Direktor des Mündener Amtsgerichts: Das Gericht muss bleiben

Der Direktor: Dr. Thomas Matusche (50) leitet seit 2015 das Mündener Amtsgericht im Welfenschloss und spricht sich klar für den Erhalt aus. Foto: Maaß

Hann. Münden. Dr. Thomas Matusche hebt in der Debatte um Standortschließungen die Bedeutung auch kleinerer Gerichte wie in Hann. Münden hervor.

Dr. Thomas Matusche (50), Direktor des Amtsgerichts Hann. Münden, hat die generelle Forderung des Landesrechnungshofes, 29 kleinere Amtsgerichte in Niedersachsen zu schließen, zurückgewiesen. „Es ist wichtig, dass der Rechtsstaat vor Ort ist, nahe bei den Menschen“, sagt Matusche. „Das Mündener Amtsgericht muss erhalten bleiben“. Der Rechnungshof sei zu sehr auf Zahlen und Wirtschaftlichkeit fixiert. Er übersehe zu viele Aspekte, die für die Bürger wichtig seien.

Zuständigkeiten 

Das Amtsgericht sei ja nicht nur die Instanz, vor der Strafsachen und Streitfälle behandelt werden. Es sei zum Beispiel zuständig für Ersbschaftsangelegenheiten, Grundbucheintragungen, Ehescheidungen, Sorgerechts- und Unterhaltsfragen und Betreuungen von Menschen. Für alle diese Dinge müssten die Staufenberger, Mündener und Dransfelder künftig wahrscheinlich nach Göttingen fahren, sollte es das Amtsgericht Hann. Münden nicht mehr geben. Er schätzt, das mehrere hundert Menschen das Gericht im vergangenen Jahr besucht haben.

Genaue Zahlen gibt es darüber nicht, aber sie ergeben sich aus einer Übersicht der Fälle, die 2015 behandelt wurden. Hier eine Übersicht - das Gericht in Zahlen:

866Menschen werden vom Gericht betreut. Es sind Menschen, die teilweise oder ganz ihre Geschäfte nicht mehr regeln können. Das Gericht bestellt Betreuer und kontrolliert sie.

986Einträge ins Grundbuch gab es, wenn Grundstücke und Häuser verkauft und vererbt wurden.

384Menschen haben in Nachlassverfahren in 2015 Erbscheine beantragt.

436Zivilsachen hat das Gericht behandelt. Dabei ging es unter anderem um Mietstreitigkeiten, Verkehrsunfälle und Nachbarschaftsstreit. Gerade in diesen Fällen sei es für den Richter oft wichtig, Ortstermine zu vereinbaren. „Wenn es darauf ankommt, fahren wir hin“, sagt Richter Matusche. Für einen Richter vor Ort sei dies einfacher, als für einen Richter, der erst eine Anfahrt aus Göttingen hat. Auch die Ortskenntnisse, die die Mündener Richter haben, weil sie in der Region wohnen oder lange hier arbeiten, erleichtere in diesen Fällen die Arbeit. „Das ist ein Riesenvorteil.“

222Mal standen Erwachsene wegen Delikten in der Region vor dem Strafrichter, 14 Mal fällte ein Schöffengericht das Urteil in einem Strafprozess.

Das Gericht ist für Strafsachen zuständig, bei denen die Straferwartung nicht über vier Jahre hinaus geht.

64Mal waren es Jugendliche und Heranwachsende, die sich vor Gericht verantworten mussten.

241Ehen hat das Gericht im vergangenen Jahr geschieden.

280Mal entschied das Gericht über das Sorge- und Umgangsrecht bei Kindern.

203weitere Familiensachen haben das Gericht beschäftigt. Dabei ging es in den meisten Fällen um die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die nach Hann. Münden gekommen sind und die alle mit einem Vormund versorgt werden mussten.

414Menschen haben beim Amtsgericht Beratungshilfe in Anspruch genommen. Sie ist für Menschen gedacht, die sich keinen Rechtsanwalt leisten können. Das Gericht stellt nach Prüfung einen Beratungshilfeschein aus, mit dem die Menschen zu einem Rechtsanwalt gehen können. Er rechnet die Kosten dann mit dem Gericht ab.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.