„Das ist gelebtes Europa“

Deutsch-Französischer Tag: In Hann. Münden wird Freundschaft gelebt

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Gemeinsame Erfahrungen verbinden: 2019 gingen die Teilnehmer des Austauschs im Stadtjugendring das erste Mal zusammen in das Atelier Kulturfabrik. Günter Schuster zeigte ihnen die Herstellung eines Leporellos. ArchivFoto: Margitta hild

Diese Woche war der Deutsch-Französische Tag. Der 22. Januar erinnert an die Unterzeichnung des Elisée-Vertrags 1963 und die daraus entstandene enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. Auch in Hann. Münden wird diese Freundschaft gelebt:

Erst im vergangenen Jahr feierte die Stadt das 60-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit dem Pariser Vorort Suresnes. 2020 sind wieder Begegnungen zwischen Jugendlichen beider Länder geplant.

Martina Görtler ist seit 2016 Geschäftsführerin des Stadtjugendrings und organisiert den Jugendaustausch für 14- bis 16-Jährige. Das Angebot besteht seit etwa 30 Jahren, sagt Görtler. Jedes Jahr fahren acht Jugendliche mit zwei Betreuern aus Münden nach Suresnes. Dort treffen sie auf Gleichaltrige aus Frankreich, Serbien, Spanien, Israel und Österreich.

Martina Görtler, Geschäftsführerin Stadtjugendring

Ziel des Stadtjugendrings sei es, dass die Teilnehmer sich mit der gemeinsamen Geschichte und Politik der Länder auseinandersetzen. „Wir wollen Multiplikatoren schaffen“, sagt Görtler. Offenheit, Freiwilligkeit, Inklusion und Diversität – diese Werte wolle der Stadtjugendring vermitteln. Über die Jahre habe sie beobachten können, wie längerfristige Kontakte zwischen den Teilnehmern entstanden seien, besonders mithilfe der sozialen Medien, sagt Görtler. Was jedoch schwieriger werde, sei die Unterbringung der französischen Teilnehmer in deutschen Gastfamilien. Über mehr Freiwillige würde sie sich daher freuen.

Auch das Grotefend Gymnasium Münden bietet seit etwa 40 Jahren einen Schüleraustausch mit dem Collège Jean Macé in Suresnes an. Den organisiert die Französischlehrerin Annie Schminke. 25 bis 30 Schüler verschiedener Klassen des neunten Jahrgangs nehmen daran teil.

Annie Schminke, Lehrerin am Grotefend Gymnasium

„Das ist immer wieder ein besonderes Erlebnis“, sagt Schminke, die in Frankreich aufgewachsen ist. Sie erlebe, dass die Schüler ähnliche Reaktionen zeigen, wie sie bei ihrem Jugendaustausch. „Es gibt immer noch den Kulturschock.“ Die Schüler erleben, wie die Schule funktioniert, das Familienleben, die Freizeit gestaltet wird. Der heutige Medienkonsum und etwaige multikulturelle Hintergründe der Schüler machten keinen Unterschied in der Wahrnehmung einer fremden Kultur. „Sie staunen über die selben Dinge wie wir damals.“

Der Austausch werde im Unterricht vor- und nachbereitet. „Sprachfortschritte halten sich in Grenzen“, sagt Schminke. Einige erhielten einen Motivationsschub, könnten danach freier und sicherer sprechen oder hätten einen erweiterten Wortschatz. Doch wer vorher schon Probleme hatte, für den sei die Zeit zu kurz sich merklich zu verbessern. Schüler weichen dann auch ins Englische aus, sagt Schminke. Im März kommen die französischen Schüler zu Besuch nach Münden. Demnächst beginnt die Anmeldephase für das neue Schuljahr.

Frank Stryga, Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Hann. Münden

Ein Austauschprogramm für Erwachsene ist in diesem Jahr nicht geplant, sagt Frank Stryga, Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Hann. Münden und Vorsitzender des Vereins für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen.

Dieses Jahr stünden in Suresnes die Kommunalwahlen an. Nach 38 Jahren stelle sich Bürgermeister Christian Dupuy nicht mehr zur Wiederwahl auf. Der Nachfolger solle noch in diesem Jahr besucht und nach Münden eingeladen werden. Eine Gelegenheit biete das Weinfest im Oktober in Suresnes, zu dessen Besuch Stryga Interessierte ermuntert.

„Für uns ist das gelebtes Europa“ sagt Stryga zur Städtepartnerschaft. Wer die Sprache und Kultur seines Nachbarn kenne, der komme auch miteinander aus.

Der offene Jugendaustausch des Stadtjugendrings findet vom 19. bis 26. Juli statt. Anmeldungen sind ab sofort möglich. Infos: Tel. 05541/ 65 26 oder unter stadtjugendring-muenden.com

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