Hauseigentümer sind selbst verantwortlich

Denkmalpfleger über Sicherheit am Fachwerkhaus: Gefahren in der Mündener Altstadt

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Gefahrenstelle Dachkanten: Hauseigentümer sind für den Zustand der Immobilie selbst verantwortlich. 

Die Altstadt von Hann. Münden zählt etwa 450 Fachwerkhäuser, dazu kommen noch ein paar kleinere Hintergebäude. Davon sind aber nicht alle in einem guten Zustand. 

Drei bis fünf Prozent der Gebäude stehen leer, schätzt Hann. Mündens Denkmalpfleger Burkhard Klapp.

Vor Kurzem ist vom Dach eines dieser Gebäude, vom im Volksmund als „Kohlen-Hesse-Haus“ bezeichneten Gebäude an der Ziegelstraße, ein Winkel vom Dachrand in die Tiefe und auf ein geparktes Auto gestürzt. Verletzt wurde auf der stark frequentierten Straße glücklicherweise niemand. Der Schaden sei mittlerweile behoben, sagt Burkhard Klapp.

Der Denkmalpfleger und Detlef Rauchhaus von der städtischen Bauordnung betonen, dass Eigentümer für die Sicherheit am Haus selbst verantwortlich sind. „Wir können die Eigentümer durch Kontrollgänge nicht aus ihrer Verantwortung entlassen“, sagt Klapp. 

Stadt kann bei Gefahr eingreifen

Wenn er etwas an Fachwerkhäusern zu beanstanden habe, seien die Reaktionen der Eigentümer unterschiedlich. Manche seien für Hinweise sehr dankbar, andere wiederum reagierten unwirsch oder gar aggressiv.

Wenn Gefahr von Häusern ausgehe und die Eigentümer nicht kooperieren, kann die Stadt direkt eingreifen, mit einer sogenannten Ersatzvornahme. Das war beispielsweise Ende 2016 in der unteren Langen Straße der Fall.

Burkhard Klapp, Denkmalpfleger in Hann. Münden

Nachdem der Eigentümer der Immobilie, die Kokon Verwaltungs- und Grundstücks GmbH & Co. KG, der mehrmaligen Aufforderung der Stadt, die von der Dachfläche zur Straßenseite hin ausgehenden Gefahren zu beseitigen, nicht nachgekommen war, reagierte die Verwaltung. Sie ließ die Schäden am Dach von einer Fachfirma beseitigen, die Kosten wurden dem Eigentümer in Rechnung gestellt.

Diskussion um "Fachwerk-TÜV"

Denkmalpfleger Klapp spricht von einem Schätzspiel, wenn es darum gehe, Mängel am Fachwerk zu beurteilen. Nicht jeder Leerstand mache Probleme. Klapp: „Die Frage ist, wie geht der Eigentümer damit um.“ Auch ein nicht bewohntes Haus muss nicht per se in einem kritischen Zustand sein.

Die Städte des Fachwerk-Fünfecks – Hann. Münden, Northeim, Duderstadt, Einbeck und Osterode – diskutieren laut Klapp darüber, eine Art „Fachwerk-TÜV“, der gezielt auf Mängel achtet, ins Leben zu rufen.

Nicht zuletzt hängt das aber an der Finanzfrage. Ob Kontrollinstanz oder nicht: „Eine Sanierung von Fachwerk“, so der Denkmalpfleger, „kann nie abgeschlossen sein“. 

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