„Das ist der Super-Gau“

Dehoga-Chef Guido Einecke warnt vor Pleitewelle

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Wegen Corona bleiben die Mündener schon vor den neuen Regelungen zuhause: Trotz Sonnenschein kaum Kunden beim Gasthaus „Zum letzten Heller“. 

„Was wir gerade erleben, ist der Super-Gau für unsere Branche“, erklärt Guido Einecke, der Hann. Mündener Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands.

Wenn die Politik nicht rasch helfe, drohe in den kommenden Wochen eine „nie da gewesene Pleitewelle“.

„Viele meiner Kollegen sind derzeit so verzweifelt, dass sie im Gespräch mit mir zu weinen anfangen“, berichtet der Dehoga-Chef. Alles, was sie sich in den vergangenen Jahren aufgebaut hätten, drohe innerhalb kurzer Zeit zerstört zu werden.

Viele fürchteten um ihre wirtschaftliche Existenz, ihre Altersversorgung. Bei den meisten Kollegen reichten die Rücklagen „höchstens ein paar Wochen“. „Völlig unverschuldet“ seien sie „in die schlimmste vorstellbare Krise“ gestürzt worden. Die Zahl der Stornierungen in seinem Mündener Ratsbrauhaus beliefen sich aktuell auf mehr als 1800 Essen. Bis in den Juni hinein habe es Absagen gegeben.

„Wir kommen aus der umsatzschwachen Zeit“, führt Einecke aus. Er habe wie andere Kollegen auch aufgrund des Fachkräftemangels sein Personal über die Winterzeit gehalten. Dass die Politik nun ausgerechnet zum Saisonbeginn die Öffnungszeiten der Gastronomie und touristische Reisen beschränke, treffe die Branche „hart“.

Lieferservice, Schließungen und Kurzarbeitergeld gegen die Krise

Die Einnahmen seien in den vergangenen Tagen „drastisch“ eingebrochen. „Ich versuche durch den Aufbau eines Lieferservice gegenzusteuern“, berichtet Torsten Roß vom Laubacher Gasthaus „Zum Braunen Hirsch“.

Um laufende Kosten zu verringern und die eigenen Mitarbeiter vor Ansteckung zu schützen, macht das Mündener Vier-Sterne-Hotel „Alter Packhof“ von Montag an für zwei Wochen zu, kündigt Direktorin Ursula Sorrentino an. Andere Betriebe nutzen das Kurzarbeitergeld, dessen Bezug die Politik gerade erleichtert hat. „Alle nötigen Unterlagen habe ich meinem Steuerberater übergeben“, berichtet Martina Lange, die Chefin des Hotel-Restaurants „Zum letzten Heller“.

Kurzarbeitergeld bedeute für seine Beschäftigten „einen tiefen Einschnitt“, gibt Ratsbrauhauschef Einecke zu bedenken. Die Mitarbeiter erhielten von der Arbeitsagentur nur einen Teil ihres Nettolohns. Sie müssten zudem auf die Abend- und Feiertagzuschläge sowie die Trinkgelder verzichten.

Kredite helfen nur kurzfristig

„Bei laufenden Krediten sind Unternehmen auf die Kulanz der Hausbanken angewiesen, damit Tilgungen erst einmal ausgesetzt werden“, erzählt Annette Rothweiler, Geschäftsführerin des Flux-Biohotels Werratal. Weiter fällig seien unter anderem Pachten und Ausgaben für Energie.

Die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Kredite sicherten kurzfristig die Liquidität. „Damit erhöht sich aber die Schuldenlast“, betont Dehoga-Chef Einecke. Irgendwann müsse das Geld zurückgezahlt werden – bei den niedrigen Margen in der Branche eine Herausforderung.

„Die öffentliche Hand könnte eine Zeit lang die Lohnnebenkosten übernehmen oder auf Steuern und Abgaben verzichten“, regt Einecke an. Helfen würde ihnen auch eine Senkung der Mehrwertsteuer von derzeit 16 auf sieben Prozent.

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