„Dinge, die positiv sind, beibehalten“

Hann. Münden: Carsten Rose über die Polizeiausbildung in Coronazeiten

Die Polizeiakademie im Hann. Mündener Ortsteil Gimte.
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Die Polizeiakademie im Hann. Mündener Ortsteil Gimte.

Orte des Lernens sind besonders von der aktuellen Coronakrise betroffen. Viele Menschen kommen dort zusammen, das Virus hat leichtes Spiel, von Mensch zu Mensch überzuspringen.

Hann. Münden/Nienburg – Dieser Herausforderung musste sich die Niedersächsische Polizeiakademie stellen, die auch einen Standort in Hann. Münden hat. Wir haben mit Carsten Rose, dem Direktor der Akademie, über die Lage, Herausforderungen und die Zukunft gesprochen.

Wie verlief an den Polizeiakademien in Niedersachsen die Umstellung in den „Lockdown-Modus“?

Das war eine Herausforderung, auf die wir so natürlich nicht vorbereitet waren. Allerdings stand bereits seit 2018 die zunehmende Digitalisierung auf der Agenda, sodass wir den Theorieunterricht sehr schnell umstellen konnten. Bei der Praxis mussten wir improvisieren. Wir lernten über das Frühjahr und den Sommer viel dazu.

Wie sieht denn der praktische Unterricht für die Polizeischüler aus?

Dabei handelt es sich um Sport, Erste Hilfe und auch um Schießtraining. Aber auch die Simulation und das Üben bestimmter Situationen aus dem Polizeialltag. Beispielsweise die Festnahme, das Vorgehen bei Ruhestörungen und Fahrtraining mit dem Streifenwagen.

Wie konnte das in den digitalen Raum verlegt werden?

Sportübungen konnten die Schüler zuhause absolvieren. Dafür wurden Lehrvideos zur Verfügung gestellt. Ab Mai war dann wieder Unterricht vor Ort möglich. Dafür wurde ein 40 Seiten starkes Hygienekonzept ausgearbeitet. Übungen wurden zunächst kontaktfrei mit Dummys oder Polstern oder als Schattenboxen durchgeführt. Wir tasteten uns langsam an die Normalität heran. Gruppen wurden entzerrt, die Unterrichtszeiten ausgeweitet und der Samstag wurde als Unterrichtstag mit aufgenommen. Zuerst mussten alle Mund-Nasenschutz tragen, später dann bei den Kontakttrainings FFP2-Masken. Seit dem harten Lockdown im Dezember ruht der praktische Unterricht aber erst einmal.

Wie ist die erste Bilanz daraus? Was sagen die Studenten?

Wir konnten aus dem Training heraus keine Coronainfektion feststellen. Zudem haben wir regelmäßige Evaluationen bei den Studierenden und Lehrenden erfragt. Erst wochenweise, dann monatlich. Dabei erhielten wir sehr positive Rückmeldungen: Die Studierenden waren sehr, sehr motiviert und konzentriert bei der Sache.

Gab es Herausforderungen, die speziell auf den Standort Hann. Münden zutreffen?

In Münden werden alle Trainingseinheiten innerhalb der Liegenschaft absolviert, zudem die Nachwuchsauswahl zentral für ganz Niedersachsen. Da war es schon eine Herausforderung, die einzelnen Gruppen auseinanderzuhalten.

Gibt es nach Corona ein „Zurück zum Alten“?

Nein, das wird es nicht geben. Wir werden die Dinge, die positiv sind, beibehalten. Die Bildungsarbeit wird deutlich digitaler, Fortbildungen und das Studium sollen weiter zum Teil online laufen. Es wurden insgesamt 50 000 Stunden an Onlineveranstaltungen seit Beginn von Corona abgehalten. Dafür wird auch unser Curriculum angepasst. Sehr gut fahren wir mit einer hybriden Form des Unterrichts, ein Wechsel zwischen digital und Präsenz. Fortbildungen werden in Münden vorgenommen im Vergleich: 2020 hatten wir 130 digitale Fortbildungen, mit etwa 2500 Teilnehmern. 2019 waren es 40 digitale Fortbildungen. Vieles wird also bleiben. Zudem haben wir massiv unsere Technik ausgebaut. Räume mit Greenscreen und zur Aufnahme von Audio- und Videopodcast.

Wie laufen denn die Prüfungen im Corona-Modus ab?

Bisher wurden diese mit Präsenz abgehalten. In sehr großen Räumen, mit Abstand und unter den geltenden Hygieneregeln. Zudem wurden mobile Raumluftfilter beschafft, über 40 an der Zahl, die alle bald vollständig vor Ort sein sollen. Diese werden dann in den Prüfungsräumen eingesetzt. Auch in Hörsälen, Übungsräumen und Ähnlichem.   Ab Ende Januar sollen Prüfungen auch digital absolviert werden, durch einen Videochat. Alle rund 1000 Studierenden aus dem Jahrgang 2020 konnten ihren Abschluss machen, und auch für den Abschlussjahrgang 2021 mit seinen rund 1 500 Studierenden liegen wir gut im Plan. (Von Jens Döll)

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