiter des Sportgeschäfts Sport-Treff und Mitglied der Mündener Gilde. Es wundere ihn nicht, dass oft Kunden in den Laden kommen, die gar nicht wissen, dass sie einen Termin benötigen. Grundsätzlich ist Sadowsky positiv gestimmt, trotzdem habe er Bedenken, ob die Geschäfte langfristig geöffnet bleiben dürfen.

Icke ist auf seine Kunden angewiesen

Klaus-Werner Kirbach, besser bekannt als „Icke“, konnte sich im Lockdown mit dem Paketshop in seinem CD-Geschäft über Wasser halten. Die Provosion, die er dadurch erhält, „ist aber nicht die Welt“, sagt er. Er ist auf seine Kunden angewiesen.

Klaus-Werner Kirbach, genannt Icke, führt den kleinen CD-Laden in der Hann. Mündener Marktstraße.

Beim Gespräch mit unserer Zeitung am Nachmittag stand gerade der erste Kunde des Tages vor der Tür. „Wenn ich nicht etwas aus der Apotheke gebraucht hätte, wäre ich auch nicht hierher gekommen“, sagt Gerd Wenzel bei seinem kurzen Besuch. Er sei schon lange nicht mehr in der Stadt gewesen. „Hier ist es sowieso tot“, sagt er.

„Die Leute sind verängstigt und bleiben lieber zu Hause“, begründet Kirbach die Flaute. Der 71-Jährige führt den Laden bereits seit 1975 und arbeitet gerne dort. Vor allem um fit zu bleiben, wie er sagt, ganz nach dem Motto „Wer rastet, der rostet“. Gerade kleine Geschäfte seien von der Corona-Krise besonders hart getroffen, so Kirbach. „Keiner meldet sich telefonisch an oder kommt extra in die Stadt, um eine CD zu kaufen.“ „Click and Meet“, wie die Möglichkeit der Shopping-Terminreservierung auch genannt wird, hält er für keine gute Lösung: Ältere Menschen, die den Großteil seiner Kundschaft ausmachen, wüssten häufig nicht, was das bedeutet, oder hätten schlicht nicht die technischen Möglichkeiten dazu.

Die Stimmung ist gut

„Wir shoppen nicht online, wir wollen die Sachen vorher sehen und anfassen“, ist sich das Ehepaar Westhäuser im Spielwarengeschäft Hendrich einig. Die Freude, Ostergeschenke für ihre Enkel im Geschäft kaufen zu können, ist den Mündenern ins Gesicht geschrieben.

So gehe es laut Geschäftsinhaberin Ilona Stadler vielen Kunden. Die Stimmung ist gut – sowohl bei den Kunden als auch bei den Verkäuferinnen. „Der zwischenmenschliche Kontakt ist herzlicher“, sagt Julia Stadler, Tochter der Inhaberin. Immer wieder klingelt das Telefon: Die Kunden rufen an um zu fragen, ob sie einen Termin brauchen. Das ist in dem Spielwarengeschäft nicht nötig, da es dort auch Baby-Ausstattung zu kaufen gibt, das Geschäft somit zum täglichen Bedarf gehört und den gleichen Regeln wie Supermärkte und Drogerien unterliegt. Auch hier ruft die Frage, wie es langfristig mit dem Einzelhandel weitergehen soll, Unsicherheit hervor. (Lea-Sophie Mollus)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.