Werk versorgt fast 450 Haushalte mit Öko-Strom

Der Mann des Stroms: Dietmar Kürschner leitet das Wasserkraftwerk in Hann. Münden

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Stromversorger: Dietmar Kürschner leitet das  familienbetriebene Wasserkraftwerk an der Kasseler Schlagd. Hier wird täglich Ökostrom für 450 Haushalte produziert. 

Hann. Münden. Dass jedes Mal das Licht angeht, wenn in 450 Mündener Haushalten auf den Schalter gedrückt wird, ist Verdienst der Familie Kürschner und ihres Wasserkraftwerks.

Eigentlich ist Dietmar Kürschner Tischler. Doch mit Holz hat er höchstens noch zu tun, wenn er Äste aus dem Einlaufrechen seines Wasserkraftwerks fischen muss. Säge, Feile und Hobel sind mittlerweile aus dem Leben von Dietmar Kürschner verschwunden. Denn der gebürtige Mündener sorgt heute dafür, dass in 450 Häusern in der Dreiflüssestadt das Licht angeht, wenn man auf den Schalter drückt – er leitet das familienbetriebene Wasserkraftwerk der Kürschners an der Kasseler Schlagd.

Dass er seit 2011 die Geschicke mit seiner Mutter Gudrun und seiner Schwester Antje Jeschke leiten kann, hat er seinem vor zwei Jahren verstorbenen Vater Dr. Klaus Kürschner zu verdanken. Eigentlich wollte der Forstwissenschaftler der Georg-August-Universität Göttingen sich mit Windkraft selbst versorgen. Das, so hieß es damals, sei im Wesertal nicht lukrativ.

Dietmar Kürschner vor dem Wasserkraftwerk in Hann. Münden.

Und so erinnerte sich der passionierte Selbstversorger daran, dass es am Standort der ehemaligen Wasser-Getreidemühle „Graumühle“ noch einen Turbinenkeller gab, der seit dem Ausbau der alten Turbinen brach lag. Kürschner bat um die Genehmigungen für ein modernes Wasserkraftwerk. Ein Weg, der – wegen vieler Schwierigkeiten – 15 Jahre dauern sollte, bis 1998 die ersten Arbeiten begannen. Sohn Dietmar ist von Anfang an dabei und hilft tatkräftig mit. „Das hat der ganzen Familie geholfen“, erzählt der 41-Jährige heute, „so wussten wir von Anfang an ganz genau, was wir tun müssen und wie das Ganze funktioniert.“ So kommt es, dass die Familie 90 Prozent der anfallenden Arbeiten selbst übernimmt, um das Kraftwerk mit einer Leistung von 220 kW am Laufen zu halten.

„Viele Dinge sind automatisiert. Wir haben ein Alarmsystem, dass eine Nachricht aufs Handy schickt, sobald etwas nicht funktioniert“, führt der Familienvater aus. Doch wie wird eigentlich Strom gewonnen?

Zuerst muss das ankommende Wasser von Unrat befreit werden, ehe es die Turbinen antreibt. Diese übertragen ihre Kraft auf eine Riemenscheibe. Von dort aus gelangt die Energie in den Generator und wird ins Stromnetz der Mündener Versorgungsbetriebe gespeist, wodurch im Vergleich mit einem Wärmekraftwerk pro Jahr 1500 Tonnen Kohlendioxid gespart werden.

Allein schon deshalb hat sich der Verzicht auf Holz für Kürschner schon gelohnt.

Das Wasserkraftwerk in Zahlen

Das Wasserkraftwerk der Kürschners an der Fulda sorgt für Erleuchtung und ist weitaus mehr als ein kleiner Generator – die Zahlen belegen das:

12 Kubikmeter Wasser fließen pro Sekunde durch das Kraftwerk.

18 Jahre lang versorgt dass Kraftwerk die Mündener schon mit Strom.

220 kW beträgt die Leistung der zwei Kaplan-Turbinen. 450Haushalte in Münden können durch den Familienbetrieb der Kürschners mit Strom versorgt werden.

619 Jahre ist es her, dass am Standort des Kraftwerks erstmals eine Mühle urkundlich erwähnt wurde.

1500 Tonnen Kohlendioxid werden durch die Ökostrom-Gewinnung pro Jahr im Vergleich zu einem Wärmekraftwerk gespart. 

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