Quarantäne-Engel

Die Mutmacher: Diakonie und Tafel richten einen Lebensmittelbringdienst für Personen in Risikogruppe ein

Stellen die Einkäufe vor die Tür: Ehrenamtliche Helfer übernehmen ihren Einkauf, um die Menschen in der Risikogruppe vor einer Corona-Ansteckung zu schützen (Symbolbild).
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Stellen die Einkäufe vor die Tür: Ehrenamtliche Helfer übernehmen ihren Einkauf, um die Menschen in der Risikogruppe vor einer Corona-Ansteckung zu schützen (Symbolbild).

Sie kümmern sich um die Versorgung, setzen sich in der Krise für Menschen ein, halten den Laden am Laufen. Wir stellen diese Mutmacher vor. Hier: die Alltagshelden von Diakonie und Tafel.

Altkreis Münden – Um Menschen in Zeiten von Corona den Alltag zu erleichtern, hat das Diakonische Werk Münden gemeinsam mit der Mündener Tafel einen Lebensmittelbringdienst ins Leben gerufen. Im Blick haben sie dabei vor allem die, die aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustandes zu einer Risikogruppe gehören.

Sozialpädagogin Barbara Jankowski, die neben ihrer Tätigkeit bei der Diakonie auch als ehrenamtliche Helferin bei der Tafel aktiv ist, erlebt hautnah, wie groß der Bedarf an Unterstützung gerade zu Lockdown-Zeiten ist. Als die Tafel im Frühjahr für ein paar Wochen schließen musste, entstand die Idee für den Bringdienst.

„Es ist ein Selbstläufer“

Das Konzept ist simpel: Die Diakonie hat einen Aufruf gestartet, um Helfer zu finden, die für Personen einer Risikogruppe einkaufen. Daraufhin haben sich zahlreiche Mündener gemeldet – so viele, dass gar nicht alle zum Einsatz kommen können – und ihre Hilfe angeboten. Die Mitarbeiter der Diakonie kümmern sich um die Vermittlung zwischen Hilfesuchenden und Helfern. „Es ist ein Selbstläufer“, sagt Barbara Jankowski. Nach der Vermittlung funktioniert das Ganze wie eine Art Nachbarschaftshilfe und die Beteiligten regeln alles Weitere unter sich. Meistens kaufen die „Quarantäne-Engel“, wie Jankowski die Einkaufshelfer nennt, einmal wöchentlich für die meist älteren Menschen ein. Die Einkäufe werden dann vor die Tür gestellt und vom Empfänger bezahlt. Der Service ist kostenlos.

Generell könne jedes Lebensmittel bestellt werden – laut Jankowski müsse die Menge aber begrenzt werden, um beispielsweise Hamsterkäufe zu vermeiden. Die Grenze liegt bei zwölf Produkten. Das sei aber eher ein Richtwert, über den die Beteiligten selbst entscheiden können.

Sind auf Solidarität angewiesen

Tina Bormann ist einer dieser Quarantäne-Engel. Die 49-Jährige ist berufstätige Mutter und hat zuletzt für eine ältere Dame eingekauft. Der Gedanke, jemandem, der Hilfe braucht, unter die Arme zu greifen, sei ihr spontan während des ersten Lockdowns gekommen. „Grundsätzlich denke ich, dass wir in unserem Leben alle hin und wieder auf die Solidarität anderer Menschen angewiesen sind. Es ist ein Geben und Nehmen, wenn auch nicht immer eins zu eins“, sagt sie. Die Mündenerin sehe darin keinen großen Aufwand, bei ihrem eigenen Einkauf noch ein paar Teile für eine andere Person mitzunehmen. „Außer vielleicht im ersten Lockdown, wenn man Toilettenpapier kaufen musste, dann wurde es schwierig.“

Barbara Jankowski sowie die Mitarbeiter der Diakonie und der Tafel freuen sich über so viel Hilfsbereitschaft, die gerade in diesen Zeiten besonders notwendig, aber glücklicherweise auch besonders groß sei. Die Zahl der Menschen, die die Hilfe der Tafel suchen, steige immer weiter an, so die Sozialpädagogin. Im Sommer, als sich die Corona-Situation etwas entspannt hatte, war es etwas ruhiger, jetzt im Lockdown sei der Bedarf aber wieder groß. Und die Situation spiegelt sich laut Jankowski nicht nur beim Lebensmittelbringdienst wider: „Allgemein ist die tägliche Arbeit schwieriger, aber wichtiger denn je“, sagt sie. Bei Homeoffice und Homeschooling sei die Belastung in den Familien oft groß, viele bangen auch um ihren Arbeitsplatz oder haben diesen bereits verloren. Zudem schlage Corona häufig auf die Psyche, sodass das Beratungsangebot der Diakonie häufiger in Anspruch genommen werde, als sonst. Termine finden telefonisch oder per Video statt. Außerdem wurde extra ein Sorgentelefon eingerichtet. (Lea-Sophie Mollus)

Weitere Geschichten der Mutmacher im Altkreis Münden

In unserer unregelmäßigen Serie „Die Mutmacher“ stellen wir Personen vor, die den Laden in der Krise am Laufen halten. So zum Beispiel die Mitarbeiter des Geschwister-Scholl-Hauses in Hann. Münden und die der Stadtbücherei, ebenfalls in Münden. Zudem ein Malermeister aus Staufenberg, die Müllabfuhr, eine Stadtsängerin in Münden, die Mitarbeiter des ASB und eine Vorleserin.

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