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Historischer Raddampfer Kaiser Wilhelm in Hann. Münden

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Der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ bei der Ankunft am Tanzwerder in Hann. Münden. Rund 200 Passagiere waren an Bord des Schiffes, das zuvor in Gieselwerder und Bad Karlshafen Halt gemacht hatte.
Der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ bei der Ankunft am Tanzwerder in Hann. Münden. Rund 200 Passagiere waren an Bord des Schiffes, das zuvor in Gieselwerder und Bad Karlshafen Halt gemacht hatte. © Ekkehard Maass

Der historische Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ fährt für etwa zwei Wochen auf der Oberweser. Derzeit ist er von Münden nach Hameln unterwegs.

Hann.Münden – Es war ein majestätischer Anblick, als der „Kaiser Wilhelm“ die letzte Biegung des Flusses nahm und unter Volldampf auf den Tanzwerder in Hann. Münden zusteuerte. Mehrmals schallte der lang gezogene Pfeifton durch das Wesertal, mit dem der Raddampfer traditionell seine Ankunft signalisiert.

Unter den rund 500 Zuschauern, die am Montagabend am Weserstein auf den „Kaiser Wilhelm“ gewartet hatten, brandete ebenso Applaus auf wie unter den Menschen, die auf der alten Kaimauer an der Weserumschlagstelle und auf der Weserbrücke gestanden hatten, um den „Kaiser“, wie ihn viele kurz nennen, zu begrüßen.

„Ich hatte Gänsehaut, als wir um die Kurve fuhren und die Menschen auf dem Tanzwerder sahen“, sagte Kapitän Markus Reich. Auch auf dem Schiff hätten die Menschen geklatscht. „Die letzten Kilometer haben wir heruntergezählt.“ Es sei ein sehr emotionaler Moment für ihn gewesen, mit dem „Kaiser Wilhelm“ dort anzukommen, wo er vor 52 Jahren zuletzt gefahren ist. Aber nicht nur in Hann. Münden hätten die Menschen an den Ufern gestanden, sondern überall an der Strecke.

Der „Kaiser Wilhelm“ war vor 52 Jahren noch Teil der Flotte der Oberweserdampfschifffahrt (OWD), die auf der Oberweser im Linienverkehr fuhr. Nach seiner letzten Fahrt verkaufte ihn die OWD an das Lauenburger Elbschifffahrtsmuseum mit seinem Förderverein. Der „Kaiser Wilhelm“ ist derzeit auf seiner wegen Corona um zwei Jahre verspäteten Jubiläumstour. Die 27 Besatzungsmitglieder gehören alle dem Verein an, der Dampfer ist ihr Hobby. Reich ist seit neun Jahren der Vorsitzende. Für ihn sei es eine große Ehre, das 122 Jahre alte Schiff fahren zu dürfen.

Im normalen Leben ist der 63-jährige Lauenburger Reeder mit Kapitänspatent. Seit einer Woche ist er nun mit dem Schaufelraddampfer von Lauenburg zur Oberweser unterwegs, am Montag auf der letzten Etappe von Höxter nach Hann. Münden.

Ihm zur Seite steht Jan Kruse (46) als zweiter Kapitän und Lotse für die Oberweser. Kruse ist Sohn des letzten Kapitäns, der mit dem Dampfer noch im Linienverkehr unterwegs war. Auch er hat früher für die OWD als Schiffsführer gearbeitet. Heute ist er Berufsschullehrer.

Dass die Oberweser keine einfache Strecke ist, zeigte sich auch am Montag. Statt um 19 Uhr kam das Schiff erst gegen 20.30 Uhr an. Wegen des Niedrigwassers musste der „Kaiser“ an vielen Stellen langsamer fahren, um nicht aufzusetzen. Die Wartenden auf dem Tanzwerder haben es mit Geduld ertragen. Und auch auf dem Schiff habe das niemand gestört, so Reich. Im Gegenteil, die rund 200 Passagiere hätten sich gefreut, dass die Fahrt länger dauere als geplant.

Am Dienstag für die Besatzung Ruhetag. Aber immer war auch jemand an Bord, um Interessierten Rede und Antwort zu stehen. Viele Mündener nutzten am Dienstag die Gelegenheit, den Dampfer zu besichtigen. Für die meisten gehörte auch der Gang in den Maschinen- und Kesselraum dazu.

Dort stand unter anderem Martin Bülow, einer der drei Maschinisten an Bord, bereit, um über die 168 PS starke Dampfmaschine aus dem Jahr 1900 zu informieren. Heute um 8.30 Uhr legt der „Kaiser Wilhelm“ zu einer Fahrt nach Hameln ab. Sie ist eine vom mehreren Touren auf der Oberweser. Am Freitag macht er dann wieder in Hann. Münden fest. Nächster Besichtigungstermin ist am kommenden Montag, 25. Juli. An diesem Tag wird das Schiff auch mit Kohle beladen. Pro Tag werden etwa 1500 Kilo verheizt.

In Hann. Münden darf das Schiff den Anleger der MS Weserstein mitnutzen. Überhaupt, so Reich, werde sein Team von der Weserstein-Crew stark unterstützt. Ohne ihre Hilfe wäre das alles nicht so einfach.

Informationen zu den Fahrten und zu der ganzen Tour unter raddampfer-kaiser-wilhelm.de (Ekkehard Maass)

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