Serie: Regionale Lebensmittel

Dem Boden abgetrotzt: Kartoffeln vom Klostergut Hilwartshausen

Kartoffeln an der Weser: Rüdiger Renoldi baut sie an, obwohl der Boden in der Region nicht wirklich geeignet ist.
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Kartoffeln an der Weser: Rüdiger Renoldi baut sie an, obwohl der Boden in der Region nicht wirklich geeignet ist.

Regionale und saisonale Lebensmittel sind im Trend. In der Region Hann. Münden gibt es viele Landwirte und Hobby-Bauern, die ihre Produkte direkt vermarkten. Heute stellen wir Rüdiger Renoldi vor.

Hilwartshausen – Die Region ist nicht gerade bekannt als typische Kartoffelanbaugegend, wie etwa die Pfalz, die Region Burgdorf oder die Heide. Die Böden sind hier häufig eher steinig und schwer, das bedeutet: recht lehmig. Weil sie das Wasser besser halten, erwärmen sie sich langsamer. Bei Trockenheit neigen die Böden bei steigenden Tonanteilen dazu, Klumpen zu bilden.

Für die maschinelle Ernte von Kartoffeln ist das ungünstig, denn statt im Kartoffelroder durch die Förderkettenketten zu rieseln, wandert der Boden in Form von Klumpen oftmals mit über die Transportbänder und muss später mühsam von Hand aussortiert werden. Kartoffeln werden in der Region daher überwiegend zur Selbstversorgung und Ernte per Hand in Gärten und kleinen Feldern angebaut.

Regionale Kartoffeln gibt in der Selbstbedienungs-Verkaufshütte

Einer, der es dennoch gewagt hat, ist Rüdiger Renoldi. Der 47-Jährige aus der Region Aachen hat in Soest Landwirtschaft studiert und ist über seinen Studienfreund Claus Baumgärtel vom Klostergut Hilwartshausen vor zehn Jahren in die Region gekommen. Heute arbeitet er als landwirtschaftlicher Dienstleister, baut in der Region Kartoffeln an und vermarktet sie in einer Selbstbedienungs-Verkaufshütte an der Klosterscheune am Klostergut Hilwartshausen, unweit der B 80.

Dort unten im Wesertal ist der Boden sandiger und somit auch siebfähiger. „Ich habe große Freude am Kartoffelanbau und wollte mir zudem was Eigenes aufbauen“, sagt der Landwirt, der mittlerweile in Veckerhagen lebt. Zudem sei die Kartoffel ein schönes Produkt, bei dem man eine direkte und unmittelbare Beziehung zum Kunden aufbauen könne.

Erhältlich sind die Kartoffeln in 5- und 12,5-Kilo-Gebinden. Bei den Sorten macht Renoldi keine Experimente und setzt auf klassische, beliebte Konsumware: als frühe Kartoffel die Sorte Glorietta, als spätere und zum Einkellern geeignete die Sorte Belana.

Kartoffelernte: Technik hilft beim Sortieren

Über die Jahre hat sich Renoldi allerhand an Technik zugelegt: Wurde die gerodete Ware zu Anfang noch von Hand sortiert und verpackt, hat er mittlerweile in ein Sortierband investiert. Dabei laufen die Kartoffeln über ein Reinigungs- und Sortierband – dort fällt anhaftende Erde ab, außerdem werden zu kleine und zu große Kartoffeln automatisch aussortiert – sowie auf einen Sortiertisch.

Dort werden von Hand fehlerhafte Kartoffeln aussortiert, etwa solche mit grünen Stellen, Beschädigungen oder Deformationen. Die handverlesene Ware fällt in Säcke, die automatisch aufs gewünschte Gewicht abgewogen werden.

Durch die dicken Mauern der Klosterscheune liegen die Kartoffeln dunkel, trocken und frostfrei, sodass er bis weit ins kommende Jahr hinein Kartoffeln anbieten kann. „Das Ziel ist eine Ganzjahresversorgung, dass also im Frühsommer die alte Ernte von frischen, vor Ort angebauten Frühkartoffeln abgelöst werden. Aber so weit bin ich noch nicht“, sagt Renoldi.

Daher setzt er auch weiter auf einem Kooperationspartner im westfälischen Lemgo, der ihn mit sehr frühen Kartoffelsorten beliefern kann, ehe seine Ware „made in Hann. Münden“ erntereif ist. Außerdem gibt es von diesem Partner auch Knoblauch, rote und gelbe Zwiebeln, Kürbisse sowie Ingwer in der Kartoffelhütte zu kaufen. (Christian Mühlhausen)

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