Über den Dächern von Münden

Direkt neben der Tillyschanze: Ein Leben am Wahrzeichen

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Heimat: Marlies Scheffel und Reinhold Heck vor der Waldgaststätte Tillyschanze.

Hann. Münden. Wenn Reinhold Heck spricht, verrät ihn sein Dialekt. Er stammt aus südlicheren Gefilden, ist unschwer zu hören; genauer gesagt aus der Pfalz. Seine Heimat ist aber seit vielen Jahren die Tillyschanze.

Der 73-Jährige ist quasi der Herr über das Wahrzeichen der Dreiflüssestadt. Ihm gehören Grund und Boden und die darauf befindliche Waldgaststätte, die Schanze selbst ist in städtischem Besitz. Neben der Tillyschanze wohnt er auch, „in einer Wohngemeinschaft“, wie er schmunzelnd sagt, mit Marlies Scheffel. Beide sind für die Gäste da, meist Wanderer, die ins Gasthaus einkehren. Das Kuriose: Die Schänke liegt in Hessen, die nur wenige Meter entfernte Tillyschanze in Niedersachsen.

„Für ein Weinlokal war das nicht der richtige Ort, aber für ein Gasthaus im Wald schon.“

reinhold heck

„Wir genießen das alles hier oben“, sagt Marlies Scheffel, die aus Münden stammt und noch vor Jahren nicht gedacht hat, dass sie einmal neben der Tillyschanze wohnen würde.

Der Ursprung für ein Leben im Schatten der Schanze liegt im Jahr 1994. Damals kaufte Reinhold Heck mit seiner Frau Monika das Grundstück und die Gebäude.

Damit ging ein Traum in Erfüllung, „denn meine Frau war verschossen in den Ort“. Monika Heck stammte aus Gertenbach nahe Witzenhausen. Eigentlich wollten ihr Mann und sie ein Weinlokal in Münden eröffnen, doch es fand sich kein Ort. Schließlich arbeitete Heck als Weinhändler. Dann bot sich die Chance, die Waldgaststätte, die 15 Jahre geschlossen war, zu kaufen. „Für ein Weinlokal war das nicht der richtige Ort“, sagt Reinhold Heck, „aber für ein Gasthaus im Wald schon“.

Viel Herzblut haben er und seine Frau in das Gasthaus gesteckt, sagt Reinhold Heck. Die größte Leistung sei gewesen, fließendes Wasser, einen Abwasserkanal und Gas dorthin legen zu lassen – von den Versorgungsbetrieben. Monika Heck konnte sich nur fünf Jahre über die Idylle mit dem grandiosen Blick auf Hann. Münden freuen. Am 2. Oktober 2000, an ihrem Geburtstag, starb sie im Alter von 50 Jahren. Reinhold Heck blieb aber oben im Wald und machte weiter. Und er will mit Marlies Scheffel, die 76 ist, noch möglichst lange weitermachen.

Heck lernte seine Partnerin in der Waldgaststätte kennen, als sie dort ihre eigene Geburtstagsfeier anmeldete. Auch sie verliebte sich schnell in die ganze besondere Lage. Jeden Morgen fahren die beiden nach Hann. Münden in die Stadt, holen die Post, dann geht es wieder zurück auf den Berg. Sie wohnen im hinteren Bereich des Gasthauses, das ganze Jahr über.

Reinhold Heck kocht und serviert von der Bockwurst bis zum Schnitzel, „ich bin die Hilfsköchin“, sagt Marlies Scheffel und lacht. Doch sie sind nicht nur für die Gastronomie zuständig, auch für den Tillyschanzen-Turm.

Wer ihn betreten will, muss im Gasthaus zwei Euro zahlen, dann öffnet sich die Tür. Langweilig wird ihnen nicht, „das ist bei dieser Traumlage auch nicht möglich“, sagt Reinhold Heck und Marlies Scheffel nickt.

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