Mündener Ansichten

Der Weg zur ersten Fuldabrücke in Hann. Münden: Kleinstaaterei ließ das Projekt anfangs scheitern

Das historische Bild zeigt die Alte Fuldabrücke in Hann. Münden. Diese wurde 1879 erbaut und 1935 ersetzt. Das Bild stammt von etwa 1910
+
Mündens erste Fuldabrücke, die unter Leitung der Firma Philipp Holzmann, einem bis heute bekannten Bauunternehmen 1879 bis 80 entstand. 1935 wurde sie von einem Neubau ersetzt. Das Bild enstand etwa 1910. (Repro)

In Reise in Hann. Mündens Geschichte. Die ersten Ideen für eine große Brücke über die Fulda gingen auf das Jahr 1853 zurück. Das Projekt scheiterte, erst ein Krieg trug zum Gelingen bei.

Hann. Münden – Eine Stadt wie Münden, lebt noch heute von einem intakten Verkehrsnetz und Straßensperrungen treffen uns besonders empfindlich. Ist die Autobahn dicht, dann geht buchstäblich fast nichts mehr.

Das Tempo der Fortbewegung war über Jahrhunderte das Tempo der eigenen Füße. Pferde als Fortbewegungsmittel standen nur wenigen zur Verfügung. Auch und vor allem für den Transport von Waren. Einen ersten Rausch der Geschwindigkeit erlebte Münden mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz 1856. Auch auf den Flüssen waren Dampfschiffe unterwegs, wenn sie nicht phasenweise buchstäblich auf dem Trockenen lagen, da regenarme Sommer immer wieder zur Einschränkung der Schiffbarkeit führten. Die gewerbliche Wirtschaft trafen diese Unwägbarkeiten immer wieder empfindlich.

Straße von Hann. Münden nach Veckerhagen sollte Entlastung bringen

Einen Ausweg sollte der Ausbau von Straßen bieten. Ein weiterer Faktor behinderte den Warenverkehr nachhaltig: Zollbestimmungen. Der deutsche Raum war nach dem Wiener Kongress von 1815 weiterhin ein Flickenteppich von souveränen Einzelstaaten. Mit der Gründung des Deutschen Zollvereins 1834 auf Initiative Preußens, entstand ein Freihandelsraum, dem sich das Königreich Hannover zunächst nicht anschließen wollte. Zum Kurfürstentum Hessen-Cassel, dem Zollverein beigetreten, bestand eine Zollgrenze.

Ein Teil des innerdeutschen Warenverkehrs machte einen Bogen um das heutige Niedersachsen. Für die Handelsstadt Münden bedeutete dies Nachteile.

Kleinstaaterei war der Tod für die Brücke in Hann. Münden

Die Glashütte in Altmünden, im Bereich der heutigen nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt ansässig, war hessisch und auch die Industrie Veckerhagens, die Eisenhütte und die Farbenfabrik Habich hatten ein Interesse an einer Anbindung zu Münden und Zugang zum im Bau befindlichen Bahnanschluss. So entstand im Zusammenspiel der nachbarstaatlichen Interessenten mit dem Mündener Bürgermeister Heinrich Christian Retzmann die Idee einen Straßenausbau nach Veckerhagen und eine Fuldabrücke voranzutreiben. Über Veckerhagen erhoffte man sich auch Transportaufkommen aus dem restlichen Kreis Hofgeismar und dem westlicher liegenden preußischen Kreis Warburg.

Im Jahre 1853 standen die Aussichten auf Realisierung des grenzüberschreitenden Vorhabens aus Sicht des Magistrats der Stadt Münden nicht schlecht, denn das Königreich Hannover trat 1854 dem Zollverein bei. Man kalkulierte Kosten von 19 000 bis 20 000 Talern für dieses Vorhaben und bat die Landdrostei Hildesheim (vergleichbar mit der Bezirksregierung) um Bewilligung des Projekts. Es bedurfte eines einzigen Satzes im Antwortschreiben: „Wir erwidern auf den Bericht vom 30. April 1853, dass auf das Projekt zum Bau einer Brücke über die Fulda nicht eingegangen werden kann.“

Deutscher Einigungskrieg (1866) beschleunigte das Vorhaben in Hann. Münden

1868, das Kurfürstentum Hessen und das Königreich Hannover waren 1866 von Preußen annektiert worden, lebte die Idee wieder auf, eine Brücke und eine Straße bis nach Karlshafen ausbauen zu lassen, aber erst im Frühjahr 1879 war die Entscheidung für den Bau der Brücke gefallen, die dann nicht lange auf sich warten ließ. Im Juni 1879 war Baubeginn und im Dezember 1880 war es geschafft. Auf acht Pfeilern ruhten die als Stahlfachwerk konstruierten Bogensegmente, die aus Pforzheim als Schiffsfracht nach Münden gebracht wurden und in sechs Monaten mit Nietverbindungen montiert wurden.

Der Anschluss der Straßen nach Wilhelmshausen, insbesondere nach Veckerhagen gestaltete sich indes schwieriger als gedacht. Steinschlag vom Rabanenkopf machten einen Anschluss der Veckerhäger Straße erst im Jahre 1882 möglich. Neben der Straßenanbindung war dieses die Geburtsstunde zweier neuer Stadtteile Alt- und Neumünden, die bis dato jeweils nur mit der Unter- und Oberfähre zu erreichen waren. (Von Stefan Schäfer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.